18.11.2019 | Wetter Unwetter mit Schneechaos in Europa: So prekär ist die Lage – damit muss Bayern rechnen

Von der Außenwelt abgeschnittene Orte, Schlammlawinen und historische Hochwasserpegel: Verheerende Unwetter machen Teilen Europas zu schaffen, vor allem Italien und Österreich. Bleiben wir in Bayern davon verschont?

Foto: Expa/Johann Groder/APA/dpa Der Winterdienst hat schwer zu kämpfen:
In Österreich sorgen extreme Schneefälle und Starkregen für massive Gefahren.

Es ist unglaublich, welche Kraft das Wetter derzeit in südlich der Alpen entfaltet. Italien und Österreich kämpfen mit starken Regen- und Schneefällen. Lawinen, Murenabgänge und Überschwemmungen sind die Folgen.

Wir in Bayern hatten bisher riesiges Glück, dass die großen Tiefs nicht weiter östlich gezogen sind. Sonst hätten wir bei uns ein Hochwasser wie 2013 bekommen können. Die Alpen haben uns vor den unglaublichen Niederschlagsmengen geschützt. Die Wetterlage an der Nordseite der Alpen ist verhältnismäßig ruhig. Die Alpen funktionierten wie eine Barriere, da die Luft in diesen Tagen aus dem Süden in Richtung Berge ströme, heißt es vom Deutschen Wetterdienst.

Trotz der heftigen Wetterturbulenzen bei unseren Nachbarn müssen wir uns im Freistaat nicht auf Unwetter oder Hochwasser einstellen. Diese Woche erwartet uns ruhiges November-Wetter, aber wir haben oft eine graue Dümpelwetterlage mit Nebel, Hochnebel. Teilweise kommt die Sonne raus, besonders in höheren Lagen. Ab Freitag (22.11.) wird es wahrscheinlich von Süden her schöner, durch Föhn. Da nicht mehr mit Niederschlägen zu rechnen ist, wird es auch keinen Wintereinbruch geben.

Österreich

Wegen heftiger Schnee- und Regenfälle spitzt sich die Lage in den österreichischen Bundesländern Kärnten und Tirol zu. Einige Orte waren von der Außenwelt abgeschnitten, unter anderem in Kärnten das Lesachtal, das Mölltal und die Gemeinde Heiligenblut. Die Einwohner wurden aufgerufen, ihre Häuser nicht zu verlassen. Mehrere Gebäude wurden evakuiert. In Osttirol bleiben die Schulen am Montag wegen der höchsten Lawinen- und Wetterwarnstufe geschlossen.

Schlammlawine reist Häuser ein

In der Gemeinde Bad Gastein im Bundesland Salzburg ging in der Nacht zu Montag (18.11.) eine Schlammlawine auf zwei Wohnhäuser nieder, wie die Nachrichtenagentur APA berichtet. Zwei Menschen konnten gerettet werden.

Foto: Feuerwehr Bad Gastein/APA/dpa
Foto: Feuerwehr Bad Gastein/APA/dpa
Murenabgänge und Lawinen in Osttirol

Darüber hinaus kam es auch in anderen Teilen des Landes am Wochenende zu Muren- und Lawinenabgängen, die zu Stromausfällen geführt haben. Zahlreiche Straßen mussten aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Am Sonntag kam es zu einem Lawinenabgang in Prägraten in Osttirol, bei dem glücklicherweise niemand verletzt wurde.

Foto: Daniel Liebl/Zeitungsfoto.at/APA/dpa Die Stubaitalstraße ist nach
einem Lawinenabgang gesperrt.

Ebenfalls am Sonntag erfasste eine Lawine nahe der Talstation des Stubaier Gletschers ein Auto. Die sechs Menschen im Wagen blieben unverletzt.

Vor allem in Osttirol und in Teilen Kärntens hat es seit Mittwochfrüh immer wieder viel geschneit und geregnet. In Osttirol war in der Nacht auf Samstag zeitweise in allen Haushalten der Strom ausgefallen. 

Am Sonntagmittag waren weiter rund 2.000 Haushalte in dieser Region ohne Stromversorgung, weil die schweren Niederschläge laufend zu Baumstürzen und Seilrissen führten, wie der örtliche Stromversorger mitteilte.

