14.12.2021 | Job & Berufsleben Sachleistungen - attraktiver als eine Gehaltserhöhung?

Anstatt eine reine Gehaltserhöhung auszuhandeln, sind viele Arbeitnehmer bereit, ihr Nettogehalt mit Zusatzleistungen aufzustocken. Tatsächlich ist der sogenannte geldwerte Vorteil für Arbeitgeber oft leichter realisierbar und für Arbeitnehmer attraktiver und als ein Mehrverdienst. Denn von der Gehaltserhöhung bleibt nach Abzug von Steuern und Versicherungen häufig nicht viel übrig.

Nur Bares ist Wahres - doch trifft das auch in jedem Fall auf die Gehaltserhöhung zu oder können Sachleistungen einen echten Vorteil bringen?

Sachleistungen – für wen sie sich lohnen

Steuern und Sozialversicherung, kalte Progression und Inflation sorgen dafür, dass von der Gehaltserhöhung oft wenig Netto bleibt. Die paar hundert Euro mehr, für die du bei deinem Chef hart gekämpft hast, schrumpfen auf dem Weg zu deinem Konto zusammen und nicht selten bleibt dir nicht einmal die Hälfte deiner lang ersehnten Lohnerhöhung. Da kommt schnell die Frage auf, ob man mit steuer- und sozialabgabenfreien Leistungen nicht besser bedient wäre. Dein Arbeitgeber freut sich, weil er weniger Lohnkosten aufbringen muss, und du bekommst eine greifbare Anerkennung für deinen Einsatz im Job.

Allerdings lohnt sich die Sachleistung für dich nur, wenn es sich um etwas handelt, was zu deiner aktuellen Lebenssituation und deinen persönlichen Interessen passt. Von einem Zuschuss für das Fitnessstudio hast du herzlich wenig, wenn du nach der Arbeit lieber vor dem Fernseher abschaltest.

Darüber hinaus solltest du wissen, dass die Sachleistungen vor allem einen Vorteil bringen, solange sie tatsächlich abgabenfrei sind. Dafür gilt es ein paar Dinge zu beachten. Einige Vergütungsbestandteile muss der Arbeitgeber zusätzlich zu deinem Lohn zahlen, damit dieses Gehaltsextra abgabenfrei ist oder pauschal versteuert werden kann. Dazu gehören Kinderbetreuung und Gesundheitskurse. Für andere Arbeitgeberleistungen gilt diese Bedingung nicht.

Zudem darf eine Freigrenze von monatlich 50 Euro (ab 2022, aktuell liegt die Grenze bei 44 Euro) nicht überschritten werden, um Abgabefreiheit zu gewährleisten. Das hört sich zunächst nach wenig Geld und wenigen wirklich attraktiven Möglichkeiten an. Denn was erhält man für 50 Euro im Monat?

Vorsicht: Nur ein Cent zu viel über der Freigrenze führt dazu, dass die gesamte Sachleistung abgabepflichtig ist.

Sachbezüge und geldwerter Vorteil

Ein Sachbezug ist demnach zunächst einfach eine Zuwendung deines Arbeitgebers an dich als Arbeitnehmer, die nicht in Euro, sondern in Form einer Sachleistung vergeben wird. Dabei können Sachbezüge komplett steuerfrei oder „nur“ steuerbegünstigt sein. Steuerbegünstigt sind in der Regel zum Beispiel der Firmenwagen, das Firmenhandy oder der Firmenlaptop.

Dem Arbeitsentgelt wird im Rahmen der Sachbezüge der entstehende sogenannte geldwerte Vorteil auf deiner Gehaltsabrechnung zugerechnet. Der geldwerte Vorteil ist der Betrag, den dein Chef in die Sachleistung investieren müsste, wenn er sie selbst finanziert. Der geldwerte Vorteil gilt nach dem Einkommensteuergesetz als Einnahme und daher oberhalb der genannten Freigrenze als abgabepflichtiges Einkommen.

Wer eine Sachleistung statt der Gehaltserhöhung geboten bekommt, sollte sich genau ausrechnen, wie groß sein Vorteil ist.

Das sind die beliebtesten Sachleistungen

Nun stellt sich also die Frage, welche Sachbezüge bzw. Sachleistungen für sich wirklich lohnenswert sind. Als kleine Inspiration für das nächste Gespräch mit dem Chef haben wir im Folgenden ein paar besonders beliebte Sachleistungen aufgelistet.

