28.01.2019 | Technik Streaming-Dienste - das bessere Fernsehen?

Seit Jahren weitet sich der Einfluss der Streaming-Dienste in der deutschen Medienlandschaft aus. Immer mehr Menschen nutzen diesen Zugriff, um digitale Inhalte zu genießen. Doch handelt es sich tatsächlich um die nächste Generation des Fernsehens? Wir werfen einen Blick auf die entscheidenden Kriterien, die bei der Einschätzung eine Rolle spielen.

Foto: unsplash/Jens Kreuter
Zu jeder Zeit verfügbar

Der größte Vorteil, den die Streaming-Dienste in ihrer Anfangszeit vorzuweisen hatten, lag in der ständigen Erreichbarkeit der Inhalte. Mit einem Mal reichten wenige Klicks aus, um Filme oder Serien zu entdecken, die derzeit nicht im Fernsehen ausgestrahlt werden. Spannende Formate konnten die Zuschauer auf diese Weise völlig neu in ihren Bann ziehen. Denn es war möglich, Folge an Folge anzuschließen und auf diese Weise den Konsum zu steigern.
Wer sich für den Blick auf das TV Programm entscheidet, erhält dort eine vorgefertigte Auswahl an unterschiedlichen Filmen, Shows und Serien. Doch inzwischen scheint sich das Angebot Stück für Stück von den klassischen Streaming-Diensten zu entfernen. Denn längst gibt es exklusive Produktionen, die nur noch auf den Plattformen oder im TV zu sehen sind. So könnten die beiden Angebote einer direkten Konkurrenz aus dem Weg gehen.

Sender holen auf

Gleichsam haben die großen Sender erkannt, wie wichtig es in diesen Tagen ist, auf die neuen Bedürfnisse der Nutzer einzugehen. Möglich war dies etwa auf der Basis der großen Mediatheken. Dort bietet sich inzwischen die Gelegenheit, auf eine Vielzahl von Filmen und Serien zuzugreifen. Seit jüngster Zeit werden dort auch externe Inhalte für einen begrenzten Zeitraum angeboten. Das Erlebnis einer Sendung löst sich auf diese Weise ebenfalls von der Ausstrahlung im TV. Stattdessen ist es noch über Wochen möglich, die Inhalte zu konsumieren. Inzwischen spielt dabei auch das mobile Angebot eine große Rolle. Smartphones und Tablets bieten die Gelegenheit, überall auf die Serien zuzugreifen und sich zu unterhalten. Durch die Bindung an das TV Programm ist es bis zu diesem Tag jedoch nicht gelungen, an den neuen Konkurrenten vorbeizuziehen und ein Angebot zu schaffen, welches deren Inhalte überragt.

Die Konkurrenz der Plattformen

Längst entwickelte sich eine Debatte darüber, welche der verschiedenen Plattformen nun am besten geeignet sei, um dem Wunsch nach Filmen und Serien nachzukommen. Besonders junge Zuschauer stören sich daran, dass verschiedene Zugänge gekauft werden müssen, um alle Inhalte entdecken zu können. Neben den Angeboten von Netflix entwickelte sich Amazon in den letzten Jahren zu einem wahren Riesen auf diesem Gebiet. 

Zumindest eine Faustregel zeigt auf, wo besonders interessante Inhalte zu erwarten sind, die den eigenen Erwartungen entsprechen. Während Netflix den Fokus zuletzt besonders auf den Bereich der Serien legte, ist es Bei Amazon noch immer möglich, große Blockbuster zu entdecken. Wer sich ganz gezielt nach Serien umschauen möchte, wird aus diesem Grund zunächst zu den Angeboten von Netflix tendieren. Im Hinblick auf die großen Spielfilme der vergangenen Jahre und Jahrzehnte gelingt es Amazon jedoch bis heute, sich in Stellung zu bringen und die Kunden mit einem breit gefächerten Angebot zu überzeugen.

Eine langfristige Ergänzung

Auch am Beispiel des Kinos zeigt sich, dass keineswegs von einer raschen Ablösung des klassischen Fernsehens ausgegangen werden muss. Noch in den 1920er Jahren wurde ein großer Teil des produzierten Filmmaterials im Kino konsumiert. Für viele Menschen handelte es sich um die einzige Möglichkeit, um die neue Technik selbst genießen und erfahren zu können. Erst nach und nach kamen die ersten teuren Fernsehgeräte in die Wohnhäuser und schufen damit eine Alternative, wie sie sich viele Menschen bis dato wünschten. 

So bleibt zu erkennen, dass eine ähnliche Entwicklung auch bei den Streaming-Diensten vermutet werden könnte. Auch diese könnten sich als Ergänzung des bisherigen Materials präsentieren und damit einen Kontrast zu den bisherigen Angeboten schaffen. Da beide Angebote nicht genau die gleichen Ansprüche bedienen, ist es gut möglich, dass ein Nebeneinander durchgesetzt werden kann. Dies wäre eine gelungene Chance, um von einer Erweiterung des medialen Angebots zu sprechen.