17.02.2021 | Verbraucherschutz Neue Corona-Studie: Hier stecken sich die meisten Menschen an

Erste Branchen dürfen schon bald wieder öffnen. Jetzt haben Forscher ermittelt, wo sich die meisten Menschen anstecken. Alles über die neue Studie erfahrt ihr hier.

Foto: Gregor Fischer/dpa

Die Inzidenzen sinken deutschlandweit und alle hoffen auf die Öffnung von Schulen, Kitas, Geschäften, Kultur und Gastro. Eine Studie zeigt jetzt, das Infektionsrisiko in den verschiedenen Lebensbereichen.

Neue Öffnungsperspektiven

Zuerst sind dann Frisöre am 1. März 2021 dran und dürfen nach langer Pause wieder ihre Geschäfte öffnen. Bis zur nächsten Ministerpräsidentenkonferenz Anfang März soll laut Bundeswirtschaftsminister Altmaier dann auch eine Öffnungsstrategie für weitere Branchen erarbeitet werden. Wo stecken wir uns aber tatsächlich am meisten an und welche Sparten haben nur ein geringes Infektionsrisiko? Diese Frage beantworten und jetzt Forscher der Technischen Universität Berlin. 

Vorgehensweise der Studie

Analysiert haben die Wissenschaftler Martin Kriegel und Anne Hartmann, wie stark sich das Virus über Aerosole in verschiedenen Szenarien übertragen kann. Diese entsprechen einem Besuch beim  Frisör, im Theater, in Supermärkten, Büros, Fitnessstudios und weiteren Orten, an denen das alltägliche Leben bald wieder möglich sein soll. Ausgangspunkt ist dabei der sogenannte „situationsbedingten R-Wert“, der angibt wie viele Menschen sich in einem bestimmten Szenario anstecken würden. Außerdem gingen die Wissenschaftler bei ihren Modellrechnungen davon aus, dass in einem Raum immer ein Infizierter auf weitere Gesunde trifft. 

Modellberechnung 

Um das tatsächliche Infektionsrisiko berechnen zu können, berechneten die Wissenschaftler zudem noch die eingeatmete Virendosis, die von der Quellstärke (Emissionsrate, der Atemaktivität (Quelle und Empfänger), der Aerosolkonzentration im Raum und der jeweiligen Aufenthaltsdauer mit ein. Als weitere Aspekte wurden auch die Einhaltung von Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen mit in das Modell eingebaut. 

Geringes Infektionsrisiko

Das niedrigste Infektionsrisiko stellten die Forscher überraschenderweise genau dort fest, wo seit langem mit die größten Einschränkungen herrschen, nämlich in Kulturstätten wie dem Theater, der Oper oder in Museen. Bei einer theoretischen Belegung von 30% ermittelten sie einen situationsbedingten R-Wert von 0,5, bei 40% von 0,6. 

Auf Platz zwei landet der Besuch beim Frisör. Soweit eine Maske getragen wird, liegt der Wert bei 0,6.

Den dritten Platz belegt der ÖPNV. Auch hier gilt die Voraussetzung, dass eine Maske getragen wird. Auch dann kommen die Forscher auf einen Wert von lediglich 0,8. 

Mittleres Infektionsrisiko

Ein höheres Infektionsrisiko stellen die Wissenschaftler mit einem situationsbedingtem R-Wert von 1,0 beim Einkaufen im Supermarkt fest. Dürften wieder alle Geschäfte mit einer maximalen Auslastung von 10qm/Person öffnen, gehen sie von einem Wert von 1,1 aus. Auch dann unter Einhaltung der Maskenpflicht.

Auch für Restaurants wurde ein Wert von 1,1 ermittelt, sofern es nur zu 25% belegt war, ebenso bei Kinos und einer Belegung von 40%. 

Einen situationsbedingtem R-Wert von 1,5 stellen die Forscher bei Reisen mit Fernbus- oder Bahn fest. Als Richtwert wurde eine Reisezeit von drei Stunden bei halber Belegung genutzt. 

Hohes Infektionsrisiko

Das dritthöchste Infektionsrisiko stellten die Forscher in Fitnessstudios fest. Wegen der anstrengenden körperlichen Betätigung, werden so auch mehr Aerosole in die Luft ausgestoßen. Ist das Studio nur zu 50% belegt und halten sich alle an die Maskenpflicht, ermitteln sie einen Wert von 1,4. Lässt man die Maske weg, schnellt der Wert auf 3,4. 

Auf Platz zwei der meisten Ansteckungen ist ausgerechnet unser Arbeitsplatz, das Büro. Ist es nur zu 20% belegt und tragen alle Mitarbeiter eine Maske liegt der R-Wert nur bei 1,6. Wird auf die Masken verzichtet und liegt die Belegung hingegen bei 50%, steckt ein Infizierter im Schnitt 8 andere Menschen an. 

Noch höher ist die Infektionsgefahr laut den Forschern nur im Klassenzimmer. Bei Halber Belegung im Wechselunterricht infiziert ein Schüler im Schnitt 2,9 andere und das auch wenn alle eine Maske tragen. Lässt man die Maske weg, verdoppelt sich der Wert auf 5,8. Eine volle Belegung ohne Maske entspräche sogar einer Infektionsquote von 11,5.

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