13.10.2020 | Lifestyle Natürliche Fasern - ihre Gewinnung, Umweltverträglichkeit und mögliche Alternativen

Naturfasern stammen von Tieren oder Pflanzen – im Gegensatz zu Kunstfasern, die aus natürlichen und synthetischen Materialien künstlich hergestellt werden. Das erweckt den Eindruck, dass Naturfasern nachhaltiger sind als Kunstfasern. Dieser Artikel erklärt, warum das nicht zwangsläufig der Fall ist und welche umweltfreundlicheren Alternativen es gibt.

Foto: Trisha Downing / Unsplash Baumwolle zählt zu den bekanntesten Pflanzenfasern.

Schafswolle

Die wichtigste tierische Faser ist Wolle. Sie wird aus ganz unterschiedlichen Tierhaaren gewonnen, doch am bekanntesten und häufigsten ist die Schafswolle, meist Schurwolle genannt.

Schurwolle

Sie wird beim Scheren von erwachsenen Schafen gewonnen und ist daher das, was man klassischerweise unter Schafswolle versteht. Allerdings gibt es einen feinen Unterschied: Schurwolle ist neue, unmittelbar vom lebenden Tier stammende Wolle, die zum ersten Mal verarbeitet wird. Anders als wiederverwendete, also aus Alttextilien hergestellte Reißwolle oder die aus den Fellen geschlachteter (Schwöde-, Schwitz- oder Gerberwolle) oder verendeter (Sterblingswolle) Tiere gewonnene Wolle.

Merinowolle

Die feinste Art der Schurwolle ist das Haar des Merinoschafs. Diese Wolle kommt häufig bei der Herstellung von Anzügen zum Einsatz.

Lambswool

Als Lambswool wird die Wolle von Lämmern bezeichnet, die weniger als sechs Monate alt sind und zum ersten Mal geschoren werden. Diese Wolle ist sehr fein und weich.

Fasereigenschaften

Die Struktur der Wolle sorgt dafür, dass sie erhebliche Mengen Luft festhalten kann. Die so entstehende Luftschicht wirkt isolierend, deswegen hält Wolle im Vergleich zu anderen Gewebearten besonders gut warm. Wegen ihrer natürlichen Fettschicht und der Struktur der Fasern nimmt Wolle Gerüche und Schmutz kaum an.

Schafswolle ist außerdem

  • atmungsaktiv,
  • wasserabweisend,
  • robust,
  • dehnfähig,
  • schwer entflammbar und
  • hypoallergen.

Schurwolle kann darüber hinaus viel Feuchtigkeit aufnehmen, ohne sich nass anzufühlen.

Allerdings geht Wolle beim Waschen ein und benötigt spezielle Pflege: Beispielsweise erfordert sie Handwäsche und muss liegend getrocknet werden, damit sich die Form nicht verzieht. Wolle neigt dazu, Pillen zu bilden und kann sich auf der Haut kratzig anfühlen. Um die Eigenschaften zu verbessern, wird Tierwolle oft zusammen mit Baumwolle und Chemiefasern verarbeitet.

Umweltverträglichkeit: Schafswolle ist biologisch abbaubar und langlebig. Sie lässt sich außerdem leicht färben, sodass für diesen Prozess weniger starke Giftstoffe eingesetzt werden müssen. Nachteil: Je nach Produktionsstätte kann das Scheren der Schafe sehr grob vonstattengehen.

Bei der Haltung von Merinoschafen ist das sogenannte Mulesing äußerst umstritten. Hierbei wird ohne Betäubung ein Teil der Haut am Schwanz des Schafs entfernt, um einen Fliegenmadenbefall zu verhindern.

Foto: stock.adobe.com © eyewave Das Fell der Kaschmirziege hat viele gute Eigenschaften.

Naturfasern aus Edelhaaren

Als Wolle bezeichnet man nach dem Textilkennzeichnungsgesetz die weichen Haare des Fells vor allem der Schafe. Im weiteren Sinne werden damit auch die von anderen Säugetieren gewonnenen spinnfähigen Haare bezeichnet. Im Grunde handelt es sich dabei um sogenannte Edelhaare. Das ist ein Sammelbegriff für besonders hochwertige Haare von verschiedenen Tierarten. Sie sind seltener und dadurch deutlich teurer als Schafswolle.

