16.01.2020 | Verkehr & Mobilität Gefährliches Verkehrschaos: Das tun Bayerns Schulen gegen Elterntaxis

Viele Eltern fahren ihre Kinder mit dem Auto zur Schule. Der Grund: Sorge um die die Sicherheit des Nachwuchses. Dadurch passiert aber das Gegenteil: verstopfte Straßen und zugeparkte Gehwege – eine echte Gefahr für Schüler. Wir haben zusammengefasst, woran das liegt und was bayerische Schulen nun tun.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Quietschende Bremsen und lautes Hupen – morgendlicher Alltag vor Bayerns Schulen. Über 1,1 Millionen Schulweg-Unfälle passieren jedes Jahr. Einer der Hauptgründe: Elterntaxis. Denn jedes fünfte Grundschulkind wird von seinen Eltern bis vor die Tür des Klassenzimmers gefahren – die Beweggründe sind nachvollziehbar: Sie sorgen sich um die Sicherheit der Kids.

Ob diese Ängste berechtigt sind, wie Bayerns Schulen reagieren und wie euer Kind sicher zum Unterricht kommt, erfahrt ihr hier.

Pro und Contra

Viele Eltern machen sich Sorgen, die jeder Mama und jeder Papa kennt: Morgens ist es auf dem Schulweg dunkel, der Ranzen schwer, der Weg lang und die Straßen viel befahren. Auch ein häufiges Problem: Viele Landratsämter stellen kostenfreie Busfahrkarten erst ab einer bestimmten Schulweglänge aus. Das Auto erscheint da oft als einzige Lösung. 

Das Argument ist absolut nachvollziehbar: Mehr Sicherheit auf dem Schulweg! Aber: Das Gegenteil passiert, wie die Unfallstatistik zeigt. Fahren Kinder in einem PKW mit, ist ihr Unfallrisiko deutlich höher als beim Laufen oder Fahrradfahren.

Denn die Autos stehen häufig im absoluten Halteverbot, auf Gehwegen und Feuerwehrzufahrten oder halten in der zweiten Reihe. So entstehen brenzlige Situationen und der Schulweg wird für die Kids zum Slalomlauf. 

Experten warnen außerdem: Kinder werden so nicht eigenständig. Außerdem seien frische Luft und Bewegung gut für die Gesundheit – Schüler konzentrieren sich dadurch auch besser im Unterricht. 

Foto: Thomas Warnack/dpa

Bayerns Schulen steuern dagegen

Demonstrationen

Schüler und Lehrer gehen regelmäßig auf die Straße und demonstrieren gegen Elterntaxis – unter anderem in München, Neufahrn (Oberbayern) und Forchheim (Oberfranken). Ihr Ziel: Auf das PKW-Chaos aufmerksam machen und die Fahrer wachrütteln.

Auch in Unterhaching (Oberbayern) protestieren Kinder mit Transparenten – und zwar so erfolgreich, dass sogar Studenten der Bundeswehr-Universität Neubiberg Abschlussarbeiten über die Verkehrssituation schreiben. 

Aufklärung

Der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz setzt auf Aufklärung – eine entsprechende Infobroschüre wird in über 50 oberpfälzer Gemeinden verteilt. Die Kids, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, bekommen außerdem kostenlose Sicherheitswesten.

Aktionswochen

Viele bayerische Gemeinden starten Aktionswochen gegen den Shuttle Service von Familien. In Kleinostheim (Unterfranken) arbeitet der Elternbeirat mit der Verkehrswacht zusammen. Schulen in Nürnberg und Neustadt an der Aisch (Mittelfranken) nehmen am bundesweiten Aktionstag „Goodbye Elterntaxi“ des Autoclubs ACE teil.

In Oberhaching, Icking und Geretsried (alle in Oberbayern) gibt es bereits autofreie Wochen unter dem Motto „Autofrei, wir sind dabei“. In den Stoßzeiten morgens und mittags herrscht dann absolutes Halteverbot vor den Schulen.

Hol- und Bringzonen

Andere Rektoren bremsen die Elterntaxis aus: Sie bauen Hol- und Bringzonen – hier setzen Eltern ihre Kids rund 200 Meter vor dem Schulgelände ab, um Autochaos zu vermeiden. Ein Konzept, das bereits in Erlangen (Mittelfranken), in Bad Brückenau (Unterfranken) oder in Markt Regenstauf (Oberpfalz) funktioniert. Um Elterntaxis fernzuhalten, hat eine Schule im Olching (Oberbayern) auch eine Schranke vor den Lehrerparkplatz gebaut.

Polizeipräsenz

Außerdem kontrolliert die Polizei in allen bayerischen Regierungsbezirken regelmäßig die Verkehrssituationen vor Bildungseinrichtungen – besonders zu Schuljahresbeginn

Tipps für einen sicheren Schulweg

  • Schließt euch zu Laufgemeinschaften zusammen. Eine Mama oder ein Papa läuft mit mehreren Kids zur Schule. Am nächsten Tag übernehmen andere Eltern aus der Nachbarschaft. Ist der Schulweg zu lange, bildet Fahrgemeinschaften. So stehen weniger Autos vor der Schule.
  • Geht mit euren Kindern den Weg ab, weist sie auf Gefahrenstellen hin und übt das korrekte Verhalten im Straßenverkehr. Schon bald klappt das auch alleine.
  • In vielen Gemeinden sind Schulweghelfer im Einsatz. Sie lotsen die Kids über gefährliche Kreuzungen.
  • Trägt euer Kind auffällige Kleidung oder sind an seinem Ranzen Reflektoren angebracht, wird es von Autofahrern besser gesehen.
  • Das Handy sollte auf dem Schulweg im Rucksack bleiben, nicht in der Hand. Sonst sind Kinder schnell abgelenkt und achten weniger auf den Verkehr.
  • Und: Bitte niemals Drängeln und Schubsen an Bushaltestellen oder Straßen.