16.04.2019 | Verbraucherschutz Test bei Discountern: So viel Hähnchenfleisch ist mit Keimen belastet

Kann es Menschen das Leben kosten, wenn Nutztiere viele Antibiotika bekommen - und sich resistente Keime später in ihrem Fleisch finden? Die Umweltorganisation Germanwatch ist nach einem Test bei Lebensmittelhändlern alarmiert.

Foto: Andreas Gebert/dpa

Die Umweltorganisation Germanwatch hat bei Hähnchenfleisch aus Billig-Supermärkten in rund jeder zweiten Stichprobe antibiotikaresistente Keime gefunden. Die 59 Proben aus zwölf städtischen Regionen in Deutschland seien im Labor der Universität Greifswald analysiert worden, sagte Reinhild Benning, Agrarexpertin bei Germanwatch am Dienstag (16.04.) in Berlin.

Discounter: Keime in jedem zweiten Hähnchen

56 Prozent der Portionen Hähnchenfleisch aus Discountern seien mit Keimen besiedelt gewesen, die resistent gegen bestimmte Antibiotika sind. «Diese Befunde halten wir für alarmierend», ergänzte Benning. 

Die Proben stammten aus dem Fleisch der Discounter-Ketten

  • Aldi,
  • Lidl,
  • Netto,
  • Penny
  • und Real.
Hofschlachtereien mit besserem Ergebnis

Bei Testkäufen in Schlachtereien, die nicht industriell arbeiteten, seien bei elf Proben lediglich neun Prozent des Hähnchenfleischs mit solchen Keimen belastet gewesen.

Antibiotika verlieren ihre Wirkung

Bei der Zubereitung des Fleischs könnten resistente Keime durch Lücken bei der Küchenhygiene in den menschlichen Körper gelangen, schreibt Germanwatch. Bei späteren Infektionen schlügen verschriebene Antibiotika dann manchmal nicht mehr an.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung entdeckte im vergangenen November in einer Studie, dass in einigen Mastgeflügelketten weiterhin hohe Resistenzraten bestehen. Das Fleisch könne etwa als Quelle für resistente Keime beim Menschen weiter von erheblicher Bedeutung sein. Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung sei in den vergangenen Jahren in Deutschland generell aber rückläufig.

Wie gefährlich sind die Keime für den Menschen?

Wie viele Menschen durch antibiotikaresistente Keime im Fleisch Schaden nehmen, ist unklar. Denn übertragen werden die Erreger nicht durch das Essen, wenn Fleisch gut durchgegart ist. Risiken gibt es laut Germanwatch in Restaurants und auch zuhause beim Waschen des Fleischs mit Wasser unter 70 Grad Celsius. Denn dann könnten zum Beispiel Spritzer auf Schneidbretter gelangen. Wenn dann dort auch Lebensmittel geschnitten würden, die roh gegessen werden, könnten die resistenten Keime über Mahlzeiten in den Darm gelangen.

Dort richteten sie oft keinen direkten Schaden an. Doch wenn ein Mensch mit resistenten Keimen schwer erkranke und ein Antibiotikum brauche, könnten Resistenzen die Wirkung verhindern, erläutert Germanwatch. Wenn es um Resistenzen gegen Reserveantibiotika gehe, werde es besonders kritisch.

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