10.08.2020 | Verkehr & Mobilität Auto-Abo: Was ist das und was gibt's zu beachten?

Ein Auto zu kaufen, ist eine zeitraubende und komplizierte Sache. Viele Unterschriften sind zu leisten. Auto aussuchen, eventuell Probe fahren, genau begutachten, die Versicherung abschließen und dann noch die Zulassung organisieren. Das geht heutzutage auch anders. Die Lösung heißt Auto-Abo - Fahrzeughalter light sozusagen...

Abbildung 1: Mit einem Auto-Abo können interessierte Autofahrer neue Technologien ohne finanzielles Risiko ausprobieren. Wenn beispielsweise das Elektroauto sich als nicht alltagstauglich erweist, ist es in der Regel einfach, das Fahrzeug auch zu tauschen.

Ein Auto-Abo funktioniert in etwa so wie andere Abos im Internet auch - beispielsweise das Zeitschriftenabo, der Mobiltelefonvertrag oder das Abo der Gemüsekiste vom Bio-Bauernhof. Es handelt sich um die neueste Art der Fahrzeugnutzung - irgendwo zwischen Carsharing und Auto-Leasing. Doch es ist ein wenig anders... Beim Carsharing besitzen die Autofahrer kein Auto und beim Leasingvertrag ist der Zeitraum viel länger. Beim Auto-Abo beträgt die Mindestvertragslaufzeit sechs Monate.

Die Grundidee beim Auto-Abo

Die Grundidee ist dabei immer gleich: Der Nutzer erhält ein Auto zum monatlichen All-inclusive-Beitrag und muss lediglich die Spritkosten bezahlen. Alle weiteren Kosten übernimmt der Anbieter - also Steuern und Versicherung, Kosten für Instandhaltung, Wartung und Verschleißteile, TÜV und Abgasuntersuchung sowie Wertverlust. Die Kosten für ein eigenes Fahrzeug hat die Stiftung Warentest einmal zusammengetragen. Das alles deckt der monatliche Beitrag ab. Einzig die zurückgelegten Kilometer sind limitiert. Bei dem Auto-Abo von Cluno gibt es monatlich 1.250 Kilometer inklusive. Weitere Kilometer kosten extra - und zwar 20 Cent pro Kilometer. Nicht genutzte Kilometer eines Monats darf der Nutzer in den nächsten Monat übertragen und aufaddieren. Andere Anbieter haben hier andere Berechnungsmodelle. Das ist jeweils dem Vertrag zu entnehmen.

Unterschiedliche Vertragsgestaltung – vergleichen hilft

Wer ein Auto-Abo in Erwägung zieht, sollte die verschiedenen Anbieter genau vergleichen. Einige haben eine kurze - andere eine längere Mindestvertragslaufzeit. Auch die Anzahl der Freikilometer kann sehr stark variieren. Bei manchen Anbietern lässt sich die Kilometerzahl an die Bedürfnisse des Nutzers anpassen. Auto-Abos versprechen einen flexiblen Autobesitz. Bei den Details gibt es Unterschiede bezüglich des Fahrzeugangebots, der Verfügbarkeit, der Wartezeit oder der Kündigungsfrist. Einige Anbieter verlangen eine einmalige Anmeldegebühr.

Welche Vorteile verspricht das Auto-Abo?

Bei einem Auto-Abo können die Nutzer z.B. ein neuwertiges Auto fahren, müssen dafür aber kein Geld investieren und auch keinen langfristigen Vertrag abschließen. Sie müssen sich um nichts weiter kümmern. Wenn sich die Lebenssituation verändert, lässt sich der Abo-Vertrag in der Regel leicht daran anpassen. Die Nutzer kümmern sich um nichts weiter. Der Nutzer hat Planungssicherheit, was die Kosten für die Mobilität in den nächsten Monaten oder Jahren anbelangt. Es gibt nur zwei Variablen: die Spritkosten und die Intensität der Fahrzeugnutzung.

