07.08.2018 | Reise Gepäck weg, Flug ausgefallen oder verspätet? So bekommen Reisende ganz leicht Geld zurück

In letzter Zeit ist es wieder häufiger passiert: Es gibt Streiks und Flüge fallen aus. Und die Passagiere? Die schauen in die Röhre. Betroffene bekommen aber Hilfe vom Europäischen Verbraucherzentrum. Egal ob Streiks, Verspätungen oder Gepäckprobleme: Hier gibts Musterbriefe für Entschädigungen zu den unschönen Zwischenfällen am Flughafen.

Foto: Bodo Marks/dpa

Es sind die Situationen am Flughafen, die Reisenden die blanke Wut ins Gesicht treiben: Bei der Gepäckausgabe rollt der Koffer nicht übers Band, weil er irgendwo verloren ging. Piloten und Crews streiken, die Flieger bleiben in der Folge am Boden. Oder wegen kurzfristiger Sicherheitsvorfälle am Airport wird die Abfertigung gestoppt und der Flug in den Urlaub muss ausfallen. Passagiere schauen nicht selten in die Röhre.

Das Europäische Verbraucherzentrum rät Reisenden, sich immer über mögliche Entschädigungen zu informieren. Teilweise bekommen Betroffene den Ticketpreis zu großen Teilen zurückerstattet.

Allerdings müssen Passagiere, die von Flugbehinderungen betroffen sind, eine finanzielle Entschädigung schriftlich bei der Fluggesellschaft geltend machen. Für die meisten Fälle wird sogar Hilfe in Form von Musterschreiben angeboten. Mit diesem Selbsthilfe-Tool klappts ganz leicht!

Musterbriefe für Fluggäste

Pilotenstreiks: Urteil mit Signalwirkung

Personalstreiks bei Fluggesellschaften haben in letzter Zeit zu großem Unmut bei Urlaubern geführt. Betroffen waren vor allem Kunden von Ryanair. Vieles dreht sich um die Frage, ob Passagiere bei Flugverspätungen und -annullierungen Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung haben.

Zwei Kläger aus Luxemburg mussten deshalb zu Gericht ziehen. Das Gericht hat die Frage nach Entschädigung im Fall eines Pilotenstreiks im Herbst bei einer deutschen Fluggesellschaft in einem jüngsten Urteil vom 18. Juli 2018 beantwortet. Im konkreten Fall war der Flug der beiden Kläger aufgrund eines angemeldeten Streiks annulliert worden.

Nachdem die Kläger zuerst selbst ihre Ansprüche vergeblich bei der Fluglinie geltend machten, wandten sie sich an das EVZ Luxemburg. Die Fluggesellschaft hatte in diesem Fall nicht eingelenkt. Das Gericht hat entschieden, dass der angekündigte Streik keinen außergewöhnlichen Umstand im Sinne der europäischen Fluggastrechteverordnung darstellte. Damit wird die Airline verpflichtet, Ausgleichszahlungen an beide Kläger zu zahlen.

Zu lange in der Schlange gestanden?

Eine vierköpfige Familie stellte sich knapp zwei Stunden vor dem geplanten Abflug in eine der drei langen Schlangen vor dem Check-In. Erst 25 Minuten vor Abflug kam die Familie am Check-In dran und verpasste damit die Maschine. Die Familie argumentierte, dass sie nicht gesondert ausgerufen wurde. Sie sei davon ausgegangen, dass alle Wartenden das gleiche Ziel gehabt hätten. Urteilsspruch: Die Airline musste 200 Euro des Reisepreises zurückzahlen. Das entspricht den Kosten des verpassten Urlaubstags. Die Kosten für den Ersatzflug wurden von der Airline zur Hälfte erstattet. Denn auch die Familie hatte die „Sorgfaltspflicht“ verletzt, indem sie sich brav angestellt und „sehenden Auges den Flug verpasst“ hatte. (AZ: 154 C 2636/18)

Zu wenig Beinfreiheit?

Wird einem Fluggast die Beinfreiheit um fünf bis zehn Zentimeter „beschnitten“, weil ein auf dem Vordersitz des Passagiers Platz nehmender, stark übergewichtiger Mann den Sitz weit nach hinten drückt, so entsteht dem Passagier ein Mangel. In diesem Fall könnt ihr einen Teil des Flugpreises zurückverlangen. Dieses Urteil betrifft inbesondere Langstreckenflüge. (AZ: 31 C 4210/14)