Jahrhunderthochwasser in Kärnten

In Kärnten kam es in der Nacht auf Samstag zu Hangrutschungen, Muren und Felsstürzen. Die Bahn verkehrte auf einigen Strecken aufgrund der starken Schneefälle, der Probleme bei der Stromversorgung sowie wegen umgestürzter Bäume zeitweise nur eingeschränkt. Im Bezirk Murau in der Steiermark mussten am Sonntagnachmittag einige Wohnhäuser evakuiert werden, weil ein Hangrutsch drohte. Betroffen waren 30 Personen.

Foto: Daniel Raunig/APA/dpa Nach starken Regenfällen im Süden Österreichs kam es zu Überschwemmungen rund um den Faaker See.

Es traten auch mehrere Seen über die Ufer. Der bei Villach gelegene Faaker See führte am späten Sonntagabend ein Hochwasser, wie es statistisch nur alle 100 Jahre vorkommt. Seit der Nacht auf Samstag war der Pegel um rund 40 Zentimeter auf nun 140 Zentimeter angestiegen. In Lavamünd wird die Spitze des Hochwassers erst am Montag erwartet. Dort wurde ein mobiler Hochwasserschutz errichtet, der Ortskern ist gesperrt.

Italien

Foto: Rene Holzknecht/Gemeinde Martell/dpa Unwetter sind über große Teile Italiens hinweggezogen. In Südtirol traf eine Lawine traf das Dorf Martell.
Schneechaos in Südtirol

Auch in Südtirol in Italien wurden zahlreiche Straßen gesperrt, rund 12.500 Haushalte hatten keinen Strom. Das Mobilfunknetz war ebenfalls teilweise ausgefallen. Im Südtiroler Martelltal ist eine Lawine abgegangen und hatte zwei Häuser teilweise beschädigt. Ein Video eines Facebook-Users zeigen das drastische Ausmaß.

Die Schneemassen hätten sich durch die Straßen gedrückt, sagte der Bürgermeister Georg Altstätter. „Die Lage ist prekär.“ Möglich sei, dass sich weitere Lawinen lösen. Das Dorf mit rund 900 Einwohnern sei von der Außenwelt abgeschnitten.

Venedig wieder überflutet

Venedig ist zum dritten Mal innerhalb einer Woche überflutet worden. Am Sonntag sei das Wasser auf 150 Zentimenter über den normalen Meeresspiegel gestiegen, erklärte Bürgermeister Luigi Brugnaro. Damit waren rund 70 Prozent der Unesco-Welterbestadt unter Wasser.

Der Markusplatz als tiefster Punkt der Stadt wurde erneut geflutet und aus Sicherheitsgründen gesperrt. Städtische Museen sind geschlossen. Der öffentliche Verkehr ist stark eingeschränkt.

Nun ist glücklicherweise etwas Entspannung in Sicht. Für die kommenden Tage werden niedrigere Wasserstände erwartet, teilte die Kommune am Sonntagabend mit.

Foto: Claudio Furlan/LaPresse via ZUMA Press/dpa Der Markusplatz in Venedig, seit Tagen unter Wasser.

Am Dienstag (12.11.) hatte die höchste Flut seit mehr als 50 Jahren verheerende Schäden in Venedig angerichtet und Kulturschätze zerstört. Fast jede zweite Kirche wurde beschädigt. Das Wasser war getrieben von starkem Wind auf bis zu 187 Zentimeter über den normalen Meeresspiegel gestiegen.

Bologna, Florenz, Rom: Unwetter lassen nichts aus

Auch im Süden Italiens war Alarm angesagt. Über Rom fegte in der Nacht auf Sonntag ein Sturm. Zahlreiche Bäume kippten um. In Florenz stieg der Fluss Arno bedrohlich. Auch in anderen Gegenden der Toskana herrschte Angst. In Grosseto wurden Dächer abgedeckt, wie die Feuerwehr mitteilte. Menschen mussten mit Motor-Schlauchbooten gerettet werden, wie ein Video der italienischen Feuerwehr auf Twitter zeigt. Bei Bologna in Budrio drohte ein Deich zu brechen.