14.01.2021 | Technik Erinnerungen sicher verwahren: Tipps zur nachhaltigen Archivierung von Fotos

Das letzte Weihnachtstreffen soll für ewig in Erinnerung bleiben. Fotos haben alle Beteiligten zur Genüge geschossen – auf dem Smartphone versteht sich. Damit die schönsten Schnappschüsse auch für die Nachwelt erhalten bleiben, gibt es an dieser Stelle zahlreiche Tipps, wie eine nachhaltige Archivierung sicher gelingt.

Sicher, aber nicht für die Ewigkeit gedacht: Auf Festplatten verwahren

Lebensdauer: Festplatten 10 Jahre, USB Sticks bis zu 30 Jahre

Die Sicherung von Bildern auf Festplatten ist zwar eine bequeme, weil schnelle Art der Archivierung, aber nicht die nachhaltigste. Geht man nämlich davon aus, dass Bildformate nach rund 20 Jahren veraltet sind, muss man damit rechnen, dass die auf der Festplatte gespeicherten Fotos vielleicht schon nach rund 30 Jahren nicht mehr von jedem Rechner aus zu öffnen sind. Davon abgesehen geht man bei einer externen Festplatte von einer durchschnittlichen Lebensdauer von rund 10 Jahren aus. Lediglich USB-Sticks können unter guten Lagerbedingungen bis zu 30 Jahre ihren Dienst verrichten, gelten jedoch nicht als idealer Speicherort für Fotos.

Es ist ein bisschen so wie die Geschichte der VHS Kassette. Da schmiss das japanische Unterhaltungselektronik-Unternehmen JVC Anfang der Achtziger diese neumoderne VHS Kassette samt passendem Abspielgerät auf den Markt, nur um diese Technologie zur Massenspeicherung schon nach rund 10 Jahren durch eine neuere Technologie – die Video-CD (VCD) und Laserdisc (LD) zu ersetzen. Schon Mitte der 1990er Jahre wurden auch diese beiden Medien wieder abgelöst; die Filmindustrie einigte sich im Jahr 1995 auf einen gemeinsamen Standard: die DVD. Ein Jahr später erschienen bereits die ersten DVD Player auf dem Markt. In kürzester Zeit verschwand die VHS Kassette und mit ihr viele aufgezeichnete Erinnerungen, die seitdem nicht mehr abgespielt werden konnten.

Aus der Geschichte der Speichermedien lernen wir somit eines: Wer seine Fotos nur digital speichert, der muss damit rechnen, dass er seine Daten dem Verfall preisgibt. Denken wir nur einmal an das BMP-Bildformat von Microsoft aus den Neunzigern: Heute ist dieses veraltete Format zwar mit den meisten herkömmlichen Software-Lösungen noch zu öffnen, aber nicht ohne dabei Qualitätsverluste hinnehmen zu müssen. Oft setzen heutige Bildbetrachter jedoch die Umwandlung in JPG voraus – und wer diese durchführt, muss ebenfalls mit Qualitätseinbußen rechnen.

Neben der Evolution der Bilddatenformate muss man auch mit dem Verschleiß der Datenträger kalkulieren. Wie aufwändig es dann ist, die Dateien von der Festplatte zu retten, kann man sich leicht vorstellen. Aber zurück zur Halbwertszeit der Dateiformate.

Dass auch das beliebte Bildformat JPG nicht ewig währt, ist den meisten Profi- und Hobby-Fotografen ebenfalls schmerzlich bewusst. In der Startposition warten schon die Bildformate der Zukunft mit Namen wie WebP oder AVIF, die über kurz oder lang das gute alte JPG (und auch das neue MozJPEG) vom Thron stürzen werden.

Auf Speichermedien brennen: Erinnerungen auf CD, DVD und Blu-Ray-Disc

Lebensdauer: rund 10 Jahre

Eine weitere Möglichkeit zur Archivierung von Fotos ist das Brennen auf CD, DVD oder Blu-Ray. Aber auch hier gilt dasselbe wie bei der Speicherung auf Festplatte: Wer seine Erinnerungen auf optische Datenspeicher brennt, der kann diese spätestens dann nicht mehr mit Onkel Otto und Tante Tanja teilen, wenn neue Abspielgeräte Einzug in unsere Wohnzimmer halten. Die Haltbarkeit von selbst gebrannten CDs und DVDs wird zudem – ebenso wie die Festplatte - mit rund 10 Jahren beziffert. Danach löst sich die Beschichtung, in welche einst die Dateien gebrannt wurden. Eine Datenrettung von optischen Speichermedien ist nur unter der Voraussetzung möglich, dass noch ausreichend Substanz der Beschichtung vorhanden ist.

