James Last

James Last (* 17. April 1929 in Bremen als Hans Last; † 9. Juni 2015 in West Palm Beach, Florida, Vereinigte Staaten) war ein deutscher Bandleader, Komponist, Arrangeur und Musikproduzent. Er prägte mit seinem 40-köpfigen Orchester den zur Stilrichtung des Easy Listening gehörenden „Happy Sound“, mit dem er ab 1965 rund zwei Jahrzehnte lang einen so großen Erfolg hatte, dass er zeitweise für nahezu 30 Prozent der Schallplattenverkäufe von Polydor Deutschland sorgte.

Als Hans Last (bis 1965)

Kindheit und Elternhaus

Hans Last wurde in der Helmholtzstraße 33 in Bremen-Sebaldsbrück geboren, wo die Familie gerade ihr eigenes Haus fertigstellte.

Der Vater Louis Last (1889–1972) war in jungen Jahren Seemann und wurde anschließend Beamter bei den Bremer Stadtwerken. Er hatte mit Bernhard, Fred und Minna drei Kinder von seiner in jungen Jahren verstorbenen ersten Frau mit in die zweite Ehe gebracht. Seine größte Leidenschaft war die Musik; so fuhr er mit einem Fahrradanhänger, in dem er Bandoneon und Schlagzeug transportierte, zu Veranstaltungen, um für 4 Reichsmark einen ganzen Abend lang zu spielen.

Die Mutter Martha Last kam aus einer nicht sonderlich musikalischen Familie. Sie gebar mit Robert, Werner und dem jüngsten Kind Hans drei Kinder.

Im Gegensatz zu seinen Halbgeschwistern waren Hans’ Brüder Robert und Werner ebenfalls sehr musikalisch, Robert spielte Posaune und Werner Saxophon. Im Hause Last gab es außerdem ein altes mechanisches Piano mit herausgenommener Walze, auf dem Hans seine ersten musikalischen Versuche unternahm.

Heeresmusikschule Bückeburg

Da 1943 kriegsbedingt bereits alle zivilen Ausbildungsstätten geschlossen waren, bestand nur eine Möglichkeit, Musiker zu werden, und zwar bei der Wehrmacht. So begann Last in diesem Jahr eine Ausbildung bei der Heeresmusikschule in Frankfurt am Main. Er wollte am liebsten Klarinette erlernen, aber man hatte das Fagott für ihn ausgesucht. Als zweites Instrument kam der Kontrabass hinzu. Das Fagott verband Last nur mit dem Barock, es war in seinen Augen nur für die Musik einer längst vergangenen Zeit geeignet, was ihm nicht zusagte. Bevor die Ausbildung begann, wurden die Schulgebäude durch einen Luftangriff zerstört. Last wurde daraufhin zur Heeresmusikschule Bückeburg versetzt.

In Bückeburg wusste man nicht, wer welches Instrument lernen sollte, und so konnte Last als erstes Instrument den Kontrabass bekommen. Die von ihm gewünschte Kombination mit der Klarinette gestattete man aber nicht, zum Bass gehörte immer die Tuba als zweites Instrument. Das Spielen der Tuba fiel Last leicht. Am Bass gefiel ihm, dass er sich in einem Tanzorchester prima mit Schlagzeug und Akkordeon zusammen spielen ließ, den Instrumenten seiner Brüder. Zum Unterricht gehörte auch das Klavierspiel. Es wurden scheinbar endlose vorgelegte Noten eingeübt. Das freie Spiel hatte ebenso wenig Bedeutung wie Unterhaltungsmusik, neben Klassik gab es nur Marschmusik.

Die Schule wurde im April 1945 geschlossen, woraufhin die Ausbildungszeit vorzeitig endete. Regulär wäre Last mit 23 Jahren Opernkapellmeister geworden. Alle Schüler, die vor dem 1. April 1929 geboren waren, wurden für die letzten Wochen des Krieges noch eingezogen. Hans Last konnte von Minden aus in einem Güterzug nach Bremen fahren. Er ging durch eine völlig zerstörte Stadt zu seinem Geburtshaus, das er intakt vorfand.

Als Musiker in Bremen

Amerikanische Clubs

Im Juni 1945 wurde Last Berufsmusiker, er spielte auf Bitten US-amerikanischer Besatzungssoldaten in deren Bremer Clubs zunächst Klavier, bis man einen Kontrabass für ihn beschlagnahmte. In dieser Zeit entstand auch Lasts erstes Arrangement, eine Begleitmusik für den Film The Hunters.

Radio Bremen

Last schien das Spielen bei den US-Amerikanern von Anfang an kein zukunftssicherer Arbeitsplatz, sondern nur etwas für den Übergang zu sein. So wurde er Bassist des Tanzorchesters von Radio Bremen und war dabei, als der Sendebetrieb am 23. Dezember 1945 startete. Im Mai 1947 fand der Name Hans Last erstmals in der Presse Erwähnung, in einer Kritik des Weser-Kuriers über das Orchester. Neben dem großen Tanzorchester existierte eine kleine Besetzung, das Last-Becker Ensemble, das bis auf 13 Mann anwuchs und auf zahlreichen Bunten Abenden spielte.

