04.07.2019 | Verbraucherschutz TPD 2: Was sich in Sachen E-Zigarette für Verbraucher ändert

TPD 2: Für manche eine nichtssagende Zahlen- und Buchstabenkombination, für Dampfer jedoch eine große Umstellung.

„Tobacco Products Directive“ heißt die neue zweite EU-weite Tabakverordnung, die seit dem 20. Mai 2017 gilt und welche nun neben der Regulation diverser klassischer Tabakerzeugnisse auch in den Verkauf und die Handhabung von E-Zigaretten und E-Liquids eingreift. Viele passionierte Dampfer fragen sich daher nun zu Recht, inwiefern sie von dieser neuen Regelung betroffen sind und was sich dadurch für sie konkret ändert.

Was ist TPD 2 und wofür steht es?

„Tobacco Products Directive“ ist die neue EU-weite Verordnung zum Handel mit Tabakprodukten. Galt diese vorerst nur für Zigarren und Zigaretten, greift die EU nun auch in den Handel mit E-Zigaretten und E-Liquids ein. Die E-Zigaretten-spezifischen Neuerungen sind in Artikel 20 des TPD Gesetzes gelistet. Das Gesetz an sich wurde bereits im April 2014 beschlossen. Bis Mai 2016 hatten die Mitgliedsstaaten der EU Zeit, es in ein Bundesgesetz umzusetzen, welches in Deutschland am 20. Mai 2017 in Kraft trat.

Die meisten Bestimmungen betreffen den Handel

Viele Dampfer befürchten, dass durch die neue Tabakverordnung massiv in ihr eigenes Dampfverhalten eingegriffen wird. Tatsächlich ist dies eher nicht der Fall, denn die meisten Gesetze bezüglich der E-Zigaretten betreffen nicht die Dampfer selbst, sondern den Handel. Dieser wird am meisten von den neuen Gesetzesentwürfen betroffen sein. Konkret geht es vor allem um Marketingmaßnahmen sowie die Markteinführung von Neuheiten, sowohl im Bereich der Hardware als auch der Liquids.

Keine Werbung mehr für E-Zigaretten

Zunächst sieht das Gesetz nun vor, dass keinerlei Werbung mehr für E-Zigaretten gemacht werden darf. Konkret sind hier sowohl Printmedien, Fernsehen, Radio, aber auch das World Wide Web betroffen. Webseiten dürfen nicht mehr ohne weiteres Werbebanner einblenden, in denen für E-Zigaretten oder Liquids geworben wird. Was jedoch weiterhin erlaubt sein wird, sind Erfahrungsberichte von Bloggern, YouTubern oder Privatpersonen, die sich in Foren zum Thema austauschen möchten – unter der Voraussetzung, dass die Produkte oder die Beiträge nicht von den Firmen gesponsert wurden.

Lange Vorlaufzeit für neue Produkte

Auch die Markteinführung von Neuheiten wird sich in Zukunft vor allem für die Hersteller komplizierter gestalten. Akkuträger, Verdampfer, aber auch Liquids müssen seit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes mindestens sechs Monate vor der offiziellen Markteinführung angemeldet werden. Die Produkte werden anschließend streng geprüft, bevor sie schlussendlich für den Verkauf freigegeben werden – oder auch nicht. Diese lange Anmeldefrist gilt auch für E-Liquids. Durch diese Vorlaufzeit will die EU für erhöhte Sicherheit der Produkte und der Inhaltsstoffe sorgen.

Kleinere Gebinde und sicherere Flaschen

Konnte man bisher auch nikotinhaltige E-Liquids in größeren Fläschchen von 30, 50 oder manchmal sogar 100 ml kaufen, wird dies nach der Einführung des neuen Gesetzes nicht mehr möglich sein. Seit dem 20. Mai 2017 dürfen nikotinhaltige E-Liquids nur mehr in kleinen Fläschchen von maximal 10 ml Füllmenge verkauft werden, während nikotinfreie Liquids immer noch in größeren Gebinden verkauft werden dürfen. Somit müssen gerade leidenschaftliche Dampfer sich darauf einstellen, sich bei einem Liquidkauf mit mehreren Fläschchen einzudecken. Für Geräte, die mit Nachfüllkapseln betrieben werden, wird die maximale Liquidmenge auf 2 ml beschränkt sein. Wie sich diese Regel mit der Bemühung zur Vermeidung unnötigen Plastikmülls verträgt, ist unklar. 