Kaschmir

Wie alle Edelhaare, zeichnet sich auch die Kaschmirwolle durch eine besondere Art der Gewinnung und spezifische Eigenschaften aus. Sie wird aus dem Unterhaar der Kaschmirziege gewonnen. Die Tiere werden dafür einmal im Jahr ausgebürstet, nicht geschoren. Die Wolle wärmt besonders gut, ist wasser- und schmutzabweisend, geruchsresistent, reißfest und dabei sehr weich. Reines Kaschmir ist äußerst kostenintensiv, daher wird die Wolle oft zur Beimischung verwendet, unter anderem für Anzüge.

Umweltverträglichkeit: Die Kaschmirziege wird ausschließlich wegen ihrer Wolle gezüchtet. Tiere, deren Farbschlag sich nicht verkaufen lässt, werden geschlachtet, da sich ihre Haltung finanziell nicht lohnt. In vielen Produktionsländern existieren keine vernünftigen Tierschutzgesetze, dementsprechend findet das Tierwohl oft nur wenig Beachtung. Deshalb sollte man kein billig produziertes Kaschmir kaufen und immer auf Siegel wie kbT (kontrolliert biologische Tierhaltung), IVN-BEST und GOTS achten.

Mohair

Mohairwolle stammt von der Angoraziege, auch Mohairziege genannt. Die Tiere werden wie Schafe geschoren. Je nachdem, wie alt das Tier bei der Schur ist, unterscheidet man zwischen Kid-Mohair, Young-Goat-Mohair und Adult-Mohair.

Die Haare der Angoraziege sind sehr leicht, genauer gesagt die leichtesten der Naturfasern. Zudem ist die Wolle schimmernd, sehr weich und hat eine feine Struktur. Diese Eigenschaften erschweren die Verarbeitung, dafür ist die Wolle angenehm auf der Haut und sorgt als Beimischung zu Wolle für einen eleganten Glanz und ein weiches Tragegefühl. Außerdem kann das Haar nicht verfilzen und es ist leicht färbbar. Allerdings ist das Gewebe weniger strapazierfähig.

Umweltverträglichkeit: Der Großteil der Mohairwolle wird in Südafrika produziert. Dort werden die Scherer oft pro Tier bezahlt – daher versuchen sie, möglichst viele Tiere abzufertigen. Das führt zu einem groben Umgang mit den Tieren, die beim Scheren häufig verletzt werden und auch sonst Qualen erleiden müssen. Unter anderem, weil sie in vielen Fällen zu früh und zu oft geschoren werden. Also letztlich besser davon absehen, diese Wolle oder Fabrikate daraus zu kaufen.

Angorawolle

Die als Angorawolle bekannten Haare des Angorakaninchens sind weich, glatt, seidig glänzend, sehr fein und leicht. Gewonnen wird die Wolle durch das Auskämmen und Scheren des Fells. Sie ist stark wasserabweisend und wärmend. Daher sind Kleidungsstücke, die aus Angorawolle gefertigt sind, besonders gut für Rheumapatienten geeignet.

Umweltverträglichkeit: Rund 95 Prozent der weltweit gehandelten Angorawolle stammt aus China – allerdings gibt es dort keine Tierschutzgesetze. Dementsprechend schlecht sind die Haltungsbedingungen in den Pelztierfarmen. Aus diesem Grund kritisieren Tierschutzorganisationen die Angorakaninchen-Zucht. Entgegen ihrer geselligen und bewegungsfreudigen Natur werden die Tiere meistens einzeln in engen Drahtkäfigen gehalten, damit das Fell nicht verschmutzt. Ab einem Alter von sechs bis acht Wochen werden die Tiere mehrmals im Jahr geschoren und gerupft. Das bedeutet für die Kaninchen eine hohe Belastung durch Stress, Verletzungen und Wärmeverlust. Also auch hier gilt: Wer dies nicht wissentlich unterstützen will, im Zweifelsfall darauf verzichten, diese Wolle zu erwerben.

