18.09.2020 | Job & Berufsleben Warum es sich lohnen kann, selbstständig zu arbeiten

Vor einigen Jahrzehnten war es noch der berufliche Standard, eine Festanstellung anzustreben. Dieses Beschäftigungsmodell gab Sicherheit – und scheint heutzutage fast schon aus der Zeit zu fallen. Denn immer mehr Menschen machen sich selbstständig und sind für verschiedene Auftraggeber tätig.

Vor einigen Jahrzehnten war es noch der berufliche Standard, eine Festanstellung anzustreben. Dieses Beschäftigungsmodell gab Sicherheit – und scheint heutzutage fast schon aus der Zeit zu fallen. Denn immer mehr Menschen machen sich selbstständig und sind für verschiedene Auftraggeber tätig. Fast zehn Prozent aller Deutschen verzichten heute bewusst auf einen festen Arbeitgeber. Aber was macht die Selbstständigkeit so attraktiv, und wo hat sie Nachteile?


Lohn auf mehreren Beinen

Der wichtigste Aspekt beim Arbeiten ist die Entlohnung – und bereits dort unterscheiden sich die Selbstständigkeit und die Festanstellung erheblich. Als Arbeitnehmer bekommt man jeden Monat ein festes Gehalt. Weder muss man vorher eine Rechnung schreiben noch dem Chef hinterherlaufen, um das Geld pünktlich auf dem Konto zu haben. Auch das Abführen von Steuern und Krankenversicherungsbeträgen an die entsprechenden Stellen übernimmt die Firma. Anders sieht dies bei selbstständig tätigen Personen aus. Sie verbringen einen nicht unerheblichen Teil ihrer Zeit damit, Rechnungen an ihre Auftraggeber zu verschicken und eventuell Mahnungen an Firmen zu senden, die sich mit dem Begleichen etwas mehr Zeit lassen. Auf der anderen Seite erhalten Selbstständige ihr Geld normalerweise aus verschiedenen Quellen und sind nicht von einem einzigen Unternehmen abhängig. Wenn ein Festangestellter gefeuert wird, dann steht er zunächst ohne Gehalt da. Wird hingegen ein Selbstständiger von einem Auftraggeber nicht mehr kontaktiert, dann hat er oftmals noch eine ganze Reihe anderer Firmen, die mit ihm zusammenarbeiten. Der Verlust eines Auftraggebers fällt für ihn also finanziell weit weniger ins Gewicht, als es bei der Kündigung eines Angestellten der Fall ist.

Abwechslung ist wichtig

Viele Selbstständige wissen an ihrer täglichen Arbeit vor allem zu schätzen, dass sie sie so abwechslungsreich wie möglich gestalten können. Fotografen können mal auf einer Hochzeit und mal in einem Zoo tätig sein – je nachdem, welchen Auftraggeber sie an Land gezogen haben. Auf Freelance Plattformen finden übrigens selbstständig tätige Personen und Unternehmen zusammen. Meldet man zum Beispiel als Verkäufer seine Dienstleistungen bei Fiverr an und
beschreibt seine Fähigkeiten so genau wie möglich, dann hat man beste Aussichten, von einer Firma gefunden zu werden, die Bedarf an zuverlässigen Selbstständigen hat. Unternehmen profitieren auf der anderen Seite davon, dass sie lediglich Stichwörter in die Suchleiste eingeben müssen, um geeignete Experten vorgeschlagen zu bekommen.

Jederzeit arbeitsbereit

Festangestellte und selbstständige Arbeit unterscheiden sich auch deutlich hinsichtlich der Dienstzeiten. Die meisten Arbeitnehmer haben eine feste Zeit, die sie an ihrem Arbeitsplatz verbringen müssen, und häufig beginnt diese schon früh am Morgen. Selbstständige können ebenfalls schon zeitig an ihrem Schreibtisch sitzen – müssen es aber nicht. Denn einer der großen Vorteile ihrer Tätigkeit ist es, dass sie arbeiten können, wann sie wollen. Frühaufsteher bringen ihre Aufgaben schnell hinter sich, alle anderen können sich den Luxus erlauben, auszuschlafen und später mit der Arbeit zu beginnen. Allerdings besteht bei selbstständigen Personen die Gefahr, dass sie sich mit ihren Aufträgen übernehmen. Melden sich viele Firmen zur gleichen Zeit und wollen die Dienste des Selbstständigen in Anspruch nehmen, dann fällt es vielen von ihnen schwer, einige dieser Aufträge abzulehnen. Viel zu verlockend ist das Geld, das sich damit verdienen lässt. Daher gibt es bei Selbstständigen nicht selten auch Zeiten, in denen sie viele Stunden am Tag und gerne auch am Wochenende arbeiten. Das ist eigentlich kein Problem, wenn es nur zeitweise geschieht. Sollte es aber zur Gewohnheit werden, dass sich die selbstständige Person keine oder nur wenige Ruhepausen gönnt, dann ist dies überaus bedenklich. Um sein eigener Chef zu sein, ist es also auch nötig, seine Leistungsfähigkeit richtig einschätzen zu können.

