11.07.2014 | Verbraucherschutz „Erlebnisse“ im Restaurant: Von Cevapcici und heißem Kaffee – und was sonst so passiert

„Erlebnisse“ im Restaurant: Von Cevapcici und heißem Kaffee – und was sonst so passiert
Restaurantbesuch Essen gehen (480)
So geht – oder besser „fährt“ die Jugend aus: durch den Mc-Drive Schalter. Doch selbst im eigenen Auto kann es gefährlich werden. Das musste eine junge Frau als Beifahrerin ihres Freundes erfahren, die sich ihren Kaffeebecher zwischen die Oberschenkel klemmte (um den Becher ihres Freundes annehmen zu können). Der Kaffee ergoss sich über ihre Beine und verursachte Verbrennungen zweiten Grades. Sie verlangte Schadenersatz und Schmerzensgeld vom Betreiber des Restaurants, weil sie behauptete, dass der Deckel auf dem Becher nicht fest und dicht genug von der Mitarbeiterin der Restaurantkette aufgesetzt worden sei. Sie scheiterte jedoch vor dem Landgericht München I mit ihrer Klage auf insgesamt 1.500 Euro. Sie treffe die Schuld selbst, weil sie den Becher zwischen ihren Oberschenkeln abgestellt hatte, obwohl ihr bewusst war, dass sich darin eine heiße Flüssigkeit befindet. Zudem habe sie nicht geprüft, ob der Deckel tatsächlich fest auf dem Becher sitzt und dicht ist. Aber selbst für den Fall, dass der Deckel nicht fest genug aufgesetzt gewesen sein sollte, überwiege ihr Mitverschulden. Die Verkehrssicherungspflicht des Restaurantbetreibers gehe nicht so weit, dass den Menschen jegliches Risiko abgenommen werde, eigenverantwortlich zu handeln. (AZ: 30 S 3668/11)

Das Amtsgericht Meldorf hatte einen nahezu identischen Fall zu entscheiden wie das Landgericht München I. In Schleswig-Holstein argumentierte die ebenfalls vom Kaffee „zum Mitnehmen“ verbrühte Frau, dass der Deckel hätte halten müssen. Darauf hätte sie sich verlassen dürfen. Doch auch hier wurde die Klage abgewiesen. Der Restaurantbetreiber habe seine Verkehrssicherungspflicht nicht verletzt. Er hätte keine Vorkehrungen für den Fall treffen müssen, dass Kunden einen gefüllten Kaffeebecher umkippen ließen. (AZ: 80 C 1256/09)

Knochen im Cevapcici Ein Restaurantbesucher stellte fest, dass sich in dem von ihm bestellten Cevapcici Mini-Knochenreste befanden. Dennoch aß er weiter und biss schließlich auf ein etwas größeres Knochenstück, was ihm ein Zahn übel nahm. Er verlangte Schadenersatz vom Gastwirt – ohne Erfolg. Das Landgericht Kleve: Bei Hackfleisch ist „nicht ganz auszuschließen, dass in seltenen Fällen ein kleines Knochen- oder Knorpelstück enthalten ist“. Damit müsse ein Kunde rechnen - insbesondere, wenn er bereits zu Beginn seiner Mahlzeit Miniknochen festgestellt habe. Das führe zu einem „überragenden Mitverschulden“. (AZ: 5 S 47/11)

In einem gleichgelagerten Fall ging es sogar bis zum Bundesgerichtshof (BGH): Der Gast eines Balkan-Restaurants führte das Abbrechen eines Zahns auf einen - in der Speise verborgenen - harten Gegenstand zurück. Er verlangte Schadenersatz und Schmerzensgeld vom Wirt – ebenfalls ohne Erfolg. Er konnte nämlich nicht beweisen, dass im Cevapcici etwas Hartes gesteckt hatte. Weil der Gast weder den Fremdkörper vorzeigen noch der „Beweis des ersten Anscheins“ angewendet werden konnte, ging der Mann leer aus. Denn weil es gerade nicht „nach der Lebenserfahrung typisch“ sei, dass in der Hackfleischmasse verborgene Fremdkörper stecken, müsse der Vorfall handfest bewiesen werden, so der BGH. Vielmehr sei es wahrscheinlich, dass der Gast versehentlich Knochen- oder Knorpelreste aus anderen Fleischstücken des Grillteller-Gerichts mit aufgenommen habe. Möglich sei schließlich auch, dass der Zahn vorgeschädigt gewesen sei. (AZ: VIII ZR 283/05)

Und dann gibt es noch folgende Gefahr in Verbindung mit einem Restaurantbesuch. Gemeldet wurde sie aus Hannover: Dreiste Einbrecher besorgen sich über Mittelsmänner die Daten von Restaurantbesuchern, die Tische reserviert haben – und gehen auf Diebestour, während ihre Opfer speisen. Vermutlich über einen Mitarbeiter des Lokals erfuhren die Täter, wer an welchem Tag einen Tisch in der Gaststätte reserviert hatte. Während die Hausbewohner beim Essen saßen, stiegen die Einbrecher in deren Wohnungen ein und entwendeten Bargeld, Schmuck und Wertgegenstände. Sie gelangten offenbar durch das Internet an die Adressen ihrer Opfer. Dazu gaben sie die bei der Reservierung hinterlegten „Rückruf-Telefonnummern“ und Namen der Gäste einfach bei einer Onlinesuchmaschine ein.