18.10.2018 | Job & Berufsleben Recht auf ​Brückenteilzeit kommt: Profitiert auch ihr im Job?

Arbeitnehmer in Deutschland erhalten ein Recht auf die Rückkehr von einer Teilzeitstelle in Vollzeit. Der Bundestag hat mehrheitlich für ein entsprechendes Gesetz gestimmt. Die sogenannte Brückenteilzeit wird zu Beginn des Jahres 2019 eingeführt. Aber für wen gilt und eignet sie sich?

Nach jahrelangem Ringen bekommen die Arbeitnehmer in Deutschland ab kommendem Jahr einen rechtlichen Anspruch, um von einer Teilzeitstelle in Vollzeit zurückzukehren. Der Bundestag beschloss am Donnerstag (18.10.) ein Gesetz von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) zur Einführung so einer Brückenteilzeit.

Bisher war es anders: Wer in Teilzeit gehen will, war für die Rückkehr in Vollzeit bisher auf das Einverständnis des Arbeitgebers angewiesen. Die Reform stößt aber auf Kritik. Denn das Recht gilt bei weitem nicht alle.

Wer darf die neue befristete Teilzeit nutzen?

Die Voraussetzungen für die neue Brückenzeit wurden vom Bundesarbeitsministerium wie folgt festgelegt:

  • Der Arbeitgeber beschäftigt in der Regel mehr als 45 Arbeitnehmer.
  • Das Arbeitsverhältnis besteht länger als sechs Monate.
  • Der Arbeitnehmer stellt beim Arbeitgeber einen Antrag, die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit (Vollzeit- oder bisherige Teilzeitarbeit) für einen bestimmten Zeitraum, der zwischen einem und fünf Jahren liegt, zu verringern.
  • Es müssen keine bestimmten Gründe wie z.B. Kindererziehung oder Pflege vorliegen.
  • Der Antrag wird mindestens drei Monate vor Beginn der gewünschten Verringerung in Textform gestellt.
  • Es stehen keine betrieblichen Gründe, die die Organisation, den Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigen, entgegen.
  • Für Arbeitgeber, die zwischen 46 und 200 Arbeitnehmer beschäftigen, gilt eine besondere Zumutbarkeitsgrenze: Selbst wenn die übrigen Voraussetzungen vorliegen, müssen diese Arbeitgeber nur einem pro angefangenen 15 Arbeitnehmern den Anspruch auf Brückenteilzeit gewähren.

Bisher gibt es ein Rückkehrrecht in eine volle Stelle bei Elternzeit, Pflegezeit oder Familienpflegezeit.

Kritik an neuer Regelung

Linken und Grünen ist das Gesetz noch zu wirtschaftsfreundlich. «Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten schaut in die Röhre», sagte die Linke-Arbeitsmarktexpertin Susanne Ferschl mit Blick auf die Mindestgrenzen bei der Betriebsgröße. Brückenteilzeit solle es für alle Beschäftigte geben. Die Grünen-Abgeordnete Beate Müller-Gemmeke forderte, ab 15 Beschäftigte im Betrieb sollten die neuen Möglichkeiten eingeführt werden. «Für Frauen, die ihre Arbeitszeit verlängern wollen, wird sich gar nichts tun», kritisierte sie zudem. Entsprechende Anträge von Linken und Grünen wurden abgelehnt.

Für die FDP kritisierte der Abgeordnete Till Mansmann, das Gesetz belaste «einseitig» die Wirtschaft. «Die Arbeit muss zum Produkt, zur Dienstleistung, zum Betrieb passen.» Der AfD-Abgeordnete Jürgen Pohl sagte voraus, dass das Gesetz etliche Beschäftigte und Betriebe vor Gericht treibe.

Der Arbeitgeber-Spitzenverband BDA kritisiert das Gesetz als «weiteres Puzzleteil für mehr Bürokratie in unserem Land». Gesamtmetall kritisiert, um die Arbeitsbeteiligung von Frauen weiter zu steigern, seien vor allem mehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten nötig - und keine Regulierungen zulasten der Unternehmen.