11.07.2014 | Verbraucherschutz Der Fasching ist auf dem Höhepunkt: Was ist erlaubt? Was verboten? Und was ist umstritten?

Der Fasching ist auf dem Höhepunkt: Was ist erlaubt? Was verboten? Und was ist umstritten?
Zwischen Karnevalisten und Hochzeitsgästen macht ein Hund mit Pappnase vor dem Kölner Rathaus Männchen. Foto: Oliver Berg
So ist ein Partygast von einer stürmischen und dadurch stürzenden Tänzerin zu Boden gerissen und verletzt worden. Der (für seinen Geschmack) zu heftig Angetanzte verlangte Schmerzensgeld für die erlittenen Stauchungen - allerdings ohne Erfolg. Weil die Tänzerin nicht betrunken gewesen ist, war ihr keine „verschuldete Ausfallerscheinung“ anzulasten. (OLG Celle, 9 U 283/01)  

Anders entschied das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg. Die nordischen Richter standen einer Frau bei, die auf einer Party von einem Tanzpartner (gegen ihren Willen) so stark über das Parkett geschleudert wurde, dass beide aus einem geöffneten Fenster stürzten und die Frau sich schwer verletzte. Der wilde Tänzer wurde dazu verdonnert, sowohl für die Behandlungskosten der Dame aufzukommen als auch ein Schmerzensgeld an sie zu zahlen. (AZ: 6 U 262/98)  

In einem Fall, der vor dem Oberlandesgericht Nürnberg verhandelt wurde, ging es um den Sturz einer Friseurin. Sie ging in einem Lokal zu Boden, weil dieser nahe der Tanzfläche mit Glasscherben übersät war, auf denen sie ausrutschte. Sie verletzte sich schwer an den Händen und verlangte vom Betreiber des Tanzlokals Schmerzensgeld und Schadenersatz - mit Erfolg: Der Inhaber der Gaststätte musste sowohl 8.000 Euro Schmerzensgeld zahlen als auch den Schaden ersetzen, der der Frau entstanden ist (und künftig entstehen wird), weil sie wegen der Verletzungen ihren Beruf seither nur noch bedingt ausüben kann. (AZ: 3 U 1259/02)  

Ebenfalls ein „Lokal-Sturz“ beschäftigte einen Amtsrichter in der Karnevalshochburg Köln. Dort riss es einer (65jährigen) Besucherin die Beine weg, weil sie den Boden und die Stufen wegen starken Kunstnebels nicht mehr sehen konnte, stolperte und sich einen Oberschenkelhals brach. Es stellte sich heraus, dass der Nebel viel zu dicht war, so dass der Inhaber des Lokals wegen Verletzung seiner Verkehrssicherungspflicht zu Schmerzensgeld herangezogen wurde - allerdings nur in Höhe von 50 Prozent (was hier 2.000 € ausmachte), weil die Frau ein Mitverschulden traf; sie hätte sich „zurückhalten“ müssen. (AZ: 138 C 150/00)  

Wo geschunkelt und gleichzeitig getrunken wird, ist es nicht zu vermeiden, dass sich Bierlachen oder Weinpfützen bilden, die eine Gefahr für Tänzerinnen und Tänzer darstellen können. Eine Diskobesucherin in Niedersachsen rutschte auf einer solch feuchten Stelle der Tanzfläche aus und verletzt sich. Grundsätzlich sprach ihr das Oberlandesgericht Oldenburg Schadenersatz und Schmerzensgeld zu. Im Verlauf der Verhandlung wurde allerdings klar, dass ihr eine Mitschuld an dem Sturz anzulasten war – sie hatte den Gastwirt nämlich zuvor mit der Bitte auf die Pfütze aufmerksam gemacht, sie zu beseitigen. Sie hätte die Stelle also meiden können. Dass der Wirt nicht tätig geworden war, wog hingegen schwerer und führte dazu, dass er zwei Drittel des Schadens zu tragen hatte. (AZ: 2 U 202/97)  

Im Rheinland rutschte eine Frau auf einer (Alt-)Bierlache auf der Tanzfläche aus und brach sich einen Knöchel. Der Wirt hatte es versäumt, den Tanzbereich des Lokals nach einem Schunkeltanz vom verschütteten Bier zu befreien. Dafür musste er tief in die Tasche greifen: Das Oberlandesgericht Düsseldorf sprach der Verletzten ein Schmerzensgeld von 4.000 Euro zu. (AZ: 22 U 228/97)