09.08.2010 | Lifestyle Das Aortenaneurysma - eine tickende Zeitbombe

Das Aortenaneurysma - eine tickende Zeitbombe
Kennen Sie Ihre Aorta? Sie ist die stärkste Schlagader Ihres Körpers und die Zentrale des gesamten Arteriensystems. Damit das Blut ungehindert fließen kann, muss sie stabil und geschmeidig sein.

Was ist die Aorta?
Die Aorta ist die größte Schlagader des menschlichen Körpers. Sie leitet das Blut vom Herzen in die Gefäße des großen Blutkreislaufes. Sie hat einen Durchmesser von 2,5 bis 3,5 cm und ist zwischen 30 und 40 cm lang. Die Aorta wird auch Hauptschlagader genannt.

Manche Krankheitsbilder sind weniger bekannt als zum Beispiel Krebs, Diabetes oder Rheuma und geraten allzu oft in Vergessenheit. Darunter sind auch solche, die für Menschen mit erhöhtem Blutdruck, Herzproblemen oder ähnlichen gesundheitlichen Beschwerden ein großes Risiko darstellen. Ein Beispiel dafür ist das Aortenaneurysma. Berühmte Patienten wie z.B. Albert Einstein oder Charles De Gaulle sind an den Folgen einer geplatzten Bauchschlagader gestorben. Dies ist heute nicht mehr nötig, da es seit den 60iger Jahren wirksame Behandlungsmethoden gibt.

Die tickende Zeitbombe
Aortenaneurysmen sind eine tickende Zeitbombe im Körper. Sie treten entweder im Abschnitt der Hauptschlagader, die durch die Brust verläuft oder in der abdominellen Aorta, also im Bauchraum, auf. Bei Männern über 65 Jahren sind sie immerhin die siebthäufigste Todesursache. Solche Aussackungen der Hauptschlagader entstehen, wenn die Gefäßwände auf Grund von Alterungsprozessen oder anderen Veränderungen schwächer werden.

Diese ausgedehnten Adern verursachen zunächst keine Probleme, was die Diagnose sehr schwierig macht. Meist werden Aneurysmen daher "zufällig" bei Routineuntersuchungen per Ultraschall, CT-Scans oder so genannten Angiogrammen entdeckt. Da die Hauptkörperschlagader der Wirbelsäule unmittelbar aufliegt, verspüren viele Patienten zunächst Rückenschmerzen und werden daher orthopädisch behandelt. Spätestens ab einem Durchmesser von 5 cm muss dringend ein Gefäss Spezialist hinzugezogen werden , da dann die Gefahr des Zerreisens sprunghaft ansteigt. Leider gibt es bis heute keine sichere diagnostische Möglichkeit , um voraus zusagen welcher Patient ab welchem Durchmesser besonders gefährdet ist. Leider kommt es immer wieder vor, dass auch Ausweitungen kleiner als 5 cm reissen und zu lebensbedrohlichen Blutungen führen.

Kleine Aneurysmen müssen nicht sofort behandelt werden. Sie sollten aber in regelmäßigen Untersuchungen von Ärzten beobachtet werden. Sobald das Aneurysma jedoch wächst und ein erhöhtes Risiko des Zerreißens besteht, muss gehandelt werden. Unbehandelte Aneurysmen, die reißen, können sehr starke Schmerzen und massive innere Blutungen verursachen, was innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohend ist.

Die Behandlung
Bei der Behandlung gibt es zwei Möglichkeiten: die offene chirurgische Behandlung an der Aorta oder die minimal invasive endovaskuläre Methode. Für die Mehrheit der Gefäßchirurgen ist die Operation an der offenen Aorta die bewährte Behandlungsform. Hierbei handelt es sich um eine große Operation mit langwieriger Genesungszeit, die für ältere Menschen oft sehr belastend ist. Unglücklicherweise treten Aortenaneurysmen jedoch meistens bei älteren Menschen auf, die noch dazu Herzprobleme, Diabetes, hohen Blutdruck oder andere Leiden haben. Bei der offenen Operation wird ein Schnitt im Bauch- oder Brustraum gesetzt und das Aneurysma aufgeschnitten.

Dann wird eine Gefässprothese eingesetzt, durch die das Blut wieder ungehindert fließen kann. Durchschnittlich muss ein Patient danach 7 bis 14 Tage im Krankenhaus bleiben, bis zur völligen Genesung können aber bis zu drei Monate vergehen. Zu dieser Operationstechnik gibt es mittlerweile eine Alternative: die endovaskuläre Aneurysma- Reparatur (EVAR). Diese "sanfte" Methode wurde eingeführt, vor allem, um Patienten, die für eine offene Operation an der Aorta nicht in Frage kommen, eine Alternative zu bieten. Seitdem wird die minimal-invasive Methode immer öfter angewandt, sie ist für viele Patienten eine ebenbürtige und schonende Methode. In Zentren mit entsprechender Erfahrung ist diese minimal invasive Variante mittlerweile Routine und kann in bis zu 90 % der Fälle angewandt werden. Die Langzeit Ergebnisse sind dank neuer Materialien und technischer Entwicklungen der offenen Operation gleichwertig.

Diese Graphik zeigt das Prinzip der Aneurysma Ausschaltung sowie die Computertomographie eines besonders komplexen Falles, bei dem die Ausweitung über die Nierenschlagadern hinausging. Hier werden auch ohne Bauchschnitt sog. Seitenäste in die Organgefäße eingebracht, damit Nieren und Darm weiterhin ausreichend durchblutet werden.

Die sanfte Alternative
Hier werden in der Leistengegend zwei kleine Schnitte gesetzt und zwei Katheter in die Arterien des Patienten eingeführt. Mit Hilfe dieser Katheter wird die Prothese an die entsprechende Stelle geführt und dort platziert. Nach der Behandlung vermindert sich der Druck auf den angeschwollenen Aneurysmasack deutlich. Ein großer Vorteil dieser Methode ist auch die kürzere Genesungszeit. In der Regel dürfen die Patienten schon nach vier Tagen das Krankenhaus verlassen, und sie können etwa nach vier Wochen uneingeschränkt wieder ihren normalen Aktivitäten nachgehen. Weil Aortenaneurysmen ein großes gesundheitliches Risiko darstellen, ist es wichtig, dass Patienten sich über die Behandlungsmethoden informieren und zusammen mit ihrem behandelnden Arzt den individuell zugeschnittenen Behandlungsplan ausarbeiten.