Wolle der Schafkamelrassen

Zu den Edelhaaren zählt auch die Wolle der Schafkamelrassen aus Südamerika. Dazu gehören Alpaka, Lama, Guanako und Vikunja. Sie werden selten, nur alle ein bis zwei Jahre geschoren. So lange braucht das Haar, um vollständig nachzuwachsen. Genutzt wird nur das feine Unterhaar der Tiere. Das grobe Oberhaar ist sehr viel dicker und weniger angenehm auf der Haut und wird daher nicht verwendet.

Die Flaumhaare sind

  • sehr leicht,
  • extrem weich,
  • kräftig,
  • seidenartig glänzend,
  • wenig gekräuselt,
  • langlebig und
  • halten wärmer als Schafswolle.

Diese besonderen Eigenschaften und ihre Seltenheit machen die Wolle der Schafkamelrassen zu einem teuren Material.

Umweltverträglichkeit: Für die Schafkamelrassen ist das Scheren ebenfalls mit viel Stress verbunden. Denn im Gegensatz zu Alpakas und Lamas, die schon seit vielen hundert Jahren als Nutztiere in domestizierten Herden leben, gibt es Vikunjas ausschließlich und Guanakos überwiegend in freier Wildbahn. Um an ihre wertvolle Wolle zu gelangen, müssen die Tiere eingefangen oder geschossen werden.

Dieser Umstand hat im 20. Jahrhundert zu einer drastischen Verminderung der Vikunja-Population geführt. Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) wurde der Handel mit den Tieren nur mit behördlicher Genehmigung erlaubt, die Wolle durfte international nicht gehandelt werden. Inzwischen hat sich der Vikunja-Bestand wieder erholt, sodass heute unter kontrollierten Bedingungen wieder mit der Wolle gehandelt werden kann.

Foto: stock.adobe.com © Evgeny Govorov Das Trampeltier-Fell löst sich von alleine.
Kamelhaar

Dieses Edelhaar stammt streng genommen nicht vom Kamel, sondern vom Trampeltier (zwei Höcker). Das gehört neben dem Dromedar (ein Höcker) zu der Unterart der Großkamele, während die Kleinkamelarten (Alpaka, Lama, Vakunja, Guanako) höckerlos sind.

Kamelhaar ist sehr weich, leicht und fein, wärmend und stark gekräuselt, neigt anfangs aber stark zu Flusenbildung. Meist wird es als Mischung mit Merinowolle verarbeitet. Besonders begehrt ist das Haar von Babykamelen, das fast weiß ist.

Umweltverträglichkeit: Trampeltiere müssen nicht geschoren werden. Beim Fellwechsel im Frühjahr fällt das Haarkleid von selbst ab. Die Haare werden lediglich aufgelesen, ausgebürstet und gereinigt.

Seide

Seide zählt zu den edelsten Naturfasern der Welt. Sie wird aus dem Kokon der Seidenspinnerraupe gewonnen, der aus Proteinfasern besteht. Alternativ wird der Kokon der domestizierten und gezüchteten Variante, dem Maulbeerspinner verwendet. 

Foto: stock.adobe.com © vinitdeekhanu Die Kokons der Seidenspinnerraupe werden gesammelt und abgekocht.

Die Seidenfäden werden maschinell oder von Hand zu einem Garn aufgerollt, aufwendig gereinigt und von den natürlichen Kleberesten der Seidenspinner befreit. Danach wird die Seide gefärbt und zu Gewebe bearbeitet. Sie wird oft als Beimischung zu Schur- oder Baumwolle verwendet.

Fasereigenschaften

Seide hat viele positive Eigenschaften:

  • Sie ist reißfest und dabei elastisch,
  • temperaturausgleichend,
  • sehr fein und leicht,
  • knitterarm,
  • sehr saugfähig.

Die Faser hat einen edlen Glanz und kann wie andere Fasern gefärbt werden.

Seide zu gewinnen, ist aber sehr aufwendig und langwierig. Daher ist das Garn recht teuer. Außerdem ist es schwierig zu verarbeiten und äußerst empfindlich gegenüber mechanischer Belastung, Säure, Lauge, intensiver Lichteinstrahlung und hohen Temperaturen. Deosprays, Parfums und Schweiß hinterlassen deutliche Flecken.

