05.02.2019 | Reise Ferienflieger Germania ist pleite: Was Fluggäste jetzt wissen müssen

2017 traf es Air Berlin, jetzt Germania. Die nächste Berliner Fluggesellschaft hat Insolvenz angemeldet. Die Flieger bleiben ab sofort am Boden. Der Flugbetrieb wurde bereits in der Nacht zu Dienstag eingestellt. Was das für Urlauber bedeutet, erfahrt ihr hier:

Foto: Marcel Kusch/dpa

Die Berliner Fluggesellschaft Germania hat Insolvenz beantragt und noch in der Nacht ihren Flugbetrieb komplett eingestellt. Wie das Unternehmen mitteilte, sind die Germania Fluggesellschaft GmbH und ihr Schwesterunternehmen für technische Dienstleistungen, die Germania Technik Brandenburg GmbH, sowie die Germania Flugdienste GmbH betroffen. Der Geschäftsbetrieb der Schweizer Germania Flug AG und der Bulgarian Eagle geht dagegen weiter.

Was bedeutet die Insolvenz für Reisende?

Passagiere, die ihren Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, sollen sich laut Mitteilung direkt an ihren Reiseveranstalter wenden, um eine Ersatzbeförderung zu erhalten.

Darauf habe aber laut Gesetzeslage keinen Anspruch, wer sein Flugticket direkt bei Germania gekauft habe. 

ANTENNE BAYERN hat bei Rechtsanwalt Michael Kümpfbeck nachgefragt. Der Experte rät allen Pauschalurlaubern, schnellstmöglich mit dem Reiseveranstalter Kontakt aufzunehmen. Am besten per Fax oder E-Mail für die Beweissicherung. Der Veranstalter ist verpflichtet, sich um eine Ersatzbeförderung zu kümmern.

Allen, die direkt bei Germania gebucht haben, empfiehlt Kümpfbeck, „sich aus Gründen der Schadensminderungspflicht in Eigenregie einen Ersatzflug über einen Mitbewerber/Bahn zu buchen, die Belege unbedingt aufzuheben und die weiteren Entwicklungen abzuwarten. Schadensersatzansprüche können sodann, natürlich erst zu einem späteren Zeitpunkt, im Insolvenzverfahren angemeldet werden.“ Das Motto lautet folglich: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Lufthansa, TUI fly und Co.: Andere Airlines wollen einspringen

Darüber hinaus haben bereits die ersten Airlines Unterstützung für betroffene Urlauber in Aussicht gestellt. TUI zum Beispiel bucht Germania-Gäste sukzessive auf andere Flugverbindungen um. Urlauber, die von Flugveränderungen betroffen sind, werden nach Unternehmensangaben aktiv von TUI informiert. Auch für Kunden in den Urlaubsgebieten beschaffe TUI Ersatzflüge, heißt es in einer Mitteilung. TUI hilft außerdem Urlaubern, die im Urlaubsland festsitzen und keine Veranstalterreise über TUI gebucht haben, sondern lediglich einen Flug direkt bei Germania. Diese Kunden können laut TUI einen TUI fly-Ersatzflug für ihren ausgefallenen Rückflug nach Deutschland buchen und bekommen anschließend 50 Prozent des Flugpreises zurückerstattet. TUI schreibt:

„Dafür müssen Kunden bis 28. Februar 2019 die Buchungsbestätigung des ausgefallenen Germania-Fluges und die Bestätigung des gebuchten TUI fly-Fluges per E-Mail senden. Dies gilt für alle Rückflüge bis einschließlich 15. Februar 2019.“

Auch die Lufthansa will Germania-Passagieren helfen. Die Fluglinie will mithilfe seiner Konzern-Töchter den Betroffenen nach eigenen Angaben bei Verfügbarkeit Flüge von und nach Deutschland innerhalb Europas Tickets für 50 Euro zuzüglich Steuern anbieten, für Flüge zwischen Deutschland und dem Nahen Osten für 200 Euro zuzüglich Steuern. Auch Condor und easyjet haben Sondertarife angekündigt. 

Welche Flüge genau sind betroffen?

Der Ferienflieger Germania bediente vor allem den Mittelmeerraum und startete auch von Nürnberg und München aus. Allein für Dienstag (05.02.2019) sind in Nürnberg vier Flüge am annulliert worden, das sind die geplanten Flüge von und nach

  • Hurghada (Ägypten)
  • und Funchal (Portugal).

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Für den Nürnberger Flughafen ist die Insolvenz von großer Bedeutung, weil Germania ein Hauptkunde ist. Seit dem Marktaustritt von Air Berlin war die Gesellschaft besonders stark gewachsen und hatte sich in Nürnberg als größte Airline in der Touristik etabliert. In diesem Jahr flog Germania laut Flughafengesellschaft von Nürnberg aus zu 29 Zielen in 12 Ländern.

An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld sind insgesamt acht Abflüge gestrichen worden, teilte eine Sprecherin der Berliner Flughafengesellschaft mit, darunter fallen:

  • ein Abflug nach Fuerteventura
  • ein Abflug nach Gaziantep (Türkei)
  • ein Abflug nach Lanzarote
  • zwei Abflüge nach Tel Aviv (Israel)
  • ein Abflug nach Teheran (Iran).

Außerdem wurden sieben Germania-Ankünfte in Berlin gestrichen. Ebenfalls gestrichen wurden Germania-Flüge an den Airports in Bremen, Düsseldorf, Münster und Rostock-Laagefallen.

Wie kam es zur Pleite von Germania?

Geschäftsführer Karsten Balke begründete den Schritt damit, dass es nicht gelungen sei, Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen. „Wir bedauern sehr, dass uns als Konsequenz daraus keine andere Möglichkeit als die der Insolvenzantragstellung blieb“, erklärte Balke laut Mitteilung. Er bedauerte die Auswirkungen des Schrittes für die Mitarbeiter, die ihr Bestes für einen zuverlässigen Flugbetrieb gegeben hätten, auch in den zuletzt angespannten Wochen. Die betroffenen Fluggäste bat Balke um Entschuldigung.

Anfang Januar waren die finanziellen Schwierigkeiten bei Germania bekannt geworden. Der Flugbetrieb ging jedoch zunächst planmäßig weiter. Zwischenzeitlich hatte das Unternehmen von erfolgreichen Finanzierungsverhandlungen gesprochen. Ende Januar wurde aber bekannt, dass es bei der Auszahlung der Januar-Gehälter an die Mitarbeiter Verzögerungen gibt. Die Airline begründet den finanziellen Engpass mit massiven Steigerungen der Kerosinpreise und mit einer „außergewöhnlich hohen Anzahl technischer Serviceleistungen an der Flotte“.

Aus für nächste deutsche Airline mit Geschichte

Germania ist eine deutsche Fluggesellschaft mit einer mehr als 30-jährigen Geschichte. Sie wurde 1986 gegründet, seit 2009 ist Berlin der Firmensitz. Auf der Kurz- und Mittelstrecke beförderte die Airline mehr als vier Millionen Passagiere pro Jahr zu mehr als 60 Zielen innerhalb Europas, nach Nordafrika sowie in den Nahen und Mittleren Osten. Zusammen mit der Schweizer Germania Flugbetrieb AG und der Bulgarian Eagle betrieb Germania zuletzt 37 Flugzeuge.

Erst Ende Oktober 2017 hatte die damals zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin ihre Flugbetrieb eingestellt, rund 8000 Mitarbeiter waren betroffen. Im Herbst 2018 ging die Charterfluggesellschaft Small Planet Airlines mit Sitz in Berlin in die Insolvenz.

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