15.07.2014 | Job & Berufsleben Keine Arbeit mehr nach Feierabend - Kann man SMS und E-Mails nach Feierabend abschaffen?

Keine Arbeit mehr nach Feierabend - Kann man SMS und E-Mails nach Feierabend abschaffen?
Mittagspause Arbeit Büro Stress müde Burnout
Auf der Strecke bleiben die Mitarbeiter, die oft noch nachts von daheim E-Mails beantworten. Der neue IG-Metall-Chef Wetzel hat deshalb jetzt sogar ein gesetzliches Verbot von geschäftlichen SMS und Mails nach Feierabend gefordert. Kann man sich diesem Druck in der Firma denn auch einfach so entziehen?

Bayernreporter Hans Oberberger: "Arbeitsrechtlich ganz klar: Ja. Das Arbeitszeitgesetz schreibt vor, dass Arbeitnehmer in der Regel höchstens 48 Stunden in der Woche arbeiten dürfen. Eine Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit DARF ein Chef also gar nicht verlangen. Das ist aber natürlich juristische Theorie. In der Praxis ist das oft anders. Und in Notfällen gibt es auch rechtlich schon wieder Ausnahmen. Deshalb am besten mit der Firma klar abklären, wie weit die Erreichbarkeit gehen soll. Während der heißen Phase eines Projekts zum Beispiel kann man ja eine Rufbereitschaft vereinbaren, die dann aber auch irgendwie extra belohnt oder ausgeglichen werden sollte. Und für den Urlaub sollte sowieso eine klare Regelung gelten: Diensthandy und Smartphone Aus."

Und wie erfolgversprechend ist die Forderung nach einer gesetzlichen Regelung?

Hans Oberberger: "Besonders große Chancen gebe ich diesem Vorschlag nicht, einfach weil das je nach Firma, je nach Situation eben sehr unterschiedlich sein kann. Viele Unternehmen aber sehen das Problem natürlich auch, zumal immer mehr Mitarbeiter wegen Überlastung ausfallen. Von 2004 bis 2011 sind die Krankheitstage wegen Burn-out um das 18-Fache gestiegen. VW zum Beispiel hat deshalb eine Regelung, wonach die Email-Funktion der Betriebs-Smartphones automatisch eine halbe Stunde nach Feierabend ausschaltet. In anderen Firmen gibt es einen Verhaltenskodex. Zum Beispiel dass Chefs ihre Mitarbeiter nur noch "in begründeten Ausnahmefällen" in der Freizeit stören dürfen. Und dass keiner benachteiligt werden darf, der außerhalb seiner Arbeitszeit sein Handy auch mal aus macht."