UmweltverträglichkeitDie Raupen spinnen aus dem Seidenfaden einen Kokon, um sich zu einer Motte zu verpuppen. Beim Schlüpfen zerstören sie den endlosen Faden, was in der Seiden-Produktion nicht gewünscht ist. Deswegen werden die Seidenspinner-Kokons mitsamt der Raupe in kochendes Wasser geworfen oder heißem Dampf ausgesetzt. Durch die hohen Temperaturen werden die Seidenspinnerraupen abgetötet, was von Tierschutzorganisationen stark kritisiert wird. 

Pflanzenfasern

Bei Pflanzenfasern handelt es sich ebenfalls um natürliche Fasern. Nur werden diese nicht Tierhaaren, sondern Pflanzen entnommen.

Baumwolle

Baumwolle wird von der Baumpflanze gewonnen – genauer gesagt aus den Faserbüscheln in den Früchten. Diese Büschel dienen dazu, den Samen der Pflanze mit Hilfe des Windes über weite Distanzen zu transportieren.

Baumwolle hat einige Vorteile, denn sie ist

  • weich,
  • atmungsaktiv,
  • saugfähig,
  • gut verträglich bei empfindlicher Haut,
  • pflegeleicht und
  • vielseitig einsetzbar.

Allerdings verliert diese Pflanzenfaser bei jedem Waschgang Farbe, läuft beim Waschen ein und knittert leicht.

Umweltverträglichkeit: Als Naturprodukt ist Baumwolle biologisch abbaubar. Aber: Für den Anbau wird viel Wasser benötigt – pro Kilo Baumwolle sind das rund 11.000 Liter Wasser. Noch dazu wird ein Viertel aller giftigen Pestizide, die weltweit zum Einsatz kommen, für die Baumwollproduktion verwendet. Diese Giftstoffe sind häufig krebserregend. Ihre Rückstände können in der Kleidung zurückbleiben und so in den Körper gelangen.

Leinen

Die Leinen-Faser wird von der Leinpflanze gewonnen. Sie ist atmungsaktiv, saugfähig, robust und gleichzeitig leicht. Zudem hat sie kühlende und antibakterielle Eigenschaften. Die Nachteile von Leinen: Die Fasern müssen besonders gepflegt werden und knittern recht schnell.

Umweltverträglichkeit: Leinen ist biologisch abbaubar. Im Vergleich zur Baumwollproduktion wird deutlich weniger Wasser benötigt und es werden wesentlich weniger Pestizide eingesetzt. Die Fasern werden aber meist mit Giftstoffen gebleicht und eingefärbt.

Hanf

Hanf, der für die Textilproduktion verwendet wird, stammt von einer besonderen Sorte der Cannabis-Pflanze. Die Faser ist

  • leicht,
  • saugfähig,
  • atmungsaktiv,
  • robust,
  • hypoallergen und
  • wird mit der Zeit immer angenehmer zu tragen.

Dafür ist das Gewebe anfangs sehr rau und es knittert leicht. Außerdem gibt es viele Vorschriften für die Produktion.

Umweltverträglichkeit: Hanf gilt als das umweltfreundlichste Material. Es ist nicht nur biologisch abbaubar, sondern hat noch einige weitere Vorteile in Bezug auf die Umwelt:

  • Für den Anbau sind sehr wenig Wasser und keine Pestizide notwendig.
  • Hanf entzieht der Erde keine Nährstoffe, sondern gibt ihr sogar Nährstoffe zurück.
  • Das Material ist besonders langlebig.
  • Der Ernteertrag ist pro Quadratmeter mehr als doppelt so hoch wie bei Baumwolle.

Hanf wächst schnell und auf den unterschiedlichsten Untergründen.

Kapok

Diese Naturfaser kommt vom Seidenwollbaum, auch Kapok-Baum genannt. Ähnlich wie Baumwolle, wird die Faser (Samenwolle) der Kapok-Frucht entnommen. Sie ist leicht und weich und seidig glänzend. Anders als Baumwolle, sind Kapok-Haare mit einer feinen Wachsschicht überzogen und dadurch wasserabweisend. Der Faserertrag liegt trotz der Leichtigkeit bei 20 Kilogramm pro Jahr.