Ein weiterer Vorteil ist die schnelle Verfügbarkeit der Fahrzeuge im Abo. Die Nutzer bekommen Neu- oder Jahreswagen, die bereits produziert sind. Es gibt keine Wartezeit wie bei der Bestellung eines Neuwagens. Zwischen Abo-Vertragsabschluss und Fahrzeugübernahme liegen häufig nur wenige Wochen. Außerdem muss der Nutzer sich nicht mit der Konfiguration des Fahrzeugs auseinandersetzen. Die Auswahl der Sonderausstattung erfolgt aufgrund von Kundeninteressen und wird vom Abo-Anbieter übernommen.

Zudem können die Nutzer beispielsweise eine neue Technologie ausprobieren, ohne sich gleich ein Fahrzeug kaufen zu müssen. So können sie beispielsweise ganz ohne Risiko ausprobieren, inwieweit ein Elektrofahrzeug für sie alltagstauglich ist.

Welche Nachteile hat das Auto-Abo?

Abbildung 2: Im Abo gibt es meistens nur Fahrzeuge der großen Automobilhersteller - wie Fiat. Dabei sind nicht alle Modelle im Abo erhältlich.

Es spricht eigentlich nur sehr wenig gegen ein Auto-Abo, da es die Vorteile verschiedener Nutzungsformen vereint. Wer allerdings Wert auf eine individuelle Konfiguration legt in Bezug auf den Motor oder die Ausstattung seines Fahrzeugs, ist wahrscheinlich mit einem selbst konfigurierten Fahrzeug, das über Leasing oder einen Ratenkredit finanziert wird, besser beraten. Zudem sind in erster Linie die gängigen Modelle der großen Automobilhersteller im Abo erhältlich, wie Opel Corsa, VW Golf, Fiat 500 oder Skoda Fabia. Für Autofahrer, die lieber ein Modell fahren, das nicht so häufig herum fährt, ist das Auto-Abo nicht das richtige - weil die Modellvielfalt fehlt.

Für wen ist ein Auto-Abo sinnvoll?

Ein Auto-Abo ist insbesondere für Privatpersonen interessant, die pro Jahr zwischen 8.000 und 15.000 km fahren. Wer nicht langfristig planen möchte, sondern nur für die nächsten Monate oder wenige Jahre in die Zukunft, kann mit einem Auto-Abo eine ganze Weile stressfrei fahren. Zudem gibt es auch einen weiteren Grund, um einen Auto-Abo-Vertrag abzuschließen: Im Abstand von wenigen Jahren können die Nutzer immer wieder neue Fahrzeuge testen. Es macht einfach Spaß, ein wenig Abwechslung in der Garage zu haben.

Abbildung 3: Es genügt lediglich eine Unterschrift, um den Vertrag für das Auto-Abo abzuschließen. Genauso einfach lässt sich das Auto-Abo auch wieder kündigen, natürlich unter Einhaltung der vertraglich vereinbarten Kündigungszeit.

Warum machen die Händler solche Angebote?

Bei den meisten Car-Abos sind nicht die Abo-Anbieter Eigentümer der Fahrzeuge, sondern große Markenhändler. Dabei ist es so, dass die Fahrzeuge neu sind oder es sich um Tageszulassungen handelt, also quasi neue Fahrzeuge.

Was sich strategisch dahinter verbirgt, ist schnell erklärt: In Deutschland werden jährlich etwa 3,4 Millionen Fahrzeug neu zugelassen. Ein Drittel davon sind sogenannte Tageszulassungen. Diese Autos tauchen in Verkaufs- und Zulassungsstatistiken auf und steigern so den Marktanteil dieser Marken. Allerdings stehen sie faktisch noch beim Händler und verursachen dort täglich etwa 20 Euro Standkosten pro Tag. Die durchschnittliche Standzeit eines Neufahrzeugs beim Händler beträgt 94 Tage. Das ist bei mehreren Fahrzeugen eine ganze Menge an Kosten. Wenn die Autos im Abo-Modell über die Straßen rollen, verursachen sie keine Standkosten mehr, sondern ganz im Gegenteil, sie bringen sogar noch Geld ein.

Welche Vorteile haben die Händler noch?

Für die Händler oder auch die Hersteller ist das Abo-Modell eine gute Gelegenheit, an wertvolle Kundendaten zu gelangen. Denn bestenfalls wird aus einem Abonnenten, der ein Fahrzeug unverbindlich nutzt und ausprobiert, im späteren Verlauf ein Kunden, der sich einen Neuwagen kauft.