21.06.2022 | Haus & Garten Reform der Grundsteuer: Das müssen Hausbesitzer ab dem 1. Juli beachten

Die deutschen Steuerbehörden stehen vor einer riesigen Herausforderung: Fast 36 Millionen Grundstücke müssen für eine Steuerreform neu bewertet werden. Für Hausbesitzer bedeutet das Arbeit. Was ihr wissen und beachten müsst, lest ihr hier.

Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Im Sommer steht für Hausbesitzer eine Art zweite Steuererklärung an. Grund ist die Reform der Grundsteuer, für die die Finanzämter Informationen zum Grundstück, zum Haus oder zur Wohnung brauchen.

Darum geht's

Immobilienbesitzer müssen ab dem 01.07.2022 digital eine extra Steuererklärung abgeben, und zwar für jede Art von Grundstücksbesitz. Bis zum 31. Oktober bleibt Zeit dafür. Bei Verspätung warten Strafgelder.

Wer ist betroffen?

Jeder, der ein Grundstück oder ein Gebäude besitzt, muss eine 'Erklärung zur Feststellung des Grundsteuerwerts' beim Finanzamt einreichen, also eine gesonderte Steuererklärung machen. Das gilt ebenfalls für alle Eigentümer land- und forstwirtschaftlicher Betriebe sowie von Grundstücken im Erbbaurecht. Eigentumswohnungen sind ebenfalls von der Änderung betroffen, hier sind die Hausverwalter nicht zuständig. Erbengemeinschaften müssen eine gemeinsame Grundsteuererklärung abgeben. In jedem Fall muss für jede Immobilie, für jedes Grundstück eine eigene Grundsteuererklärung gemacht werden.

Wie viel muss gezahlt werden?

Die Finanzämter ermitteln aus den eingereichten Daten den sogenannten Grundsteuerwert, der allerdings nur eine Komponente bei der Berechnung der Grundsteuer ist. Wie viel am Ende fällig wird und ob sie mehr oder weniger zahlen müssen als bisher, erfahren die Eigentümer erst 2025. Denn das hängt von den sogenannten Hebesätzen der Gemeinden ab. Diese Faktoren können in den rund 11 000 Gemeinden zwischen 0 und auch schonmal mehr als 1000 Prozent liegen. Die Gemeinden sind zwar angehalten, ihre Einnahmen in etwa auf dem gleichen Niveau zu belassen, verpflichtet sind sie dazu jedoch nicht.

Wer kann dabei helfen?

Hilfe können sich die Hausbesitzer von ihren Steuerberatern oder Eigentümervertretungen wie Haus und Grund holen. Die Lohnsteuerhilfevereine dagegen dürfen in diesem Fall nicht beraten. Der Steuerberaterverband sieht sich vor einer Herkulesaufgabe. Würden sich alle Eigentümer an ihre Steuerberater wenden, könnten auf jeden Berater rund 400 Erklärungen zukommen, sagt Lüth. "Das ist Wahnsinn." Dazu kämen die unterschiedlichen Normen in den Bundesländern. 

"Das allein ist neben dem Tagesgeschäft kaum stemmbar", 

sagt er. Außerdem fielen die Arbeiten zur Grundsteuererklärung unmittelbar mit den Corona-Schlussrechnungen zusammen. Die Steuerberater beantragen derzeit auch etwa Überbrückungshilfen für von der Pandemie betroffene Firmen. "Es wird ein Wettlauf gegen die Zeit", sagt Lüth voraus. Die Steuerberater fordern daher, dass Daten, die den Behörden bereits vorliegen, in einer digitalen Steuererklärung bereits vorausgefüllt werden. Davon allerdings seien die Behörden noch meilenweit entfernt.

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