Foto: stock.adobe.com © Muttana In der Frucht des Kapok-Baums befinden sich die wollartigen Fasern.

Dazu hat Kapok folgende Eigenschaften:

  • Elastisch,
  • voluminös,
  • langlebig,
  • wärmend,
  • atmungsaktiv,
  • selbstreinigend,
  • pflegeleicht,
  • hypoallergen und
  • für Menschen mit empfindlicher Haut geeignet.

Außerdem filzt die Faser nicht, ist aber ein wenig fusselig.

Umweltverträglichkeit: Kapok-Bäume wachsen schnell und bislang ausschließlich wild. Das bedeutet:

  • Sie werden nicht auf Plantagen oder als Monokulturen angebaut.
  • Es kommen keine Dünger und Spritzmittel zum Einsatz.
  • Es ist keine Bewässerung nötig.
  • Die Bäume eignen sich zur Wiederaufforstung in den Regenwäldern.

Die Früchte wachsen am Baum nach – er muss also nicht gefällt werden. 

Synthetische Alternativen

Kunstfasern werden aus natürlichen und synthetischen Fasern chemisch beziehungsweise künstlich hergestellt. Sie sind eine Alternative zu Naturfasern, in vielen Fällen allerdings schädlicher für die Umwelt.


Synthetische Fasern werden künstlich hergestellt.
Polyester

Polyester wird aus Erdöl hergestellt und ist die meistverwendete synthetische Faser. Das Material ist günstig, robust, knittert kaum und trocknet schnell. Es kann in der Waschmaschine gewaschen werden und behält dabei seine Farbe und Form. Nachteilig ist aber, dass Polyester stark elektrostatisch und nicht atmungsaktiv und oft hautirritierend ist.

Acryl

Acryl wird als künstliche Alternative zu Wolle hergestellt. Die Faser hat ähnliche Eigenschaften wie Polyester. Zusätzlich ist sie weich und leicht, aber nicht atmungsaktiv, lädt sich elektrostatisch auf und entwickelt leicht Pillen.

Elastan

Elastan ist eine besonders elastische Kunstfaser, die aus Erdöl produziert und mit anderen Fasern gemischt wird. Sie hält Kleidung in Form und macht sie bequem und anschmiegsam. Allerdings kann die Faser mit der Zeit brüchig werden und zerfallen.

Nylon

Diese synthetische Alternative zu Seide wird aus Erdöl produziert. Nylonfasern sind günstig, stark, wasserabweisend, schnelltrocknend, sehr robust, vielseitig einsetzbar und pflegeleicht, laden sich aber ebenfalls elektrostatisch auf und sind hautirritierend.

Umweltverträglichkeit: Die verschiedenen synthetischen Fasern sind ein künstliches Produkt und damit nicht biologisch abbaubar. Für die Herstellung der Fasern wird sehr viel Energie verbraucht. Durch die giftigen Chemikalien, die dabei eingesetzt werden, sind sie extrem umweltschädlich. Zudem verliert das Material bei jedem Waschgang Mikroplastik, der schlussendlich in den Weltmeeren landet. Polyester ist als einzige Kunstfaser recycelfähig, aber nur durch einen chemischen Prozess.

Regeneratfasern

Bei Regeneratfasern handelt es sich um Zellulosefasern, die aber auf chemisch-technischem Weg produziert werden. Somit sind sie trotz ihrer natürlichen Quelle eine Form der synthetischen Fasern.

Lyocell

Diese nachhaltige Kunstfaser wird aus Eukalyptus-Holz hergestellt und hat einige gute Fasereigenschaften:

  • Weich,
  • seidig,
  • saugfähig,
  • robust,
  • atmungsaktiv,
  • antistatisch und
  • hypoallergen.

Außerdem knittert Lyocell nicht und ist vielseitig verwendbar. Dafür neigt die Faser zur Pillenbildung und benötigt eine spezielle Pflege.

