22.07.2021 | Verbraucherschutz Doppelte Rentenbesteuerung: Wer von dem neuen Urteil betroffen ist

Vielen Arbeitnehmern in Deutschland droht zukünftig eine Mehrfachbesteuerung. Aber wen trifft sie? Alle? Nur bestimmte Jahrgänge? Ob die Folgen auch euch betreffen, erfahrt ihr hier.

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Nach der bisherigen Handhabung der Finanzämter in puncto Steuern im Rentenalter gäbe es jetzt dann bald ein Problem: Der steuerfreie Anteil der Rente ist in der Summe kleiner als die zusammengerechneten Rentenbeiträge aus dem versteuerten Einkommen. Die doppelte Besteuerung, die daraus folgt, ist allerdings verboten.

Bin ich betroffen?

Seid ihr schon in Rente, haben die neuen Beschlüsse voraussichtlich kaum eine Auswirkung auf eure Zukunft. Das Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) betrifft nämlich hauptsächlich die, die künftig in Rente gehen. Bei Menschen ab 40 Jahren wiegt das Urteil folgenschwer: Ab dem Jahr 2040 – oder später – sinkt der Rentenfreibetrag auf null Prozent. Das Ergebnis: Der Rentenfreibetrag sinkt auf null Euro.

Muss ich dann wirklich doppelte Steuern zahlen?

Nach Finanzminister Olaf Scholz (SPD) soll ordentlich nachgesteuert werden. Doppelte Steuern wird es also höchstwahrscheinlich nicht geben. Sollte Scholz nach der Bundestagswahl im September weiterhin Finanzminister sein, steht uns eine umfangreiche Steuerreform bevor:

"Die nächste Legislaturperiode muss direkt beginnen mit einer Steuerreform, die kleine und mittlere Einkommen entlastet, also genau all diejenigen, die Beiträge zur Rentenversicherung zahlen"

Das gälte auch für Rentner. Die nachgelagerte Rentenbesteuerung wird also angepasst  – denn Zweifachbesteuerung bei Rentnern muss vermieden werden. Wie genau das umgesetzt wird, ist noch offen. Scholz hat aber auch schon ein paar Vorschläge gebracht. Er plant, die Rentenbeiträge bereits vor 2025 steuerlich voll absetzbar zu machen. Bisher ist das 2021 nur für 92 Prozent möglich. Das heißt: Der steuerpflichtige Rentenanteil sinkt im Fall von derzeit 81 Prozent von einem Prozentpunkt auf 0,5 Prozentpunkte pro Jahr. Selbst wenn Scholz ab Herbst dieses Jahres nicht mehr Finanzminister ist: Es muss sich schnell damit auseinandergesetzt werden, wie sich das BFH-Urteil in der Praxis umsetzen lässt.