06.12.2019 | Verkehr & Mobilität Neue Steuern? Ab 2021 überwacht EU den Spritverbrauch von jedem Auto

Autobauer müssen in Kürze den tatsächlichen Spritverbrauch ihrer Fahrzeuge an die EU übermitteln. Das Ziel: mehr Transparenz. Die neue Messungen könnten sich künftig allerdings auch auf den Geldbeutel der Autofahrer auswirken.

Foto: Marijan Murat/dpa

Diese Zahl hat Autofahrer dieses Jahr empört! Im Schnitt liegt der reale Spritverbauch von neuen Pkw 39 Prozent über den Herstellerangaben. Das zeigten Untersuchungen des International Council on Clean Transportation. Das bedeutet: Ein durchschnittlicher Autofahrer hat pro Jahr Mehrausgaben für Sprit in Höhe von rund 400 Euro.

Autofahrer sollten hellhörig werden

Die EU-Kommission will durch einen neuen Abgastests (WLTP) erreichen, dass die Autobauer künftig verlässlichere Angaben zum Kraftstoffverbrauch liefern. Was den Herstellern bereits Schweißperlen auf die Stirn treibt, dürften jetzt aber auch immer mehr Autofahrer kritisch beobachten!

EU will jeden einzelnen Autofahrer überwachen

Denn: Die die EU-Kommission wird ab 2021 den realen Kraftstoffverbrauch von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen überwachen. Die Autobauer müssen die entsprechenden Daten übermitteln und in neuen Fahrzeugen On-Board Fuel Consumption Meter (OBFCM) einbauen. Das ist die entsprechende Technik, um den Spritverbrauch zu messen. Die EU ist somit früher oder später in der Lage, den Verbrauch jedes einzelnen Autofahrers zu überprüfen.

Die Übergangszeit beginnt schon in Kürze. Ab dem 1. Januar 2020 müssen alle Autos mit neuer Typengenehmigung so eine Messtechnik eingebaut haben. 2021 müssen dann alle Fahrzeuge, die zum ersten Mal zugelassen werden, ein OBFCM haben. Und ab dann müssen die gespeicherten Daten auch an die EU übertragen werden.

Vorboten für neue Steuern?

In der Konsequenz könnte das bedeuten, dass künftig auch eine neue Besteuerung der Autofahrer kommt. Und zwar in Form einer CO2-Verbrauchsbesteuerung. Besonders sparsame Autofahrer würden dann deutlich weniger Steuern zahlen müssen als Fahrer von Spritschluckern. E-Auto-Besitzer sollten die Siegerfaust nicht zu früh ballen: Denn es geht nicht nur um den Spritverbrauch bei Benzinern und Diesel-Autos. Bei E-Autos und Plug-in-Hybride soll der Stromverbrauch überwacht werden.

Knackpunkt: Wie werden Daten nach Brüssel übertragen?

Bisher noch nicht geklärt ist die Frage, wie die Verbrauchsdaten künftig genau an die EU übermittelt werden. Im Moment sind verschiedene Möglichkeiten in der Diskussion:

  • Der TÜV könnte bei jeder Hauptuntersuchung die Daten auslesen und an die Kommission übertragen.
  • Die Daten könnten im Straßenverkehr durch Stichproben erhoben werden.
  • Autovermietungen könnten Daten erheben, die zentral verwaltete Fahrzeugflotten besitzen.
  • Daten könnten direkt und automatisiert vom Fahrzeug abgegriffen werden und an die EU-Kommission gehen.
Wie geht es nun weiter?

Derzeit sieht der Zeitplan in Brüssel so aus, dass die EU-Kommission zwischen 2021 und 2026 jährlich einen Bericht veröffentlicht, in dem der Unterschied zwischen angegebenem und realem Kraftstoffverbrauch abgebildet wird. Spätestens bis 2030 muss die Kommission ein konkretes Gesetz einführen, wie die Hersteller den Unterschied minimieren sollen.

Auch das könnte Autofahrern blühen!