11.07.2014 | Verbraucherschutz Notdienste: Ärger mit unseriösen Firmen

Notdienste: Ärger mit unseriösen Firmen
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Schlüsseldienste

22.00 Uhr, Sie sind müde, freuen sich auf Ihr Bett. Doch damit wird es erstmal nichts: Der Haustürschlüssel ist weg. Also müssen Sie den Schlüsseldienst anrufen. Der Retter in der Not kommt, baut Ihnen das alte Schloss aus, setzt ein neues ein - und schreibt eine Rechnung über 250,00 Euro.

Nicht alle Schlüsseldienste sind so teuer, aber manche verlangen sogar noch mehr Geld und nutzen so die Zwangslage ihrer Kunden aus. Zwar ist Notdiensten zuzugestehen, dass sie wegen der ungewöhnlichen Tageszeit, zu der sie arbeiten, auch einen Zuschlag verlangen können. Aber Sie müssen sich längst nicht alles bieten lassen.

Hier einige Tipps:

Sie sollten möglichst auf einen Dienst zurückgreifen, der sich in Ihrer Nähe befindet. Das verringert die Kosten für die Anfahrt.

Fragen Sie schon am Telefon nach den Kosten für die Türöffnung und vereinbaren Sie möglichst einen Festpreis. Sie sollten auch die Konkurrenz anrufen und dort ebenfalls nach dem Preis fragen. Zumindest die Fahrt- und Nebenkosten wird ein seriöses Unternehmen nennen können.

Macht der angerückte Schlüsseldienst Anstalten, eine nur zugezogene und nicht abgeschlossene Tür aufzubrechen oder das Schloss auszubauen, dann schicken Sie ihn am besten gleich wieder nach Hause. Eine nicht abgeschlossene Tür kann vom Fachmann in der Regel leicht geöffnet werden. Nur in Ausnahmefällen brauchen Sie ein neues Türschloss. Dem unverrichteter Dinge abrückenden Schlüsseldienst müssen Sie in diesem Fall gar nichts zahlen, da er nicht in der Lage war, den Auftrag ordnungsgemäß zu erledigen.

Elektronotdienste

Für Elektroreparaturen haben sich ebenfalls Notdienste etabliert, die auch nachts arbeiten. Sie sind nicht immer verbraucherfreundlich. Wie bei den Schlüsseldiensten sollten Sie auch hier einen Elektronotdienst anrufen, der sich möglichst in Ihrer Nähe befindet, um Fahrtkosten zu sparen. Außerdem sollten Sie schon am Telefon den Preis erfragen. Auch bei der Bezahlung sollten sie aufpassen. Einige Tricks unseriöser Notdienste: Ein Elektronotdienst hatte in seinem "Kleingedruckten" die folgende Bestimmung: "Kann die Störung aus Gründen der Sicherheit nicht oder nur provisorisch behoben werden, wird der Einsatz dennoch voll berechnet." Eine solche Klausel brauchen Sie sich nicht bieten zu lassen wie das Landgericht Düsseldorf (Urteil vom 23.3.1988, Az. 12 O 292/87) entschied.

Führt ein Elektronotdienst eine Reparatur nur provisorisch aus, verweigern Sie die Bezahlung und verlangen eine korrekte Ausführung des Reparaturauftrags. Es kommt immer wieder vor, dass Elektronotdienste die Zwangslage des Kunden durch überzogene Festpreisvereinbarungen ausnutzen. So hatte ein solcher Notdienst vor der Reparatur eines defekten Durchlauferhitzers ein Formular unterschreiben lassen, wonach der Kunde etwa 120,00 Euro für die Reparatur zahlen sollte. Die Arbeit dauerte dann ganze 30 Minuten. Das Amtsgericht Duisburg (Urteil vom 5.6.1990, Az. 3 C 125/89) dazu: "Der Preis steht in auffälligem Missverhältnis zu der Leistung." Die Festpreisvereinbarung war damit sittenwidrig und nichtig.

