29.07.2019 | Verkehr & Mobilität Fristen, Gebühren, Gültigkeit: Das müsst ihr zum Führerschein-Umtausch wissen

Der Abschied von unseren alten Führerscheinen ist beschlossene Sache und ist für alle Inhaber Pflicht. Bis spätestens 2033 müssen die alten Lappen gegen einen EU-Führerschein im Scheckkartenformat umgetauscht werden. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Umtausch.

Foto: Federico Gambarini/dpa

Die Zahl ist enorm: In Deutschland sind geschätzt noch 43 Millionen alte Führerscheine in den Geldbeuteln und Brieftaschen. „Alt“ bedeutet, dass die Dokumente nicht den Vorstellungen der Europäischen Union entsprechen. Der ADAC geht davon aus, dass sich die Zahl auf rund 15 Millionen Papier- und weitere 28 Millionen Scheckkartenführerscheine verteilt.

Warum müssen die Führerschein umgetauscht werden?

Brüssel will die ausgestellten Führerscheine in der EU fälschungssicherer machen. Das gelingt durch moderne Sicherheitsstandards. Das heißt aber, dass einer EU-Richtlinie zufolge alle vor 2013 ausgegebenen Führerscheine umgetauscht werden müssen. Die EU hat eine Deadline gesetzt, bis wann alle alten Dokumente verschwunden sein sollen: bis zum 19. Januar 2033

Wie läuft der Führerschein-Umtausch ab?

Im März 2019 ist die neue Führerschein-Verordnung in Kraft getreten. Damit ist das Vorgehen in Deutschland geregelt, wie der Umtausch der alten Führerscheine ablaufen soll. Dafür wurde ein Stufenplan entwickelt. Er setzt unterschiedliche Fristen und soll dafür sorgen, dass die entsprechenden Behörden durch einen Ansturm nicht überlastet werden und sich der Andrang gleichmäßig verteilt. 

Fristen: Wann muss wer seinen Führerschein tauschen

Der Umtauschplan ist gestaffelt und hängt von zwei Kriterien ab:

  • Geburtsjahr des Führerscheininhabers
  • Ausstellungsdatum der Fahrlizenz

Besitzer von Führerscheinen, die bis einschließlich 31. Dezember 1998 ausgestellt wurden, müssen sich bei der Umtauschpflicht an ihrem Geburtsjahr orientieren.

Für Führerscheine ausgestellt bis zum 31. Dezember 1998 gilt:
Geburtsjahr des Führerscheininhabers Tag, bis zu dem der Umtausch erfolgen muss
vor 1953 19. Januar 2033
1953 – 1958 19. Januar 2022
1959 – 1964 19. Januar 2023
1965 – 1970 19. Januar 2024
1971 und später 19. Januar 2025

Besitzer mit Führerscheinen, die ab 1.1.1999 ausgestellt wurden, müssen auf das Ausstellungsjahr achten. Das trifft auch auf Führerscheine zu, die vor diesem Stichtag erworben wurden, aber zum Beispiel wegen Verlusts, Diebstahls oder dem Wunsch nach dem handlicherem Scheckkartenformat neu ausgestellt wurden.

Führerscheine, die ab 1. Januar 1999 und bis 18. Januar 2013 ausgestellt worden sind:
Jahr der Ausstellung Tag, bis zu dem der Umtausch erfolgen muss
1999 – 2001 19. Januar 2026
2002 – 2004 19. Januar 2027
2005 – 2007 19. Januar 2028
2008 19. Januar 2029
2009 19. Januar 2030
2010 19. Januar 2031
2011 19. Januar 2032
2012 – 18. Januar 2013 19. Januar 2033

Im Jahr 2033 liegt der letztmögliche Zeitpunkt, seinen alten Führerschein in einen aktuellen EU-Führerschein zu tauschen. 

Wann sollte ich spätestens aktiv werden?

Wer sich für seinen Führerscheinumtausch einen Kalendereintrag machen möchte, sollte für den persönlich spätesten Termin wie folgt vorgehen: Rechnet als Bearbeitungszeit bei den Behörden mindestens sechs Wochen ein, eher sogar acht bis zehn Wochen (Weihnachtszeit berücksichtigen, in der in den Behörden oft Mitarbeiter frei haben). Das bedeutet für den jährlichen Umtausch-Stichtag 19. Januar, dass ihr spätestens Anfang/Mitte November des Vorjahres in eurer Behörde vorstellig werden solltet.

Welche Unterlagen brauche ich für den Führerschein-Umtausch?

Das Wichtigste ist ein neben dem alten Führerschein

  • ein Personalausweis oder Reisepass
  • und ein aktuelles, biometrisches Passbild.

Etwas mehr Aufwand haben Führerschein-Inhaber, wenn ihre Fahrerlaubnis nicht im Geltungsbereich der zuständigen Behörde ausgestellt wurde. Sie benötigen zusätzlich einen Auszug aus dem örtlichen Fahrerlaubnisregister (Karteikartenabschrift). Wer dieses Dokument nicht schriftlich oder telefonisch bei der Behörde anfragen will, die den Führerschein ursprünglich ausgestellt hat, kann das auch online tun.

Darf ich den Führerschein schon früher umtauschen?

Ja, das geht. Die Umtauschfristen sollen zwar die Behördenströme steuern, wer aber nichts auf die lange Bank schieben will, kann bereits jetzt aktiv werden und seinen alten Führerschein gegen einen neuen tauschen.

Wie lange ist der neue Führerschein gültig?

Bisher konnten sich Autofahrer zurücklehnen, weil ihr Führerschein nie seine Gültigkeit verloren hat. Das wird sich künftig ändern: Denn die neuen Führerscheine sind nur 15 Jahre gültig. Für die ab 19. Januar 2013 ausgestellten Führerscheine gilt die Befristung bereits. Das bedeutet, dass wir neben Personalausweis und Reisepass künftig auch den Führerschein regelmäßig erneuern müssen.

Das Verfallsdatum bei Führerscheinen und Erneuern im 15-Jahres-Takt ist umstritten. Allerdings gibt es auch Befürworter, die das neue Vorgehen für sinnvoll halten. Nach ihrer Einschätzung lassen sich ältere Führerscheine leichter fälschen. Neue Dokumente, in denen regelmäßig ein aktuelles Passfoto enthalten sein muss, würden das verhindern.

Wie viel kostet der Umtausch?

Derzeit kostet der neue Führerschein im Scheckkartenformat rund 25 Euro. On top kommen noch die Kosten für das Foto. Wer seinen neuen Führerschein nicht von der Behörde abholt, muss noch den Versand zusätzlich bezahlen.

Was droht mir, wenn ich mit einem ungültigen Lappen erwischt werde?

Wer mit einem abgelaufenen Führerschein unterwegs ist und bei einer Polizeikontrolle erwischt wird, muss mit einem Verwarnungsgeld von zehn Euro rechnen. Wer im Ausland mit einem ungültigen EU-Führerschein erwischt wird, dürfte sich auf deutlich höhere Strafen einstellen müssen.

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