Dean Martin

Dean Martin (* 7. Juni 1917 als Dino Crocetti in Steubenville, Ohio; † 25. Dezember 1995 in Beverly Hills, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Sänger, Schauspieler und Entertainer italienischer Abstammung. International bekannt wurde Martin nach dem Zweiten Weltkrieg durch seine zehnjährige Zusammenarbeit mit dem Komiker Jerry Lewis. Nach der Auflösung von Martin & Lewis etablierte sich Martin als Solokünstler auf der Bühne, auf der Leinwand und im Fernsehen. Er trat bis 1991 regelmäßig in Las Vegas auf, sang Welthits wie Memories Are Made of This und Everybody Loves Somebody (Sometime) und drehte über 50 Spielfilme, darunter Rio Bravo und Küss mich, Dummkopf. Ein Jahrzehnt lang präsentierte er im Fernsehen die Dean Martin Show, die ihn seinerzeit zum bestbezahlten Entertainer der Welt machte. Zusammen mit Frank Sinatra, Sammy Davis jr. und einigen anderen Künstlern wurde er in den 1960er Jahren dem sogenannten Rat Pack zugerechnet. Wegen seiner entspannten Auftritte galt er als King of Cool.

Biografie

Kindheit und frühe Jahre

Martins Vater war der im italienischen Montesilvano geborene Landarbeiter Gaetano Crocetti (1894–1967), der 1913, wie schon einige Jahre zuvor sein Bruder, in die USA ausgewandert war. Gaetano Crocetti, der sich ab 1914 Guy nannte, ließ sich in der Industriestadt Steubenville im amerikanischen Rust Belt (Rostgürtel) nieder und eröffnete einen Friseursalon. Martins Mutter war die in Ohio geborene italienischstämmige Angela „Angelina“ Barr, geb. Barra (1897–1966). Sie heirateten im Oktober 1914. Eineinhalb Jahre später wurde mit Guglielmo (später William oder Bill genannt; 1916–1968) ihr erstes Kind geboren, ein weiteres Jahr später kam am 7. Juni 1917 Dino als zweiter Sohn verfrüht zur Welt.

Dino sprach nach eigenen Angaben bis zu seinem fünften Lebensjahr nur Italienisch; er selbst bezeichnete das rückblickend als einen „Abruzzendialekt“. Er tat sich in der Schule mit dem als zweite Sprache gelernten Englisch zunächst schwer und verließ die Wells High School, die er zuvor nur noch unregelmäßig besucht hatte, schon nach der zehnten Klasse. Die Schwierigkeiten mit der englischen Sprache hielten an, bis er in den frühen 1940er-Jahren von seiner ersten Ehefrau „Betty“ Sprachunterricht erhielt.

Als Teenager ging Martin unterschiedlichen Jobs nach. Unter anderem war er Arbeiter in einem der Stahlwerke Steubenvilles, Milchmann und Verkäufer in einem Supermarkt. Vorübergehend trat er unter dem Namen „Kid Crochet“ als Preisboxer im Weltergewicht an. Wiederholt kam Martin auch mit der Cosa Nostra, der örtlichen Erscheinungsform der organisierten Kriminalität, in Kontakt. Während der Prohibition half er beim Alkoholschmuggel, und ab 1936 arbeitete er als Dealer (Croupier) in einem illegalen Spielcasino seiner Heimatstadt. Er sang am Croupiertisch öfter laut vor sich hin und wurde von Freunden auf die Idee gebracht, mit dem Singen Geld zu verdienen.

Nach einigen Amateurauftritten in den 1930er-Jahren begann im Herbst 1939 Martins Karriere als professioneller Entertainer. Sie endete nach 52 Jahren mit seinem letzten Bühnenauftritt in Las Vegas.

DinoDeanCrocettiMartiniMartin: Namenswechsel

Martins Taufname lautete Dino Crocetti; einen zweiten Vornamen hatte er zunächst nicht. Erst anlässlich seiner Erstkommunion im Jahr 1928 erhielt er den zweiten Vornamen Paul, mit dem ihn sein späterer Bühnenpartner Jerry Lewis bevorzugt ansprach.

In den ersten Jahren seiner Künstlerkarriere trat Martin unter seinem Geburtsnamen Dino Crocetti auf. Vor einem Engagement in Cleveland gab ihm der Bandleader Ernie McKay im November 1939 den Künstlernamen Dino Martini, der nicht – wie gelegentlich angedeutet – an den gleichnamigen Cocktail, sondern an den seinerzeit populären italienischen Operntenor Nino Martini erinnern sollte. Im November des folgenden Jahres wurde daraus auf Betreiben des Bandleaders Samuel „Sammy“ Watkins die amerikanisierte Version Dean Martin, die er bereits vor der Geburt seines ersten Kindes 1942 auch amtlich zu seinem Namen machte.

