27.09.2010 | Lifestyle Kleiner Eingriff - große Wirkung

Kleiner Eingriff - große Wirkung
Um jünger, strahlender, frischer auszusehen, genügt es oft, gezielt Lider, Wangen oder Stirn zu straffen. Von erfahrenen Händen vorgenommen, wirkt das Ergebnis weder "geliftet" noch verändert es die Mimik oder den individuellen Gesichtsausdruck. Welche Methoden infrage kommen, erläutert der Münchner Facharzt für Ästhetisch-Plastische Chirurgie Dr. Hans-Hermann Wörl im Gespräch.

Herr Dr. Wörl, hängende Oberlider, faltige Unterlider oder ausgeprägte Tränensäcke lassen uns älter erscheinen als wir sind. Kann eine Lidstraffung Abhilfe schaffen?

Dr. Wörl: Auf jeden Fall: Je offner der Blick, desto jünger und vitaler wirken wir! Die Haut ist um die Augen sehr dünn und zart, weshalb sich an ihr der Alterungsprozess besonders schnell bemerkbar macht. Beispielsweise neigt die Haut der Oberlider relativ früh dazu abzusinken, mit dem unerwünschten Begleiteffekt, dass die Augen optisch verkleinert werden und müde wirken. Sind die Oberlider stark erschlafft, hat dies sogar eine Einengung des Gesichtsfelds zur Folge. Oder der Hautüberhang des Oberlids drückt auf die Augen. Man zieht dann oft unwillkürlich die Stirn nach oben, um den Augen Entlastung zu verschaffen - mit dem Effekt, dass sich zusätzlich ausgeprägte Querfalten auf der Stirn bilden. Abhilfe schafft eine Lidstraffung, bei der durch feine Schnitte überschüssige Haut und gegebenenfalls auch überschüssiges Fettgewebe entfernt wird - und dies, ohne dass die Augenform verändert wird. Sichtbare Narben vermeiden wir, indem die Einschnitte, die mit sehr feinen Nähten verschlossen werden, in der Haut geführt sind.

Ist der Eingriff kompliziert?

Dr. Wörl: Überhaupt nicht. Oberlidstraffungen sind im Allgemeinen mit einem besonders niedrigen Risiko für Komplikationen verbunden, und der gewünschte verjüngende Effekt stellt sich praktisch sofort ein. Auch lässt sich die Methode gut mit einem Stirn- oder Brauenlifting kombinieren, etwa wenn zusätzlich eine Gewebeschlaffung im Stirnbereich und/oder eine Senkung der Augenbrauen behoben werden muss. Manchmal genügt hierfür sogar ein "chemisches Lifting": Mit gezielten Botoxinjektionen können wir das Zusammenspiel der Stirnmuskeln so beeinflussen, dass herabgesunkene Augenbrauen auch ohne operative Korrektur wieder nach oben verlagert werden.

Lassen sich mit einer Unterlidkorrektur ähnlich gute Ergebnisse erzielen?

Dr. Wörl: Sicher, mit einer Unterlidkorrektur lassen sich sogar ganz hervorragende Ergebnisse erzielen - ein Effekt, den sich übrigens auch immer mehr Männer wünschen. Tatsächlich ist eine Unterlidkorrektur der einzige ästhetische Eingriff, den wir häufiger bei Männern als bei Frauen durchführen. Eine Unterlidkorrektur setzt allerdings langjährige Erfahrung auch in der rekonstruktiven Chirurgie voraus, denn anders als bei einer Oberlidstraffung muss der Operateur hierbei gegen die Schwerkraft arbeiten. Hinzu kommen weitere diffizile, für den Behandlungserfolg so wichtige Aspekte, wie z. B. eine sorgfältige Operationsplanung zur Beseitigung des vorgewölbten Fettgewebes unter den Augen, das für unschöne Tränensäcke verantwortlich ist. So gesehen, ist eine Unterlidkorrektur sehr viel aufwendiger als eine Oberlidstraffung und gehört daher unbedingt in die Hände des erfahrenen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen.

Wie gehen Sie bei einer Unterlidkorrektur vor?

Dr. Wörl: Zur Straffung von Unterlidern und/oder zur Beseitigung von Tränensäcken wird die Haut knapp unterhalb der Lidkante durchtrennt, um überschüssige Haut zu entfernen, das vorgewölbte Fettgewebe in der scharfen Kante unter die Tränensäcke zu repositionieren sowie den Lidmuskel zu korrigieren; die feine Narbe ist später kaum zu sehen. Ist das Unterlid stark erschlafft, wird auch die Lidkante gestrafft. Sind Tränensäcke nur wenig ausgeprägt, erfolgt die Korrektur oft über die Innenseite des Unterlids, um sichtbare Narben zu vermeiden. Mitunter reicht eine Unterlidkorrektur für den angestrebten gesichtsverjüngenden Effekt allein nicht aus, weil auch das Weichteilgewebe unter den Augen bereits deutlich herabgesunken ist. Dadurch vergrößert sich der Abstand zwischen Unterlid und Wangen: Das Gesicht sieht müde aus, die Wangen wirken abgeflacht oder hängend. Oft ist auch die Nasen-Lippen-Falte stark ausgeprägt. Dann empfiehlt sich zusätzlich eine Mittelgesichtsstraffung

Können die beiden Methoden miteinander kombiniert werden?

Dr. Wörl: Wir haben eine Vorgehensweise entwickelt, mit der sich beide Korrekturen sogar besonders effizient und patientenschonend in einem Behandlungsschritt kombinieren lassen. Hierbei wird die Haut vom Unterlid aus nach oben gestrafft und das darunterliegende Gewebe einschließlich der mimischen Muskeln angehoben. Das für die Mimik verantwortliche Mittelgesicht glättet sich durch den schonenden Eingriff und verleiht dadurch dem gesamten Gesicht einen frischeren und jugendlicheren Ausdruck. Wichtigste Voraussetzung für ein zufriedenstellendes Ergebnis ist eine genaue Ursachenforschung der optischen Disharmonie, also z. B. welche Abschnitte des Gesichts welches Alterungsstadium aufweisen - das ist die Grundlage für die Behandlung oder die Kombination von Behandlungen. Dieser Grundsatz gilt aber letztlich für alle ästhetisch-plastischen Korrekturen.