13.10.2020 | Haus & Garten Fünf pfiffige Recycling-Ideen in Bayern

Recycling ist deutschlandweit Pflicht und Gebot gleichermaßen. In der Praxis bedeutet das: Je nach Region werden Plastikmüll, Papiermüll und Restmüll in die dafür vorgesehenen Tonnen oder Säcke geworfen. Was nicht in den Mülltonnen versenkt werden kann oder darf, wird am Wochenende zum Wertstoffhof gefahren. Allerdings gibt es vor allem in Bayern auch zahlreiche pfiffige Recycling-Ideen, wie diese Beispiele zeigen.

Mit der Müll-Spende Vereine unterstützen
Abbildung 1: Vereine in Bayern freuen sich darüber, wenn pünktlich zur Altpapiersammlung im Ort Zeitungsberge am Straßenrand liegen. Dann klingelt es in der Vereinskasse.

In Bayern ist das Gang und Gäbe. Die EVA-Abfallentsorgung beispielsweise, die Erbenschwanger Verwertungs- und Abfallentsorgungsgesellschaft mbH, wie sie hoch offiziell heißt, erklärt online, dass das Unternehmen örtliche Vereine mit der Altpapiersammlung betraut hat. Ein bis zweimal monatlich fahren die Vereine durch den Ort. Im Zuständigkeitsbereich der EVA GmbH ziehen hier seit dem Jahr 2005 alle 34 Gemeinden des oberbayerischen Landkreises Weilheim-Schongau mit.

Für das, was die Vereine im Ort einsammeln, erhalten sie Geld, das die ohnehin meist kargen Vereinskassen wieder aufmöbelt. Je „ordentlicher“ Altpapier und Kartonagen eingesackt und abgegeben werden, desto mehr gibt’s für die Vereine, weswegen die EVA GmbH die Einwohner bittet, Illustrierte und Zeitungen im besten Fall gebündelt an den Straßenrand zu stellen. Knüllpapier und Kartonagen sollte extra bereitgestellt werden. Im besten Fall stehen auch große Pappstücke und Kartons gebündelt am Straßenrand. 

Recycling Points für Liquids gibt es mittlerweile in vielen bayerischen Orten

Eine andere pfiffige Idee hat sich der E-Zigaretten-Hersteller „blu“ einfallen lassen. Dabei kombiniert er nicht nur gekonnt das Online-Angebot mit regionalen Verkaufsstellen, sondern beantwortet auch die Recycling-Frage höchst innovativ. 

So ist das Prinzip: Wer im Online-Shop ordert, erhält die E-Zigarette sowie das dazu notwendige Equipment in einem FSC-zertifizierten Karton und mit einem Sigel von ClimatePartner, das besagt: Der CO2-Ausstoß, der bei der Produktion des Kartons angefallen ist, wird durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten wieder ausgeglichen. So kommt das Dampfer-Equipment möglichst nachhaltig zum Besteller. 

Im nächsten Schritt wird’s regional: Mit dem Ziel vor Augen, möglichst viele Pods zu recyclen, hat das Unternehmen Recycling Points für Liquids deutschlandweit installiert. In Bayern gibt es insbesondere in Städten wie München, Augsburg, Regensburg oder Nürnberg die Option, Liquidpods zum Recycling-Point zu bringen. 

Abbildung 2: Der E-Zigarettenhersteller blu hat mittlerweile deutschlandweit Recycling-Points für Liquidpods eingerichtet.

Für zehn leere Pods kann man als Dankeschön dafür zwei volle Liquidpods mit einer Geschmacksrichtung seiner Wahl zurückzubekommen. 

Upcycling-Ideen aus Bayern

Upcycling ist ein mittlerweile bekannter Trend, der auch eine Form des Recyclings ist. Upcycling können in kleinerem Rahmen viele Privatpersonen umsetzen: Zu kurz gewordene Hosen werden als Shorts getragen; Löcher werden mit coolen Applikationen bestückt. So sieht Upcycling im Privaten aus. Auch die Umnutzung von Milchkartonen zu Stifteköchern ist eine Form des Upcyclings. In Scheßlitz hat eine Frau alte Klos zu Pflanzkübeln umfunktioniert.

Abbildung 3: In neuwertigem Zustand sind Kletterseile ein wichtiges Sicherheits-Equipment. Doch nach einiger Zeit müssen sie ausgetauscht werden. Bei New Seed erhalten sie eine neue Lebensaufgabe.

Deutlich professioneller hingegen wird das Upcycling von diesen bayerischen Unternehmern betrieben:

  • Bettina Junkersdorfs bezeichnet sich und ihre Mannschaft bei New Seed scherzhaft als „die Seilretter“, doch ein Stück weit tun sie genau das: Sie verwenden ausgemusterte Kletterseile zum Upcycling. Geboren wurde ihre Idee aus beinahe schon emotionalen Gründen, denn im Jahr 2015 sollte ausgerechnet das Seil ausgemustert werden, das die Gründerin selbst viele Male gesichert hatte. Tim – so hieß das erste Seil – wurde zum Prototypen und zum Startschuss für kiloweise Kletterseile: Bis Anfang 2017 sammelte New Seed 200 Kilogramm an Kletterseilen; 2019 „retteten“ sie drei Tonnen Kletterseile. Die Recycling-Stationen gibt es deutschlandweit, allerdings mit einer deutlichen Dominanz in Bayern. Kein Wunder, schließlich ist der Unternehmenssitz im bayerischen Rosenheim.
       
  • Uli und Tine stellen sich als Gründer von manaomea vor. Ihr Unternehmen hat seinen Firmensitz in Mittelstetten im oberbayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck. Via Crowdfunding fanden die beiden einst bereits Investoren, um Stifte zu produzieren. Dabei nutzten sie eine ihnen aus der Raum- und Luftfahrt bekannten Technik („Pultrusion“) und das recycelte Material aus Naturfasern. Mit Blick auf 100.000 Tonnen an Kleidung, die allein in Deutschland jährlich auf dem Müll landet, können die ambitionierten Gründer hier aus den Vollen schöpfen. Infolgedessen wird sich auch das Sortiment rasch erweitern – von der Stifte-Produktion hin zu Möbeln oder Laptop-Cases, die so stabil sind wie Massivholz und so formbar wie Plastik. Für den speziellen Materialmix, der viele weitere Produkte ermöglichen soll, hält Gründer Ulrich Riedel bereits seit 2002 das Patent.
      
  • Auch hinter der Marke BAG TO LIFE verbirgt sich eine pfiffige Recycling-Idee. Gründerin Kerstin Rank bedient sich ebenfalls an einem „Abfallprodukt“ aus der Raumfahrt. Sie nutzt Rettungswesten, um daraus Accessoires und Taschen zu fertigen. Aus Sicherheitsgründen müssen einige Produkte aus der Rettungsindustrie nach einem festen Zeitraum ausgetauscht werden. Seinen Unternehmensstandort hat der Betrieb in Lichtenfels im gleichnamigen Landkreis. Genäht werden die Produkte in einer Näherei in Bosnien.