09.09.2019 | Haus & Garten Ölheizungen schon bald verboten? Das sind die Pläne der Regierung

Rund 5,8 Millionen Häuser werden in Deutschland mit Öl beheizt. Dass diese Anlagen ein Klimakiller sind, ist bekannt. Doch wie können die Bürger zum Umstieg bewegt werden? Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) meint: Anreize allein genügen nicht.

Foto: Patrick Pleul/dpa

Bundesumweltministerin Svenja Schulze will den Einbau von Ölheizungen von 2030 an komplett verbieten. Bestehende Ölheizungen sollen aber weiterbetrieben werden dürfen. Die SPD-Politikerin sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, dass das Verbot Bestandteil des Klimaschutzpaketes werden soll, das die Bundesregierung am 20. September beschließen will.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer lehnte den Vorschlag umgehend ab. Die Union setzt vor allem auf Anreize wie eine Abwrackprämie. „Was wir brauchen, ist ein Mix aus Verboten und Anreizen“, betonte Schulze dagegen. „Wir sollten zum Beispiel sagen: Für die nächsten zehn Jahre helfen wir euch beim Umrüsten alter Ölheizungen, danach sind sie komplett verboten.“ Nach Angaben ihres Staatssekretärs Jochen Flasbarth geht es aber nur darum, den Neueinbau von Ölheizungen von 2030 an zu verbieten - nicht den Weiterbetrieb.

Jede vierte Wohnung in Deutschland hat Ölheizung

In Deutschland werden nach Schätzungen rund 5,8 Millionen Gebäude über Ölheizungen versorgt. Dabei hat der Gebäudebereich beim Klimaschutz eine Schlüsselfunktion: Auf ihn entfallen laut Wirtschaftsministerium rund 35 Prozent der Endenergie und rund ein Drittel der Treibhausgasemissionen in Deutschland. Würde man alle Ölheizungen durch moderne Heiztechnologien ersetzen, ließen sich nach Angaben von Experten bis zu 30 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Einer Studie des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) zufolge wird jede vierte Wohnung in Deutschland per Ölheizung versorgt. Bei uns in Bayern sind solche Heizungen dabei im Schnitt 18,2 Jahre alt.

Union will Abwrackprämie für Ölheizungen

In der Union stoßen die Pläne Schulzes auf Widerstand. „Die CDU will den Menschen helfen, sich mit einer Abwrackprämie eine bessere Heizung anschaffen zu können“, sagte Kramp-Karrenbauer am Sonntag im ARD-Sommerinterview. Die Partei hat sich dafür ausgesprochen, eine Abwrackprämie für alte Ölheizungen von mehreren tausend Euro einzuführen. Die CSU schloss sich der Forderung an. Sie will auch den Kauf energiesparender Haushaltsgeräte steuerlich fördern. Das sieht ein Klimapapier vor, das der CSU-Vorstand einstimmig billigte. Gefördert werden sollen demnach auch energetische Gebäudesanierungen an selbst genutztem Wohneigentum und der Austausch alter Heizungen. 

Grüne wollen Ölheizungen spätestens 2021 verbieten

Den Grünen gehen die Vorschläge der Koalitionsparteien nicht weit genug. Sie wollen Druck machen und in dieser Woche im Bundestag beantragen, die Förderung neuer Öl- oder Gasheizungen sofort zu stoppen. Spätestens von 2021 an sollen demnach überhaupt keine neuen Ölheizungen mehr in Alt- und Neubauten eingebaut werden dürfen.

Damit könnten den Ankündigungen von CDU, CSU und SPD „endlich mal Taten folgen“, sagte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer. „Es ist absurd, dass die Bundesregierung immer noch den Neueinbau klimaschädlicher Ölheizungen fördert.“ Im vergangenen Jahr wurden 17.400 Ölheizungen über Kredite oder Zuschüsse subventioniert.

Was wären Alternativen zu Ölheizung?

Wie aus der Studie des Energieverbandes BDEW hervorgeht, liegt fast die Hälfte der 5,8 Millionen Gebäude mit Ölheizung im sogenannten gasberohrten Gebiet. Das bedeutet laut BDEW, dass mindestens 2,1 Millionen dieser Gebäude schnell und unkompliziert mit einer Gasheizung modernisiert werden könnten. Weitere 510.000 Gebäude ließen sich an das Fernwärmenetz anschließen.