Familie

Dean Martin war dreimal verheiratet und hatte sieben leibliche Kinder, von denen fünf zumindest zeitweise ebenfalls im Showgeschäft Fuß fassten. Zu seiner Familie gehörte außerdem der Schauspieler und Entertainer Leonard „Bananas“ Barr. Er war der jüngere Bruder von Martins Mutter.

Ehen und Partnerschaften

Dean Martins erste Ehefrau war Elizabeth Anne „Betty“ Martin, geb. McDonald (* 1923; † 1989). Die 1941 geschlossene Ehe wurde 1949 geschieden. Zwei Tage nach der Scheidung heiratete Martin die in Florida geborene Dorothy Jane „Jeanne“ (auch: „Jeannie“) Biegger (* 27. März 1927; † 24. August 2016). Sie lebten in den 1950er Jahren mehrfach für kurze Phasen in Trennung, 1973 ließen sie sich scheiden. Während der Ehe mit Jeanne hatte Martin zahlreiche Affären, unter anderem mit Pier Angeli, später auch mit der Schönheitskönigin Gail Renshaw, der Schauspielerin Phyllis Davis sowie Bing Crosbys Schwiegertochter Peggy Crosby. 1973 ging Martin die Ehe mit Catherine „Kathy“ Hawn ein, die drei Jahre später geschieden wurde. Seit den 1980er Jahren lebte Martin wieder mit seiner zweiten Frau Jeanne zusammen, ohne allerdings nochmals formell die Ehe zu schließen. Jeanne Martin starb 89-jährig im August 2016, zwei Wochen nach ihrem Sohn Ricci.

Kinder

Aus der Ehe mit Betty gingen vier Kinder hervor:

  • Stephen Craig (* 1942),
  • Claudia (* 16. März 1944; † 16. Februar 2001); sie spielte seit ihrer Kindheit in zahlreichen Fernsehserien und gelegentlich auch in Spielfilmen mit.
  • Barbara Gail (* 1945) und
  • Deana (* 1948 als Dina Martin); sie ist seit den späten 1960er Jahren als Sängerin und Entertainerin tätig.

Mit seiner zweiten Ehefrau Jeanne hatte Martin drei Kinder:

  • Dean Paul (* 17. November 1951; † 21. März 1987); er gründete Mitte der 1960er Jahre die Beatband Dino, Desi & Billy und trat später als Schauspieler auf. Er galt als Martins Lieblingssohn und starb 1987 bei einem Flugzeugabsturz.
  • Ricci James (* 20. September 1953; † 6. August 2016); er war Musikproduzent und Entertainer, auch Koproduzent der letzten drei Studioalben seines Vaters und verfasste 2002 eine Biografie über ihn.
  • Gina (* 1956).

1957 erhielt Martin das alleinige Sorgerecht für die vier Kinder aus seiner ersten Ehe, das bis dahin deren Mutter Betty gehabt hatte. Ab 1957 lebten sie in einem gemeinsamen Haushalt mit seiner zweiten Familie in Beverly Hills. Martin versuchte den Kontakt der Kinder zu Betty zu unterbinden, die in den 1950er Jahren eine schwere Alkoholabhängigkeit entwickelt hatte.

Schließlich brachte Kathy Hawn aus einer früheren Beziehung eine Tochter mit in die Ehe, die von Martin adoptiert wurde.

Persönliches

Ungeachtet seines jovialen Auftretens in der Öffentlichkeit galt Martin persönlich als extrem verschlossen. Schon als Kind zog er sich oft zurück. Spätere Weggefährten und die Mitglieder seiner Familie berichteten übereinstimmend, dass er „sich selbst genug“ und an Kommunikation nicht interessiert gewesen sei; seine persönlichen Gedanken habe er auch in privatem Umfeld nicht geäußert. Ein Biograf bezeichnete ihn als Incommunicado. Jerry Lewis sprach von einer Mauer, die Martin um sein Inneres errichtet habe. Die Einladung eines Filmproduzenten, sich bei einem gemeinsamen Essen näher kennenzulernen, lehnte Martin ab: „Mich lernt niemand kennen.“ Martins Ehefrau Jeanne beklagte, dass es auch ihr nicht gelungen sei, hinter seine Fassade zu dringen: „Ich kenne ihn nicht.“ Er sei „entweder der komplizierteste Mensch der Welt oder der einfachste.“ Martins Biograf Nick Tosches führt diese Entrücktheit (ital. lontananza) auf uralte italienische Verhaltensmuster zurück, die Martin als Teenager in Steubenville bei seinen Kontakten mit Mitgliedern der organisierten Kriminalität erlebt und übernommen habe.

