17.12.2020 | Job & Berufsleben Dienstfahrrad nutzen: Tipps, die jeden Chef überzeugen

Ein Dienstwagen war lange Zeit ein Zeichen dafür, dass jemand einen guten Job hatte. Heute stellt ein Auto eher einen Nachteil dar, vor allem in den Städten.

Foto: Pixabay © djedj Abbildung 1: Wenn die Mitarbeiter mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, brauchen die Unternehmen viel weniger Parkplätze.

Die Straßen sind verstopft, überall staut sich der Verkehr. Es gibt keine Parkplätze in Büronähe. Hier kann ein Fahrrad eine echte Alternative sein. Denn ein Dienstfahrrad hat Vorteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Wenn ihr mit dem Gedanken spielt, ein Dienstfahrrad zu nutzen, ist es an der Zeit euren Chef davon zu überzeugen, dass das eine gute Idee ist.

Dienstrad auch privat nutzen

Arbeitgeber kaufen normalerweise die Fahrräder nicht, die sie ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Sie leasen. Das Leasing eines Fahrrads funktioniert ähnlich wie das Leasing eines Firmenwagens. Für Arbeitnehmer schließt das Unternehmen einen Leasingvertrag ab. Wer selbstständig ist, kann ebenfalls ein geleastes Firmenrad nutzen und ist dann eben selbst der Leasingnehmer. Das gewünschte Leasingmodell könnt ihr mit eurem Arbeitgeber aushandeln. Das meistgewählte Modell ist die Barumwandlung. Der Arbeitgeber least das Fahrrad und im Anschluss kann er die Leasingrate in Form einer Barumwandlung bezahlen und vom Bruttolohn des Mitarbeiters abziehen. Im Gegenzug darf der Mitarbeiter dann das Bike auch privat nutzen. Meist übernimmt der Arbeitgeber auch die Versicherungsbeiträge für das Fahrrad. Das ist ganz besonders bei teuren E-Bikes sehr sinnvoll.

Bikeleasing und die Vorteile für die Unternehmen

Laut einer Studie des niederländischen Forschungsinstituts TNO sind Mitarbeiter, die mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, nachweislich gesünder. Die Unternehmen brauchen weniger Firmenparkplätze. Durch die Barumwandlung der Leasingrate sparen die Unternehmen zudem bei den Sozialabgaben. Wenn der Chef angesichts dieser Vorteile noch zögert, könnten Angebote von verschiedenen Leasinganbietern bei der Überzeugungsarbeit helfen. Arbeitnehmer, die bereits einen Anspruch auf einen Dienstwagen haben, können stattdessen auch ein Dienstfahrrad beanspruchen.

Fahrräder, die sich als Dienstfahrrad eignen

Grundsätzlich sind alle Fahrräder als Dienstfahrräder geeignet. Das kann ein Mountainbike, ein Rennrad oder auch ein Pedelec sein. Letztere sind besonders beliebt als Firmenrad. Sie sind mit einem kleinen Elektromotor ausgestattet, der den Nutzer beim Treten unterstützt. 

Foto: Pixabay © fbenedict Abbildung 2: Das E-Bike ist eine Alternative zum Fahrrad, insbesondere wenn die Mitarbeiter längere Wege zurücklegen müssen.

Damit könnt ihr bis zu 25 km/h schnell fahren und ohne große Anstrengung zum Ziel gelangen. Das kann ein wichtiges Argument für alle sein, die morgens nicht schon verschwitzt am Schreibtisch sitzen möchten. Bei den Pedelecs gibt es auch Modelle, die bis zu 45 km/h schnell fahren können. Diese zählen dann als Kraftfahrzeug. Sie unterliegen dann den gleichen Regeln wie ein Dienstwagen. Alle Fahrten zur Arbeit gelten dann als geldwerter Vorteil und sind mit 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises zu versteuern.

Die steuerlichen Aspekte des Dienstfahrrads

Wenn ihr das Fahrrad zum Pendeln nutzt, dürft ihr eine Entfernungspauschale von 30 Cent als Werbungskosten steuerlich geltend machen. Wer jeden Tag zehn Kilometer fährt, kann damit jeden Monat 60 Euro und in einem Jahr über 700 Euro als Werbungskosten absetzen. Das gilt übrigens auch, wenn ihr zum Pendeln euer Privatrad benutzt.

Der Arbeitgeber hat ebenfalls steuerliche Vorteile. Wenn er die Leasingraten übernimmt oder die Anschaffungskosten für das Dienstrad bezahlt, kann er diese Ausgaben vollständig als Betriebsausgaben geltend machen. Das senkt seinen Gewinn und er muss damit weniger Steuern zahlen. Das macht sich bei Unternehmen insbesondere dann bemerkbar, wenn sie eine größere Fahrradflotte finanzieren.

Das Fahrrad hat noch andere Vorteile

Neben den steuerlichen Aspekten gibt es noch weitere Vorteile, die ein Dienstfahrrad mit sich bringt. Wenn ihr mit dem Fahrrad zur Arbeit fahrt, anstatt mit einem Dienstwagen, tut ihr auch gleichzeitig etwas für eure Gesundheit. Mit dem Fahrrad seid ihr total emissionsfrei unterwegs. Ihr braucht keine fossilen Brennstoffe. Das schont die Umwelt und trägt zum Klimaschutz bei. Ihr könnt ein hochwertiges Fahrrad, das ihr euch vielleicht niemals selbst gekauft hättet, dann auch privat nutzen. Wer auf ein Dienstfahrrad umsteigt, spart jeden Monat eine Menge Geld, weil keine Unterhalts- und Treibstoffkosten entstehen.

Nachteile im Vergleich zum Dienstfahrzeug

Wenn ihr längere Wege zurücklegen müsst, beispielsweise als Berufspendler, dann lohnt sich die Anschaffung eines Dienstfahrrades oft nicht. Große Distanzen damit jeden Tag zurückzulegen, ist fast nicht möglich.

Selbstständige und das Dienstfahrrad

Wenn ihr selbstständig seid und ein Dienstfahrrad nutzt, gelten noch ein paar Besonderheiten. Ihr könnt dann entweder die 1-Prozent-Regelung nutzen oder ihr führt ein Fahrtenbuch, genau wie beim Firmenwagen. Beträgt die Nutzungsquote für das Dienstfahrrad mehr als 50 Prozent, wird das Dienstfahrrad zum Betriebsvermögen. Dann könnt ihr auch die Kosten für Wartung, Reparaturen und Ersatzteile als Betriebsausgaben geltend machen und am Ende Steuern sparen. Die Anschaffungskosten für das Fahrrad könnt ihr dann abschreiben. Nutzt ihr das Fahrrad nur zwischen 10 und 50 Prozent dienstlich, habt ihr die Wahl, ob es Privat- oder Betriebsvermögen sein soll. 

Foto: Pixabay © ogutier Abbildung 3: Wenn ihr nur gelegentlich ein gutes Fahrrad braucht, sind sogenannten Fahrrad-to-Go-Stationen eine echte Alternative. Das spart Kosten und ist dennoch sehr flexibel nutzbar.

Alternativen zum Leasen

Wer nur gelegentlich mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, muss sich nicht gleich ein teures neues Fahrrad kaufen. In vielen Städten gibt es sogenannte Fahrrad-to-Go-Stationen. Dort könnt ihr ohne viel Aufwand gelegentlich ein Fahrrad mieten. Sie stehen meist an festen Stationen oder sind innerhalb der Stadt sehr flexibel nutzbar, weil der Anbieter gleich mehrere Stationen betreibt. Buchung und Abrechnung erfolgen dabei über eine App.