Umweltverträglichkeit: Eukalyptusbäume wachsen schnell, benötigen keine Pestizide und kaum Wasser im Anbau. Die Lyocell-Faser ist biologisch abbaubar. Beim Herstellungsprozess werden Chemikalien recycelt und insgesamt werden weniger Chemikalien benötigt als bei anderen künstlichen Faserproduktionen. Dennoch wird für die Herstellung viel Energie benötigt und die Abholzung gefördert.

Viskose

Viskose wird vor allem aus chemisch behandeltem Holz hergestellt. Die Fasern sind günstig, weich, saugfähig und antistatisch. Die Nachteile: Das Gewebe ist nicht sehr robust, neigt zur Pillenbildung, knittert, verliert die Form und geht beim Waschen ein.

Umweltverträglichkeit: Die Produktion trägt zur Abholzung bei und es werden giftige Chemikalien verwendet, um Viskose herzustellen. Einer Studie der Changing-Markets-Stiftung zufolge entstehen bei der Viskose-Produktion erhebliche Umweltschäden.

Soja-Seide

Soja-Seide wird aus Abfallprodukten der Sojabohnen-Industrie, also in einem geschlossenen Kreislauf (Cradle-to-Cradle) hergestellt. Daher gilt die Faser als veganes Kaschmir. Sie ist weich wie Seide, aber pflegeleichter und leicht einzufärben.

Umweltverträglichkeit: Soja-Seide wird aus Abfallprodukten hergestellt und trägt damit zur Müllreduktion bei. Aber durch diesen Herstellungsprozess werden auch die genutzten Giftstoffe wiederverwendet.

Nachhaltige Alternativen

Die Gewinnung beziehungsweise Produktion von Fasern erfolgt nicht immer tierschutzgerecht oder anderweitig umweltverträglich. Es gibt aber einige nachhaltige Alternativen.

Wolle aus tierschutzgerechter Haltung

Beim Kauf von Stoffen und Kleidung aus Tierwolle ist es ratsam, sich gründlich zu informieren, welche Hersteller Wolle aus guter Tierhaltung verwenden. Werden die Tiere artgerecht gehalten, beim Scheren gut behandelt und auch sonst gut gepflegt? Siegel wie kbT, IVN-BEST und GOTS bieten dafür einen guten Anhaltspunkt.

Bio-zertifizierte Fasern

Eine weitere nachhaltige Alternative sind Fasern, die bio-zertifiziert sind und dementsprechend umweltfreundlich hergestellt beziehungsweise gewonnen werden.

  • Bio-Baumwolle: Bio-Baumwolle wird ohne giftige Chemikalien, Pestizide oder gentechnisch verändertes Saatgut hergestellt. Zudem müssen die Arbeitsbedingungen der Bauern in den Anbauländern bestimmte Standards erfüllen. Auch für den Anbau müssen strenge Regeln eingehalten werden, was den Ackerboden schont. Da es bisher noch kein EU-weit einheitliches Textilsiegel für Bio-Fasern gibt, ist es nicht immer leicht zu erkennen, ob es sich um Bio-Baumwolle handelt oder nicht.
  • Bio-Wolle: Bio-Wolle stammt von Schafen, die kontrolliert biologisch und unter tierfreundlichen Bedingungen gehalten werden. Das sogenannte Mulesing ist verboten. Die Wolle wird nicht mit gefährlichen Chemikalien behandelt und darf keine schädlichen Rückstände enthalten.
  • Bio-Seide: Bio-Seide kann nur entstehen, wenn schon die Plantagen der Maulbeerbäume, mit deren Blättern die Raupen gefüttert werden, nach ökologischen Richtlinien gepflegt werden. Es gibt außerdem die sogenannte Peace-Seide oder Ahimsa-Seide, für deren Produktion die Motte ihren Kokon lebend verlassen darf. Durch das beschädigen des Kokons ist der Seidenfaden nicht so lang, wie bei der konventionellen Seide. Die Gewinnung und Verarbeitung dieser Seide ist somit aufwendiger, was sich in einem hohen Preis niederschlägt.
  • Bio-Leinen: Bio-Leinen stammt aus kontrolliert-biologischem Anbau. Die Bauern verzichten auf Pestizide, Dünger sowie gentechnisch verändertes Saatgut.