Um für mehr Sicherheit zu sorgen, müssen die Fläschchen in Zukunft mit einer Kindersicherung versehen werden, sowie bruch- und auslaufsicher sein. Die meisten Fläschchen haben diese Kriterien allerdings schon vorher erfüllt, weshalb hier kein großer Unterschied zu verzeichnen sein dürfte.

Geringerer Nikotingehalt und erhöhte Aufklärung

Neben der maximalen Füllmenge wird auch der maximale Nikotingehalt neu definiert. Seit dem 20. Mai 2017 darf der höchstmögliche Nikotingehalt nur mehr bei 20 mg/ml liegen. Des Weiteren muss jedes Fläschchen in einer Packung mit zusätzlichen Infos verkauft werden, ähnlich wie bei Medikamenten zum Beispiel in einer Umverpackung mit Beipackzettel. Auch die Packung selbst muss zu zwei Dritteln mit Warnhinweisen zum Wirkstoff Nikotin bedruckt sein.

Was sich für Selbstmischer ändert

Besonders betroffen von dem neuen Gesetz sind Dampfer, die sich ihre Liquids mittels Nikotinbasis und Aromen bisher selbst gemischt haben. Denn auch nikotinhaltige Basen werden in Zukunft nur noch in kleinen Fläschchen mit maximal 10 ml Füllmenge und einem maximalen Nikotingehalt von 20 mg/ml erlaubt sein – ein gewaltiger Unterschied zu früher, wo man Nikotinbasen sogar in großen Gebinden von einem Liter bekommen konnte. Aber auch hier gilt: Die Basen ohne Nikotin sollten auch weiterhin in großen Gebinden verkauft werden dürfen.
Was die Aromen betrifft, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts mehr ändern, denn in Deutschland sind inzwischen alle Aromen als Lebensmittelaromen zugelassen und damit als unschädlich eingestuft, weshalb diese nicht mehr beschränkt werden können.

Bestehende Produkte nicht beeinflusst

Wer vor der Einführung von TPD 2 eine E-Zigarette oder Liquids gekauft hat, muss nichts Besonderes beachten. Diese Geräte stehen unter dem sogenannten Bestandsschutz und sind daher nicht von der neuen Regelung betroffen.

Was sich für Dampfer konkret ändert

Bei Dampfern bleibt dennoch die Unsicherheit, ob in Zukunft besondere Dinge beachtet werden müssen. Hier kommt es auf den Individualfall an. Für gemütliche Gelegenheitsdampfer, die ihre Hardware und Liquids im Shop ihres Vertrauens kaufen, ändert sich so gut wie nichts. Intensive Dampfer müssen sich darauf einstellen, dass der Kauf von Liquids aufwendiger und teurer wird. Außerdem wird man in Deutschland länger auf neue Produkte warten müssen, da diese erst die Anmeldephase überstehen müssen. 

Für Selbstmischer muss noch eine Lösung gefunden werden, mit der alle Beteiligten zufrieden sind. Eine Möglichkeit wäre das Mischen der 0-mg-Base mit 20-mg-Shots auf die gewünschte Nikotinstärke. Damit wird das Selbstmischen zwar teurer, in Relation zu fertigen Liquids jedoch preiswerter. 

Wer gerne in Online-Shops wie iSmoker und Co. Liquids und Dampfgeräte shoppt, muss nun auch eine Altersverifikation über sich ergehen lassen, welche zum Beispiel über die Kontrolle der Personalausweisnummer erfolgt. 

TPD 2 ist in der Dampfer-Community ein relativ unbeliebter Begriff. Klar, denn Dampfen könnte damit in Zukunft aufwendiger und auch teurer werden, vor allem, wenn man gerne mit viel Dampf und Nikotin dampft – aber vor allem soll die Sicherheit für den Verbraucher erhöht werden. Durch ausgiebige Tests neuer Produkte vor der Markteinführung soll Dampfen sicherer gemacht werden – daher hat das neue Gesetz nicht nur seine negativen Seiten.