Fazit: Auch hier handelt es sich also um kein Speichermedium für die Ewigkeit.

Nachhaltig, aber unsicher: Fotos in der Cloud speichern

Lebensdauer: langfristig, aber abhängig von der Beständigkeit des Anbieters

Wer also seine Bilder für die Ewigkeit konservieren will, der sollte sich keinesfalls allein auf die Archivierung auf Festplatte oder CD-ROM verlassen. Bessere Chancen, seine uralten Bilder auch nach 40 oder 50 Jahren noch ansehen zu können, hat man mit der zusätzlichen Archivierung in einer Foto-Cloud. Das verspricht eine langfristige Sicherung der dort abgelegten Bilder – unter der Voraussetzung, dass man sich für einen Anbieter entscheidet, der sich langfristig am Markt etablieren kann.

Mit der Archivierung in der Foto-Cloud von Apple oder Google beispielsweise hat man gute Chancen, dass die Fotos auch nach vielen Jahren noch abrufbar und zu öffnen sind. Bei diesen beiden Unternehmen kann man vom heutigen Standpunkt davon ausgehen, dass sie sich langfristig halten - und dafür Sorge tragen, dass veraltete Bildformate (automatisch oder manuell) in neuere Formate transponiert werden können.

Einziger Nachteil: Eine Cloud ist ein in die IT-Infrastruktur eingebettetes Produkt. Kurz: Sie befindet sich im Internet. Und das macht die - eigentlich als „sicher“ bezeichnete - Datenwolke dann doch etwas unsicher. Sollte es nämlich jemand darauf abgesehen haben, sich an den privaten Fotos anderer zu vergreifen, hat er es mit Fotos in der Dropbox, in Google Fotos oder in der iCloud wesentlich einfacher als mit Fotos auf der externen Festplatte. Deshalb warnen Dienstleister für IT-Sicherheit vor zu einfachen Passwörtern und fehlender Multifaktor Anmeldung. Aber auch Google und Co. können sich möglicherweise Zugriff verschaffen und sich private Erinnerungen für ihre eigenen Zwecke nutzbar machen. Eines steht damit fest: Sehr persönliche Bilder sollte man besser weiterhin auf der Festplatte speichern.

Papers are forever: Fotodruck für die (gefühlte) Ewigkeit

Lebensdauer: bis zu 100 Jahre und mehr

Papier hält bis zu 100 Jahre – bei richtiger Pflege und Verwahrung auch länger. Etwas nostalgisch aber durch aus sinnvoll. Entgegen der Ablösung der analogen Telefontechnik durch die moderne IP-Telefonie hat Papier noch immer seinen eigenen Charme. Deshalb macht es auch in einer durch und durch digitalisierten Welt Sinn, die besten Fotos auf Fotopapier zu drucken. Nur dadurch erhält man die besten Fotos verlässlich für die Nachwelt.

Die besten Voraussetzungen für eine lange Lebensdauer der Bilder auf Fotopapier sind übrigens die Aufbewahrung in säurefreien Behältnissen und Schutzverpackungen mit PAT-Zertifikat (Photography Activity Test) sowie die Lagerung in einem kühlen Raum bei nicht mehr als 15°C Raumtemperatur und 45 Prozent Luftfeuchtigkeit.

Fazit

Digitale Speichermedien haben zahlreiche Vorteile. Sie sind sauber, umweltfreundlich, schnell und unkompliziert. Trotzdem sollte man sich nicht nur auf Festplatte und Co. verlassen. Vor allem dann nicht, wenn es um die langfristige Archivierung von Bildern geht. Dann ist es sinnvoll, auf mehrere unterschiedliche Arten der Aufbewahrung zu setzen. Bei kurzfristiger Verwahrung von nicht mehr als 10 Jahren ist die Speicherung auf interner und externer Festplatte sinnvoll, für eine langfristige Archivierung eignet sich die Archivierung in einer Cloud und der Ausdruck auf Papier.