20.05.2019 | Technik Google kappt Android-Updates für Huawei: Was ihr jetzt wissen müsst

Die USA treiben den Smartphone-Hersteller Huawei in die Enge. Google wird dem chinesischen Konzern auf Druck der Regierung von US-Präsident Trump bis auf weiteres keine Lizenzen mehr für Android bereitstellen. Welche Auswirkungen das für Nutzer von Huawei-Modellen in Deutschland hat, erfahrt ihr hier.

Foto: Andre M. Chang/ZUMA Wire/dpa

Smartphones des chinesischen Herstellers Huawei zählen in Deutschland zu beliebten Modellen. Vor allem auch deshalb, weil sie mit dem gängigen Betriebssystem Android von Google laufen. Nun friert Google die Geschäftsbeziehungen zu Huawei aber auf Druck der US-Regierung ein. Ab sofort wird Huawei keine Android-Updates mehr erhalten. Darüber hinaus sperrt Google auch den Play Store für Huawai-Smartphones.

Welche Huawei-Smartphones sind betroffen?

Zunächst sind alle Huawei-Smartphones und -Tablets von dem Android-Stop betroffen, die in Zukunft verkauft werden. Wer schon ein Huawei-Gerät besitzt, wird laut Google weiter mit allen Services versorgt. Das bedeutet: Der Download von Apps über den Google Play Store funktioniert weiter, ebenso wie die Sicherheitsdienste. Das gelte auch für die Tochtermarke Honor. Ungeklärt ist aber, wie lange diese Marschroute gelten soll. Im laufenden Handelsstreit zwischen den USA und China ist nicht ausgeschlossen, dass es noch zu weiteren Eskalationsstufen kommt.

Warum ist die Maßnahme von Google so gravierend für Huawei?

Google ist für Huawei ein wichtiger Partner, weil bei dem Internet-Riesen das Mobil-Betriebssystem Android entwickelt wird, mit dem auch die Smartphones des chinesischen Konzerns laufen. Die fertigen Versionen des Systems werden mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung im Android Open Source Project (AOSP) quelloffen allen zur Verfügung gestellt - und damit würde auch Huawei arbeiten können.

Außerhalb Chinas werden allerdings fast nur Android-Smartphones mit integrierten Google-Diensten wie GMail, Google Maps oder der App-Plattform Google Play Store verkauft. Diese Android-Version ist nicht Open Source, sondern muss bei Google lizenziert werden. Damit wird das zukünftige Smartphone-Geschäft von Huawei nach einem Ende der Zusammenarbeit mit Google außerhalb des chinesischen Marktes massiv behindert. In China sind Google-Dienste ohnehin nicht verfügbar. Das angekündigte Android Q wird Google dem Smartphone-Hersteller Huawei jedenfalls nicht mehr zur Verfügung stellen.

Welche Folgen haben US-Sanktionen für Huawei?

Theoretisch besteht die Möglichkeit, dass Huawei versucht, ein eigenes Betriebssystem als Alternative zu Android zu etablieren, wenn sich der Konflikt weiter vertieft. „Wir werden weiter daran arbeiten ein sicheres und zukunftsfähiges Software-Ecosystem zu entwickeln, um die bestmögliche Nutzererfahrung weltweit zu bieten“, erklärte Huawei am Montag.

Huawei ist ein führender Ausrüster von Mobilfunk-Netzen unter anderem in Europa und der zweitgrößte Smartphone-Anbieter der Welt. Mit den US-Sanktionen verliert die Firma auch den Zugang zu Chips aus dem Westen. Große Halbleiteranbieter wie Qualcomm, Broadcom und Xilinx hätten ihren Mitarbeitern mitgeteilt, dass Huawei bis auf weiteres nicht beliefert werde, berichtete der Finanzdienst Bloomberg.

Wie reagieren deutsche Geschäftspartner?

Der deutsche Chip-Anbieter Infineon liefert vorerst keine in den USA hergestellten Produkte mehr an Huawei. Berichte, wonach Infineon sämtliche Chip-Lieferungen an den Konzern eingestellt habe, wies ein Sprecher zurück: „Nach heutigem Stand“ unterliege ein Großteil der Produkte, die Huawei von Infineon beziehe, nicht den amerikanischen Export-Kontrollbestimmungen. „Darum werden diese Lieferungen fortgesetzt.“

Hintergrund: USA werfen China Spionage vor

Die US-Regierung hatte Huawei und zahlreiche Tochtergesellschaften vergangene Woche auf eine schwarze Liste von Unternehmen gesetzt, deren Geschäftsbeziehungen zu US-Partnern strengen Kontrollen unterliegen. Den Weg dafür hatte US-Präsident Donald Trump freigemacht, indem er einen Nationalen Notstand in der Telekommunikation ausrief. Huawei weist alle Vorwürfe stets zurück und betont, dass das Unternehmen völlig unabhängig sei.

Huawei wird von den US-Behörden verdächtigt, seine unternehmerische Tätigkeit zur Spionage für China zu nutzen. Beweise dafür wurden bislang nicht öffentlich gemacht. Die USA drängen aber auch andere westliche Länder wie Deutschland, Huawei von den Netzen für den neuen superschnellen Mobilfunk-Standard 5G fernzuhalten. Auch in deutschen Sicherheitsbehörden wurden Bedenken gegen einen Einsatz von Huawei-Technik laut. Dabei wird zum einen darauf verwiesen, dass chinesische Unternehmen von den Behörden des Landes zur weitreichenden Kooperation gezwungen werden könnten, zum anderen aber auch auf die Möglichkeiten zur Sabotage im Fall eines Konflikts.