Martin war „kein Mensch, der gerne mit anderen zusammen war“ (Daniel Mann); er habe immer alleine sein wollen (Jerry Lewis). Enge Freunde hatte Martin nicht. Das intensivste Vertrauensverhältnis bestand zu Mack „Killer“ Gray, einem ehemaligen Boxmanager und Gelegenheitsschauspieler, der ab 1952 fast 30 Jahre lang sein Assistent und Faktotum war. Daneben waren auch der Texter Sammy Cahn, der Schauspieler Stewart Granger sowie Frank Sinatra zu Martins engerem Umfeld zu rechnen, wobei die letztgenannte Beziehung jedenfalls bis 1988 vornehmlich durch Sinatra am Leben gehalten wurde.

Sympathie empfand Martin besonders für gebrochene Charaktere; seine Tochter Deana spricht insoweit von „Underdogs.“ Zu Marilyn Monroe, mit der er 1962 an dem – nicht vollendeten – Film Something’s Got to Give arbeitete, fühlte er sich ungeachtet professioneller Differenzen persönlich hingezogen. Er bezeichnete sie nach ihrem Tod als „wunderbares Mädchen“ und weigerte sich, Kommentare zu ihrem Lebensstil abzugeben oder sich an Spekulationen über die Ursachen ihres Todes zu beteiligen. Den psychisch labilen und medikamentenabhängigen Schauspieler Montgomery Clift, der Martin seinerseits bewunderte, unterstützte er in seinen schwierigen Lebensphasen. Als Clift wegen seiner Homosexualität und seiner labilen Gesundheit Gegenstand kritischer Berichterstattung geworden war, zeigte sich Martin wiederholt in dessen Gesellschaft, um öffentlich seine Solidarität mit ihm zu demonstrieren.

Martin war bereits seit den 1930er-Jahren passionierter Golfspieler. Wann immer er konnte, zog er sich auf einen Golfplatz zurück. Bei den Dreharbeiten zu seinen Filmen ließ er sich am Set vielfach eine provisorische Driving Range aufbauen, auf der er in den Drehpausen Schläge übte. In späteren Jahren entwickelte sich Martin zu einem Automobilliebhaber, der vor allem amerikanische und italienische Sportwagen sammelte. Zu den exklusiven Exponaten seiner Sammlung gehörte ein in nur wenigen Exemplaren hergestellter Dual-Ghia, den er auch als Requisit in dem Spielfilm Küss mich, Dummkopf nutzte.

Krankheit und Tod

Mack Gray hatte Martin in den 1950er Jahren an das Schmerz- und Betäubungsmittel Percodan herangeführt. Spätestens seit den 1970er Jahren war Martin – ebenso wie Jerry Lewis und Gray selbst – von dem Präparat abhängig; hinzu kamen ab dem Ende des Jahrzehnts Alkoholprobleme. 1990 unternahm er einen Entzugsversuch.

Mit Beginn der 1980er Jahre ließ der Gesundheitszustand Martins wahrnehmbar nach. Er hatte zunehmend Schwierigkeiten, sich Texte zu merken. Der Unfalltod seines Sohnes Dean Paul im Jahr 1987 löste bei Martin eine anhaltende Depression aus, die sich unter anderem in einer verstärkten Gleichgültigkeit sich und der Umwelt gegenüber ausdrückte. Jerry Lewis war der Ansicht, der Tod seines Sohnes habe Martin seinen Lebenswillen genommen („That was the day he died“). Die von Sinatra angestoßene Together Again Tour des Jahres 1988 war ein erfolgloser Versuch, Martin aus seiner Lethargie zu lösen. Zwar hatte er in den folgenden Jahren noch einige Auftritte in Las Vegas; sie waren aber kurz und zeigten zuletzt „einen Dean Martin, der sich kaum noch auf den Beinen halten konnte.“ Seine Apathie verstärkte sich noch nach dem Tod von Sammy Davis Jr. im Frühjahr 1990. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde bei Martin die Alzheimer-Krankheit diagnostiziert, im September 1993 zudem Lungenkrebs.

Dean Martin starb am 25. Dezember 1995 im Alter von 78 Jahren an den Folgen seiner Krebserkrankung. Am Tag seines Todes wurden die Straßen und Gebäude in Las Vegas für zehn Minuten verdunkelt. Martin wurde am 28. Dezember 1995 auf dem Pierce Bros. Westwood Village Memorial Park Cemetery in Los Angeles beigesetzt.

Quelle: Wikipedia.org