21.11.2018 | Verkehr & Mobilität Hohe Spritpreise: Wütende Autofahrer rufen zu Tankstellen-Boykott auf

An den Tankstellen steigen die Preise, obwohl die Rohölpreise sinken. Nicht nur Autofahrer sind wütend, auch der ADAC hält die Preisgestaltung an den Zapfsäulen für deutlich überzogen. Jetzt formiert sich ein Boykott auf Facebook und bei WhatsApp.

Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Die Preise an den Tankstellen für Diesel und Super sind auf einem Rekordhoch. Und die Wut der Autofahrer darüber steigt auch immer weiter, zumal die Rohölpreise seit Anfang Oktober wieder sinken. Davon kommt allerdings kaum etwas beim Kraftstoff-Kunden an.

Auch der deutsche Automobilclub ADAC hält die bundesweite Preisgestaltung an den Zapfsäulen weiterhin für deutlich überzogen: "Trotz des Niedrigwassers an Rhein, Main und Mosel, das die Kraftstoffpreise vor allem in Süd- und Westdeutschland mit beeinflusst, wäre angesichts der Entwicklung am Rohölmarkt eine stärkere Senkung der Spritpreise angemessen."

Kettenbrief: Aufruf zum Tankstellen-Boykott 

In den sozialen Netzwerken, vor allem bei Facebook und auch beim Messenger-Dienst WhatsApp macht aktuell ein Kettenbrief die Runde, der zu einem Protest am 26. November aufruft:

"Große Protestaktion gegen die steigenden Benzin und Dieselpreise. Am Montag, den 26. November bitte keine Tankstellen anfahren! Wer tanken muss, sollte das am Sonntag, den 25. November noch machen. Sende diese Protestaktion an deine Kontakte weiter, um ein Zeichen gegen die hohen Benzin und Dieselpreise zu agieren." 

Proteste im Ausland als Vorbild?

Besondere Relevanz bekommt dieser Kettenbrief, der in Deutschland schon tausendfach geteilt wurde, durch die aktuellen Geschehnisse in Frankreich. Seit Tagen gibt es dort große Proteste und Straßenblockaden, unter anderem gegen steigende Spritpreise. Rund 290.000 Menschen gingen landesweit auf die Straße

Die Wut der Demonstranten richtet sich auch gegen die Reformpolitik Macrons. Die Proteste entstanden aus Internetgruppen. Seit Jahresbeginn sind die Steuern für Diesel-Kraftstoff nach früheren Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP um 7,6 Cent pro Liter gestiegen, für Benzin um 3,9 Cent. Eine weitere Anhebung ist für 2019 geplant. 

Bei den Spritpreis-Demos in Frankreich legten nicht nur zeitweise den Verkehr lahm, es kam auch eine Frau ums Leben, mehr als 40 weitere Personen wurden verletzt. Auch in Bulgarien haben Tausende aufgebrachte Menschen am Wochenende gegen gestiegene Treibstoffpreise protestiert und teilweise Straßen blockiert.

Was soll die Protest-Aktion bringen?

Der Aufruf hier in Deutschland zum Tankstellen-Boykott stößt allerdings nicht nur auf Zustimmung und Teilnahme-Willen. Viele User im Netz fragen sich, was die Protest-Aktion überhaupt bringen soll, denn schließlich kaufe man den Sprit ja sowieso, nur an einem anderen Tag.

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