Im Urlaub kein Geld

Längere Pausen in Form von Urlaub sind jedem Angestellten vergönnt. Der Arbeitgeber ist gesetzlich dazu verpflichtet, ihm eine bestimmte Anzahl an Urlaubstagen pro Jahr einzuräumen. Auch in dieser Zeit erhält der Arbeitnehmer sein Gehalt weiter. Wenn Selbstständige jedoch auch nur einen Tag die Füße hochlegen, ist dies aus finanzieller Sicht ein verlorener Tag. Vielmehr noch: Versicherungsbeiträge und Steuern müssen sie auch für freie Tage bezahlen. Im Grunde genommen bedeutet ein Urlaub für sie also ein finanzielles Minus. Noch dramatischer ist es, wenn ein Selbstständiger krank wird. Denn dann muss er sich nicht nur mit seiner Erholung befassen, sondern kann zudem auch nicht für seinen Lebensunterhalt sorgen. Häufig sind die Löhne, die Selbstständige verdienen, aber deutlich höher als die von Angestellten, wodurch sich die Einkünfte über das Jahr verteilt in etwa ausgleichen.

Arbeiten an jedem Ort

Ein weiterer Unterschied zwischen Selbstständigen und Arbeitnehmern betrifft den Ort, an dem die jeweilige Gruppe ihrer beruflichen Tätigkeit nachgeht. Die meisten Angestellten bekommen von ihrem Arbeitgeber einen festen Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt, den sie jeden Tag nutzen müssen. Selbstständig tätige Personen können hingegen an jedem beliebigen Ort arbeiten – sei es das Homeoffice, ein Co-Working Space oder ein Café in der Nähe der eigenen Wohnung. Hat ein Selbstständiger mal keine Lust darauf, zu Hause zu arbeiten, dann schnappt er sich einfach seinen Computer und macht es sich auf einer Bank im Park bequem. Sollte der Selbstständige nicht davon abhängig sein, regelmäßig Menschen zu treffen, dann hat er sogar hinsichtlich seines Wohnorts freie Wahl. Dann kann der Deutsche etwa nach Thailand oder nach Kanada ziehen und von dort aus weiterhin für seine deutschen Auftraggeber arbeiten. In vielen Ländern der Welt ist das tägliche Leben viel günstiger als in Deutschland, weshalb sich zahlreiche Selbstständige diese Möglichkeit nicht entgehen lassen. Sie kaufen im Ausland ein preiswertes Haus und zahlen deutlich weniger Steuern, während sie das deutsche Lohnniveau halten. Selbst lange Reisen sind für Selbstständige möglich, wenn sie dabei regelmäßig Zeit zum Arbeiten finden. Denn ihr Werkzeug in Form eines Laptops haben sie immer dabei, und eine stabile Internetverbindung dürfte vielerorts auch kein Problem sein.

Selbstständigkeit kann eine Lösung sein

Offensichtlich unterscheidet sich selbstständige Arbeit grundlegend von einer Festanstellung. Dass sich immer mehr Deutsche für dieses Modell entscheiden, liegt daran, dass die Selbstständigkeit einige spannende Vorteile bietet. Sie stellt aber keineswegs das Allheilmittel für jeden Berufstätigen dar, der Ärger mit seinem Chef hat oder seinen Job langweilig findet. Denn um selbstständig tätig zu sein, sind einige Eigenschaften unverzichtbar. Dazu gehören Selbstdisziplin und -organisation, aber genauso Mut, da es auch schwierige Zeiten geben kann. Wer das Zeug dazu hat, selbstständig zu arbeiten, der wird damit aber mit Sicherheit einen erfolgreichen Weg beschreiten.