02.08.2010 | Lifestyle Sanfte Schönheit - Unterspritzungen liegen im Trend

Sanfte Schönheit - Unterspritzungen liegen im Trend
Herr Dr. Kremer, können Sie aus Ihrer Praxis bestätigen, dass es einen Trend weg vom radikalen Lifting hin zur sanften Beautyspritze gibt?

Dr. Kremer: Ich bin Mitglied der Amerikanischen Gesellschaft der
Plastischen Chirurgen (ASPS) und kenne diese Statistiken daher sehr
gut. Ich kann aus meiner Praxis bestätigen, dass die Nachfrage
nach minimal-invasiven Behandlungen hier in Deutschland in den letzten Jahren stark zugenommen hat, wenn ich selbst auch in meiner Praxis keinen Rückgang bei den gängigen Schönheitsoperationen wie Nasenkorrekturen, Lidkorrekturen oder ästhetischen Brustoperationen bemerkt habe, im Gegenteil. Ich selbst habe das Konzept der altersbegleitenden, minimal-invasiven, sanften Gesichtsverjüngung immer schon meinen Patienten empfohlen und bin der Meinung, dass in Deutschland allgemein zu früh und zu radikal geliftet wird. Alterbegleitende, sanfte Behandlungen werden leider meist gar nicht genügend ausgeschöpft.

Ist ein Lifting also heutzutage eher abzulehnen?

Dr. Kremer: Das kann man so natürlich nicht sagen: ein Facelifting hat bei einem ganz speziellen Patientenkreis mit stark erschlaffter Gesichts- und Halshaut bzw. -muskulatur natürlich seine Berechtigung. Hier helfen z.B. kleine Unterspritzungen nicht bzw. sind aus meiner persönlichen Sicht Geldverschwendung, weil der Effekt so minimal ist und die Hamsterbacken, der schlaffe Hals und die abgesunkenen Wangen keine wirkliche Verbesserung erfahren. Das Problem ist eher, dass zu junge Patienten geliftet werden
anstatt eine Verjüngung durch andere, aus meiner Sicht ganz wichtige Behandlungsoptionen zu erreichen.

Können Sie uns das bitte näher erläutern?

Dr. Kremer: Eine altersbegleitende Verjüngung des Gesichts beinhaltet für mich drei Grundprinzipien: die Verbesserung der Hautqualität, die Korrektur des altersbedingten Volumenverlusts sowie die Reduzierung unvorteilhafter Mimikfalten. Je nach individueller Situation werden diese Behandlungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten oder aber auch in Kombination zur Steigerung des allgemeinen Verjüngungseffekts angewendet.

Sie sprechen also z.B. Botox und Hautpeelings an?

Dr. Kremer: Genau. Es ist mir wichtig meinen Patienten eine gewisse Systematik verständlich zu machen, damit sie verstehen, warum ich welche Therapie bei welchen gewünschten Verbesserungen an ihrem Gesicht verwende. Beispiel: Patienten, die sich an kleinen Fältchen um den Mund herum, an einem allgemeinen Elastizitätsverlust der Haut sowie an Pigmentstörungen bzw. Sonnenschaden stören, hilft eine grundlegende Hauterneuerung durch wirksame Peelingverfahren, angefangen vom sehr schonenden Salzpeeling über die zu Hause über mehrere Monate selbst durchführbare Behandlung auf Vitamin-A-Säure Basis bis hin zum chemischen Peeling, mit dem sehr eindrucksvolle Hautverjüngungen erzielt werden können. Eine Botoxspritze kann das alles nicht erreichen. Diese verbessert ausschließlich sog. dynamische Falten, Mimikfalten, vor allem im Bereich der sog. Zornesfalte, der queren Stirnfalten und der Lachfältchen an den seitlichen Augenrändern. Dafür ist sie sozusagen die Therapie der Wahl. Man kann beide Behandlungen natürlich sequentiell kombinieren, wenn beide Probleme vorliegen, was häufig der Fall ist. Durch regelmäßige Botoxbehandlungen wird dem Entstehen statischer, tiefer Falten im Bereich der typischen Mimikfalten vorgebeugt.

Wie verhält es sich denn mit Faltenunterspritzungen, die Vielfalt der Präparate ist doch schon etwas verwirrend?

Dr. Kremer: Als dritte Behandlungsoption sind volumengebende Unterspritzungen anzuführen. Hier sind ? um wieder mal etwas Systematik hinein zu bringen - temporäre von dauerhaften Unterspritzungssubstanzen zu unterscheiden. Bei manchen Falten oder aber auch bei unsicheren Patienten empfehle ich erst einmal eine ca. ein halbes Jahr vorhaltende Unterspritzung mit z.B. Hyaluronsäure vorzunehmen, um zu sehen, wie einem das Ergebnis gefällt. Bei anderen Patienten sind die Falten so tief oder das Gewebevolumen so stark ausgedünnt, dass eine zeitweise Verbesserung hinaus geschmissenes Geld ist, weil mehr Volumen in solchen Fällen praktisch immer besser aussieht. Was will man mit selbst auflösenden Substanzen hier erst einmal ausprobieren? Sie sehen, alles ist sehr individuell zu betrachten, ich könnten noch Stunden über diese Behandlungen sprechen.

Man merkt schon, dass man sich am besten einen Experten wenden sollte.

Dr. Kremer: Es ist immer klug sich an einen Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie zu wenden, denn dieser hat im allgemeinen Kenntnisse über alle Formen der Faltenbehandlung und Gesichtsverjüngung. Bei Ärzten anderer Fachrichtungen, die sog. "ästhetische Medizin" nebenberuflich als z.B. Allgemeinarzt betreiben, besteht objektiv das Risiko, dass jahrelang z.B. kostenintensive, resorbierbare Füllmaterialien im Drei-Monats-Rhythmus ohne ästhetisches Gesamtkonzept verwendet werden, anstatt dauerhafte Lösungen zu finden, sei es durch Volumenaufbau oder durch eine Operation. Wie gesagt, die Materie ist komplexer als mancher glaubt. Der Schlüssel zu optimalen Ästhetik gründet sich auf fundiertes Fachwissen und Erfahrung mit allen verfügbaren Behandlungsmodalitäten.