03.12.2021 | Verkehr & Mobilität Auch Wohnmobile von Abgasmanipulation betroffen

Längst hat der Abgasskandal auch Wohnmobile erreicht und insbesondere Wohnmobile, die einen Fiat Ducato als Unterbau haben. Sowohl Abgasmessungen der Deutschen Umwelthilfe als auch des Kraftfahrtbundesamtes belegten, dass die Grenzwerte für den Ausstoß von Stickoxid bei Wohnmobilen mit Fiat Basis teilweise erheblich überschritten werden. Sowohl die Abgasnorm Euro 5 als auch Euro 6 sind davon betroffen. Habt ihr euch auch schon mal gefragt, wie ihr euch gegen diese Manipulationen wehren könnt?

Foto: MemoryCatcher / pixabay
Wohnmobil-Rückrufe absehbar

Schon seit längerer Zeit sind die hohen Abgaswerte beim Fiat Ducato ein rotes Tuch für das Kraftfahrtbundesamt und es informierte aufgrund dessen auch schon die verantwortliche Zulassungsbehörde sowie die EU-Kommission. Geschehen ist seither aber noch nichts. Die betroffenen Fahrzeuge können nach wie vor uneingeschränkt betrieben werden und das, obwohl die Grenzwerte für den gesundheitsschädlichen Stickoxid-Ausstoß erheblich überschritten wurden.

Das ändert sich vielleicht schon bald, denn wie das Kraftfahrtbundesamt vor kurzem informierte, wird geprüft, ob die nötigen Schritte selbst veranlasst werden können, um die nicht zulässigen Funktionen der Abschalteinrichtungen zu entfernen. Daraus lässt sich schließen, dass es wohl in absehbarer Zeit einen Rückruf für die betroffenen Wohnmobile geben könnte. Wenn ihr betroffene Wohnmobil-Besitzer seid, müsst ihr einem Rückruf Folge leisten und euer Fahrzeug zur Werkstatt bringen. Wird der unzulässige Effekt nicht entfernt, droht euren Fahrzeugen gegebenenfalls ein Verlust der Straßenzulassung.

Doch so weit solltet ihr es erst gar nicht kommen lassen. Als betroffene Wohnmobil-Besitzer habt ihr gute Chancen, Schadensersatzansprüche geltend zu machen, wie anhand einiger Urteile zu erkennen ist. Die erhöhten Werte der Abgasmessungen von DUH und KBA sind ein klarer Hinweis auf die Unzulässigkeit der Abschalteinrichtungen. Allem Anschein nach geht Fiat im Prüfverfahren so vor, dass die erforderliche Abschalteinrichtung in etwa 22 Minuten nach dem Motorstart außer Kraft gesetzt wird. Für den rund 20-minütigen Test ist dies ausreichend, um die Grenzwerte einzuhalten. Ist die Schalteinrichtung aktiviert, sehen die Werte wesentlich anders. Der Abgasskandal zeigt, wie trickreich die Konzerne sind.

Schadensersatz im Abgasskandal

Es gibt bereits mehrere Urteile gegen Fiat Chrysler Automobiles, mittlerweile als Stellantis firmierend, aufgrund des Einsatzes unzulässiger Abschalteinrichtungen. Dass sich der Konzern in Verhandlungen bisher nicht zu den Vorwürfen äußerte, veranlasste unter anderem das Landgericht der Stadt Karlsruhe dazu, den Klägern per Versäumnisurteil Schadensersatz zuzusprechen. Ähnliche Urteile gibt es auch von den Landgerichten in Koblenz, Heilbronn oder Schwerin.

Ein Urteil des Landgerichts Oldenburg vom 2. September (Aktenzeichen: 4 O 767/21) ist besonders erwähnenswert. Das Landgericht verurteilte Fiat Chrysler (Stellantis) sowie den Wohnmobilhändler gesamtschuldnerisch zu Schadensersatz. 2020 hatte der Kläger im Verfahren das Wohnmobil als Neufahrzeug erworben. Aufgrund der noch nicht abgelaufenen zweijährigen Garantiezeit erhob der Kläger nicht nur Schadensersatzansprüche gegen den Konzern, sondern auch gegenüber dem Händler. Und das mit Erfolg. Fiat Chrysler muss Schadenersatz für die Schäden der Abgasmanipulation leisten und der Händler muss das Wohnmobil zurücknehmen und dem Kläger stattdessen ein funktionstüchtiges neues Ersatzfahrzeug des Herstellers mit äquivalenter Ausstattung liefern, entschied das Landgericht in Oldenburg.

Bereits 2019 hatte der Bundesgerichtshof festgestellt, dass es sich bei unzulässiger Abschalteinrichtungen um einen Sachmangel handelt. Käufer können also eine Mangelbeseitigung verlangen. Wenn dies nicht möglich ist, muss der Händler ein gleichartiges Ersatzfahrzeug liefern. Beachten müsst ihr die Gewährleistungsfrist.