11.07.2014 | Verbraucherschutz Praktiker-Pleite: Ihre Rechte als Kunde

Praktiker-Pleite: Ihre Rechte als Kunde
Die Baumarktkette Praktiker hat wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit ein Insolvenzverfahren beantragt. Foto: Martin Gerten
Bei Kunden-Reklamationen ist der Insolvenzverwalter der Ansprechpartner. Im Prinzip gilt weiterhin, dass Verbraucher eine zweijährige Gewährleistungszeit haben. Gibt es etwas zu beanstanden, so muss der Händler in den ersten sechs Monaten beweisen, dass das gekaufte Teil zum Zeitpunkt des Kaufs fehlerfrei war - was oft nicht gelingt, so dass Händler „ohne Theater“ umtauschen. In den restlichen 18 Monaten hingegen muss der Kunde beweisen, dass das Teil zum Zeitpunkt des Kaufs defekt war, was naturgemäß nicht einfach ist.

Nun kommt es mit Blick auf die Gewährleistung bei einer Insolvenz darauf an, ob der Anspruch vor oder nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens entstanden ist. Vor der Eröffnung entstandene Forderungen müssen beim Insolvenzverwalter angemeldet werden. Dann können Kunden im Normalfall davon ausgehen, dass sich ihre Ansprüche zumindest zum Teil durchsetzen lassen.

Bei späteren Forderungen wird der Insolvenzverwalter abwägen, ob ein Anspruch auf Reparatur oder Ersatzlieferung erfüllt werden kann - im Klartext: Es besteht die Gefahr, dass Kunden auf dem defekten Gerät sitzen bleiben, so Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Das von Praktiker freiwillig gewährte zweiwöchige Umtauschrecht ist nicht mehr viel wert. Geld wird für zurückgebrachte Artikel wohl nicht mehr ausgezahlt. Kunden haben dann aber zumindest Anspruch auf einen Gutschein, mit dem sie andere Waren als Ersatz erhalten. Kunden, für deren Waren eine Herstellergarantie besteht, sollten sich im Rahmen dieser Garantie direkt an den Hersteller wenden.

Auch sollte im Praktiker-Laden nicht mehr auf Vorkasse eingekauft werden. Denn man könnte leer ausgehen, wenn das bestellte Produkt nicht mehr geliefert werden kann. Bei ausbleibender Lieferung fällt die Vorauszahlung in die Insolvenzmasse. Kunden haben dann - je nach Verlauf des Insolvenzverfahrens und vorhandener „Masse“ (Werte) - nur eine geringe Chance, ihr Geld voll zurückzubekom-men.

Im Gegenzug dürfen die Kunden, die sich ein neues Bad oder eine teure Bohrmaschine per Ratenzahlung zugelegt haben, die Ratenzahlungen nicht einstellen. Das gilt auch bei Kauf auf Rechnung: Erhaltene Ware ist zu bezahlen. Weil der Insolvenzverwalter auf Vertragserfüllung bestehen kann, sollten die Kunden nicht voreilig von geschlossenen Kaufverträgen zurücktreten. Er kann gegebenenfalls Schadenersatz verlangen.

Die Entscheidung über bereits angezahlte - aber noch nicht gelieferte – Produkte liegt auch beim Insolvenzverwalter. Erfahrungsgemäß erhalten die Kunden in einem solchen Fall nur einen kleinen Anteil aus der Insolvenzmasse.