Mit einem weiteren Trick der Branche setzte sich das Gericht in dem oben genannten Urteil auseinander: Der Notdienst steht im örtlichen Branchenfernsprechbuch. Der Kunde wendet sich an ihn im Vertrauen darauf, dass das Unternehmen seinen Sitz wirklich vor Ort hat und die Fahrtkosten nicht zu hoch sind. Tatsächlich aber ist nur das Büro zur Auftragsannahme im Ort. Der Notdienst selbst rückt aus der Ferne an und verlangt entsprechend höhere Fahrtkosten. Das Urteil: "Wer unter der örtlichen Fernsprechnummer den Notdienst anwählt und erreicht, darf auch davon ausgehen, dass sich die Monteure am Ort befinden." Entsprechend knapp dürfen auch nur die An- und Abfahrt berechnet werden. Haben Sie einen Notdienst unter Ihrer örtlichen Vorwahl erreicht, so brauchen Sie auch nur An- und Abfahrtskosten für die Fahrt innerhalb der Ortsgrenzen zu zahlen. Darüber hinausgehende Beträge streichen Sie von der Rechnung. Am besten ist natürlich, Sie fragen gleich am Telefon danach, von wo aus die Monteure anreisen, und suchen sich, sofern Ihre Notsituation das zeitlich zulässt, ein Unternehmen in Ihrer Nähe.

Rohrreinigungsunternehmen

Rohrreinigungsnotdienste haben den Vorteil, dass sie auch durchaus mal mitten in der Nacht vorbeikommen, um ein verstopftes Rohr zu säubern. Der Nachteil: Oft stellen diese Unternehmen überhöhte Rechnungen aus. Ein Beispiel: Ein Anbieter hatte am Telefon für die Reparatur einer verstopften Toilette einen Preis von sechs Euro pro laufenden Meter Rohrreinigung veranschlagt. Als der Monteur schließlich da war, nahm er die Klobürste, ließ sich ein altes Scheuertuch geben - innerhalb einer Minute war der Abfluss frei. Die Rechnung: etwa 100,00 Euro.

Dass Rechnungen je nach Lage und Schwierigkeit des Falles unterschiedlich hoch ausfallen können, ist klar. Trotzdem tauchen gerade bei Rohrreinigungsfirmen immer wieder Beträge auf, mit denen die Firmen vor Gericht jedenfalls nicht durchkommen würden, zum Beispiel: überzogene Nacht- und Notdienstzuschläge, Berechnung der Arbeit, ohne dass die Störung behoben wurde, Berechnung von Spezialgeräten, die entweder nicht eingesetzt wurden oder deren Einsatz nicht notwendig war, unzulässige Doppelberechnung nach mehreren Abrechnungsmethoden. Nacht- und Notdienstzuschläge Gegen einen solchen Zuschlag (zum Beispiel 50 Prozent Aufschlag, weil der Notdienst um 23.00 Uhr kommt) ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Unzulässig ist aber, dass einfach unter die Gesamtrechnung, in der ja auch Kosten für das Fahrzeug, Spezialwerkzeuge oder Ersatzteile enthalten sind, ein Strich gezogen wird und danach 50 Prozent aufgeschlagen werden. Der Nachtzuschlag kann sich nur auf den Lohn und die lohnabhängigen Kosten beziehen, die im Stundenverrechnungssatz und in den Wegekosten enthalten sind. Korrigieren Sie eine solche Rechnung. Zahlen Sie den prozentualen Nachtzuschlag nur für die Lohn- und lohnabhängigen Kosten.

