06.06.2019 | Musik ANTENNE BAYERN Programmdirektorin Ina Tenz zum Sarah Connor Song „Vincent“

Für ANTENNE BAYERN ist dies keine Debatte um Homophobie oder Kleinkariertheit. Das klarzustellen ist mir als Programmdirektorin besonders wichtig. Wir alle sind der Meinung, dass es in der heutigen Zeit kein Thema mehr sein darf, wer wen liebt und wer wie durchs Leben geht.

Wir erziehen unseren Sohn maximal tolerant und er wächst in einem Umfeld auf, in dem er nicht einen Gedanken daran verschwendet, dass es irgendwas nicht „normal“ ist.

Uns geht es hier ausschließlich um die Sprachwahl beim Einstiegssatz „Vincent kriegt keinen hoch“. Uns hören Familien mit kleinen Kindern am Frühstückstisch, auf dem Weg zur Schule, dem Kindergarten oder zum Sport. Wir sehen es als unsere Verantwortung an, Eltern selbst die Entscheidung zu überlassen, wann, wo und vor allem wie sie mit ihren Kindern über aufklärenden Themen sprechen.

Foto: ANTENNE BAYERN Programmdirektorin Ina Tenz

Wir wollen nicht, dass der Song bei uns im Radio läuft und sich dann unsere Hörer unvorbereitet der Frage des eigenen Kindes stellen müssen: Mama, was bedeutet einen hoch kriegen?

Wir hätten keine Diskussion, wäre der Einstieg zum Beispiel „Vincent hat keinen Bock, wenn er an Mädchen denkt“. Da Sarah Connor aber bewusst den Begriff „hoch kriegen“ wählt, geht es ihr sicher auch um das Kalkül dieser Debatte. Als Sender mit einer erwachseneren Zielgruppe machen wir uns Gedanken darüber, wie wir mit Sprache umgehen – und ob alles, was direkt und in diesem Fall auch kalkuliert für PR-Zwecke genutzt wird, von uns gedankenlos mitgetragen werden muss. Gerade weil wir den Song für inhaltlich richtig und wichtig halten und das Gesamtwerk mitsamt Aussage im Programm von ANTENNE BAYERN unterstützen möchten, sind wir im direkten Austausch mit der Künstlerin und dem Management über Lösungsmöglichkeiten.