Jobticket und Tankgutschein

Bisher rangierten auf der Beliebtheitsliste der Sachleistungen Tankgutschein und Jobticket stets ganz oben. Der Tankgutschein wird in der Regel als richtiger Gutschein oder als Tankkarte vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt.

Wer nicht mit dem Auto an den Arbeitsplatz fährt, profitiert natürlich mehr vom Jobticket. Hier zahlt der Arbeitgeber unter Berücksichtigung der Freigrenze das Ticket für den öffentlichen Nahverkehr.

Bleibt die Frage, ob sich Tankgutschein und Jobticket in Zeiten des vermehrten Homeoffice bzw. Remote-Office weiterhin als lohnenswert erweisen.

Laptop und Co

Für das Homeoffice gibt es jedoch auch attraktive Sachleistungen. Wenn du dir für die Arbeit zu Hause Geräte anschaffst, kann dein Arbeitgeber diese in unbegrenzter Höhe bezuschussen. Dies gilt für PC, Laptop, Smartphone, Telefon und – auch wenn wohl die wenigsten noch darauf zurückgreifen – das Faxgerät.

Geschenke

„Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“, heißt es so schön. Dies gilt auch in der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehung. Tatsächlich freuen sich viele Arbeitgeber über kleine persönliche Aufmerksamkeiten wie den Korb mit Leckereien oder den schönen Blumenstrauß. Zu besonderen Anlässen erhöht sich sogar die Freigrenze für diese Form der Sachbezüge. Zum Geburtstag, der Hochzeit oder dem Firmenjubiläum darf der Chef Geschenke im Wert von 60 Euro steuerfrei vergeben.

Gutscheine

Auch Gutscheine werden von Arbeitnehmern immer gerne entgegengenommen. Aber Achtung! Ab dem kommenden Jahr ändert sich hier einiges. Und je mehr ein Gutschein künftig einem Zahlungsmittel ähnelt, umso wahrscheinlicher ist er abgabepflichtig. Können mit dem Gutschein jedoch lediglich Produkte oder Dienstleistungen aus dem beschränkten Angebot eines bestimmten Gutscheinausstellers erstanden werden, ist die Abgabefreiheit weiterhin gewährleistet.

Kinderbetreuung

Arbeitnehmer mit Kindern profitieren vor allem von Zuschüssen zur Kinderbetreuung. Ist das Kind noch in Krippe oder Kindergarten, kann der Arbeitgeber sogar Zuschüsse in unbegrenzter Höhe zahlen. Dabei müsst ihr jedoch berücksichtigen, dass bei der Berufstätigkeit beider Elternteile nur einer einen Zuschuss erhalten kann.

Fort- und Weiterbildungen

Wer seinen Job mag und / oder die Karriereleiter erklimmen will, wird sich in seinem Arbeitsbereich gerne weiterbilden. Fort- und Weiterbildungen kann der Arbeitgeber dabei in unbegrenzter Höhe übernehmen.

Gesundheitsförderung

Selbst der schönste Job kann stressig sein. Da braucht es einen Ausgleich. Warum also nicht einmal Kurse zur Gesundheitsförderung wie ein Angebot zur Stressreduktion, Rückengymnastik oder gesunden Ernährung vom Chef spendieren lassen? Der Arbeitgeber kann jeden Mitarbeiter in diesem Bereich mit bis zu 500 Euro jährlich abgabenfrei fördern.

Bonusmeilen

Wenn du geschäftlich viel unterwegs bist und Bonusmeilen erflogen hast, darfst du diese auch privat nutzen – bis zu einem Gegenwert von 1080 Euro sogar steuerfrei. Der nächste Urlaub ist damit günstig möglich. Dies musst du jedoch mit deinem Arbeitgeber vorab klären, denn theoretisch kann er darauf pochen, dass die Bonusmeilen beruflich eingesetzt werden.

Fazit

Sich vor dem nächsten Mitarbeitergespräch einmal mit dem spitzen Bleistift hinzusetzen und auszurechnen, ob sich anstelle der Gehaltserhöhung nicht eine Sachleistung für dich eher bezahlt macht, kann sich lohnen. Kommen Sachbezüge für dich grundsätzlich in Frage, überlege dir gut, welche dir tatsächlich einen Mehrwert bringen.