Das Unternehmen will Geld, obwohl es den Schaden nicht behoben hat Der Rohrreiniger arbeitet eine Stunde lang, gibt schließlich unverrichteter Dinge auf. Trotzdem verlangt er Bezahlung mit einem Verweis auf seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Da steht: "Bei Abbruch der Arbeit berechnen wir den bis dahin entstandenen Aufwand gemäß Preisliste." Eine solche Klausel hat das Münchner Landgericht (Urteil vom 1.2.1990, Az. 7 O 13463/89) für unwirksam erklärt. Die Begründung: Es handele sich um einen Werkvertrag. Der Werkunternehmer schuldet Ihnen aber einen Erfolg, nämlich die Beseitigung der Störung. Lassen Sie sich von solchen Klauseln im Kleingedruckten nicht beeindrucken. Zahlen müssen Sie nur, wenn die Störung auch tatsächlich behoben wird. Spezialwerkzeuge und Spezialgerätewagen Ein Rohrreinigungs-Unternehmen rückt mit einem technisch hochgerüsteten Fahrzeug mit Hochdruckspülgerät und Video-Kamera an. Häufig kann das verstopfte Rohr mit einfacheren Mitteln, zum Beispiel mit Spiralfedern, gesäubert werden. Auf der Rechnung taucht aber trotzdem der Einsatz des Spezialgerätewagens auf, den Sie bezahlen sollen. So kam ein Fall vor Gericht, in dem eine Rohrreinigungsfirma einfach in ihren Formularverträgen darauf hingewiesen hatte, dass der Preis sich aus "Stundenpreis für Monteure und Geräteeinsatzwagen" zusammensetze. Mit anderen Worten: Der Wagen mit den Spezialgeräten wurde immer berechnet, unabhängig davon, ob und in welchem Umfang im Einzelfall tatsächlich Geräte aus dem Spezialfahrzeug zum Einsatz kamen. Dem hat das Oberlandesgericht Stuttgart (Urteil vom 6.5.1988, Az. 2 U 157/87) einen Riegel vorgeschoben.

Sie sollten darauf achten, welche Geräte bei Behebung der Rohrverstopfung eingesetzt werden. Tauchen später ganz andere High-Tech-Geräte auf der Rechnung auf, so sollten Sie entsprechende Posten nicht zahlen. Überweisen Sie im Zweifel nur einen Teilbetrag der Rechnung. Wenn es Streit gibt, sollten Sie sich an eine Verbraucherberatungsstelle wenden. Das sollten Sie auch dann tun, wenn aufwendige Geräte zwar tatsächlich verwendet wurden, Sie aber den Verdacht haben, dass dies gar nicht notwendig war. In Zweifelsfällen sollten Sie einen Fachmann der Innung um Rat fragen. In aller Regel reicht für die Rohrreinigung der Einsatz einer elektronisch gesteuerten Spirale, die von einem Mann bedient werden kann. Die oftmals in Rechnung gestellten Arbeiten, wie Fräsen, Schleudern, Hochdruckspülen und Video-Überwachung, sind fast nie erforderlich. Noch besser ist es, den Vertrag von vornherein nur mit einem günstigen Anbieter zu schließen, der allein Anfahrt, Monteurstunden und Materialverbrauch berechnet. Dann dürften für die Reinigung des verstopften Rohres 50 Euro bis 75 Euro genügen.

Außerhalb der normalen Arbeitszeit kann es jedoch auch bei einer seriösen Firma teurer werden. Zuschläge von bis zu 100 Prozent, beispielsweise für Einsätze an Sonn- und Feiertagen, können noch zulässig sein. Tipp: Erkundigen Sie sich vorsorglich bei der örtlichen Installateur-Innung nach seriösen Anbietern, auf die Sie im Notfall zurückgreifen können. Berechnung der Rohrreinigung nach laufenden Metern Beliebt ist auch der Trick, die Rohrreinigung nach laufenden Metern, gleichzeitig aber auch noch die geleistete Arbeitszeit abzurechnen. Durch diese Doppelberechnung wird die übliche oder angemessene Vergütung oft weit überschritten. Es kann sogar vorkommen, dass eine Rohrreinigungsfirma in der Rechnung das Doppelte oder Dreifache der tatsächlich gereinigten Rohrmeter angibt. Schätzen Sie die Länge der Leitungen in Ihrer Wohnung ab, die angeblich gereinigt wurde, und vergleichen Sie Ihr Ergebnis mit den Zahlenangaben in der Rechnung. Haben Sie Zweifel, ob eine von Ihnen festgestellte Differenz auch tatsächlich besteht, fragen Sie einen Fachmann der entsprechenden Innung um Rat. In der Regel reicht es bei der Reinigung eines Küchenabflusses aus, das waagerecht bis zur Falleitung verlaufende Rohr zu reinigen. Bei einer Toilettenreinigung liegt die Ursache der Verstopfung oft schon im Bereich des Siphons, so dass der Handwerker zunächst ohne Demontage der Toilette versuchen muss, diesen zu reinigen.

Quelle (Text): Verbraucherzentrale Bayern