Jazz

Neben Tanzmusik spielte Hans Last Jazz. Sein großes Vorbild war der Bassist Chubby Jackson. Später kam noch der junge Däne Niels-Henning Ørsted Pedersen hinzu, zu dieser Zeit war Last aber schon hauptsächlich als Orchesterleiter tätig und griff nur noch gelegentlich zum Bass. Um 1950 spielten Hans und Robert Last für einige Zeit im Andras-Hartmann-Trio, dessen Aufnahmen auch der Rundfunk ausstrahlte. Last gewann 1950 und in den beiden folgenden Jahren die Wahl des seinerzeit populären Herrenmagazins Die Gondel zum besten Jazzbassisten.

Auf dem ersten Deutschen Jazzfestival 1953 in Frankfurt am Main bildete man aus den besten Spielern die German All Stars mit Paul Kuhn am Piano, Max Greger am Tenorsaxophon, Günter Fuhlisch an der Posaune, Fred Bunge an der Trompete, Franz von Klenk am Altsaxophon, Gerhard Hühns an der Gitarre, Teddy Paris am Schlagzeug und Hans Last am Bass. Das Konzert erschien bei Telefunken als Langspielplatte und wurde von den Kritikern speziell wegen der exzellenten Rhythmusgruppe gelobt.

Hans Last Orchester

Auch im Bereich der Tanzmusik war Last erfolgreich. Er schrieb Arrangements sowohl für das Last Becker Ensemble als auch für das große Tanzorchester von Radio Bremen. Er wurde daraufhin gebeten, für Radio Bremen ein Streichorchester zu gründen. So kam es zum Hans Last Orchester. Man spielte zwei Mal in der Woche gegen Honorar live oder für Aufnahmen im Rundfunk. Das Orchester arbeitete bereits mit einem Tonbandgerät, mit dem jede Stimme einzeln mit allen Violinen viermal aufgenommen wurde. Dann spielte das Orchester zu den Aufnahmen, sodass die wenigen Streicher, nämlich acht Violinen, zwei Bratschen und zwei Celli, um ein Vielfaches imposanter erklangen. Vorbild war der italienische Orchesterleiter Annunzio Mantovani. Last hatte einen freien Mitarbeitervertrag, Radio Bremen als kleine Sendestation mit wenigen Hörern konnte jedoch nicht viel zahlen. Deswegen gab er die leitende Stellung wieder auf und ging als Orchestermusiker nach Hamburg.

In Hamburg

NWDR-Tanzorchester

Im Jahr 1955 heirateten Hans und Waltraud Last. Das Ehepaar zog nach Hamburg-Langenhorn. Anlass war eine Anstellung als Bassist im NWDR-Tanzorchester, zunächst als freier, ab dem 15. Januar 1956 als fester Mitarbeiter des NDR. Das Tanzorchester leitete bis 1980 der Saxophonist und Klarinettist Franz Thon. Es begleitete häufig die Gesangsstars jener Zeit, etwa Vico Torriani, Bibi Johns oder Peter Alexander. Die Erfahrungen mit den Sängern konnte Last später als Produzent nutzen. Last schuf auch Arrangements, etwa für Franz Thon und Alfred Hause. Während er bei Radio Bremen 75 DM für ein Arrangement erhalten hatte, waren es in Hamburg 150 DM, später für ein großes Arrangement manchmal auch schon 450 DM.

E-Bass

In dieser Zeit spielte Last zwar noch hauptsächlich einen akustischen Bass, hatte aber als einer der ersten Musiker Deutschlands bereits einen E-Bass. Es war das Modell EB-1 der Gibson Guitar Corporation.

Helmut Zacharias, Harry Hermann und Michael Jary

Für Helmut Zacharias, der vom Jazz zur populären Unterhaltungsmusik gewechselt war, schuf Last ebenfalls Arrangements. Er war auch eine Zeit lang mit ihm in Europa unterwegs. Zacharias tourte zwar mit einem großen Orchester, verstärkte aber dennoch den Bass: Last nahm sämtliche Titel vorab nachts in der Hamburger Musikhalle auf. Im Konzert hatte er einen Kopfhörer auf und doppelte seine eigene Aufnahme, wobei das Tonbandgerät deutlich sichtbar auf der Bühne stand.

Das größte Hamburger Orchester leitete Harry Hermann, es bestand aus dem Tanz- und dem Rundfunkorchester des NDR. Hermann war zuvor Bratschist bei den Wiener Philharmonikern gewesen, entsprechend üppig sahen seine Klangvorstellungen aus. So begeisterten ihn die Tonbandaufnahmen sehr, die ihm Last aus seiner Bremer Zeit vorstellte. Er konnte kaum glauben, dass sie mit so wenigen Instrumenten erzeugt worden waren. Daraufhin durfte Last für ihn als Arrangeur arbeiten und genoss dabei große Freiheiten, Schallplatten-Produzenten interessierten sich jedoch nicht dafür.

Für Michael Jary arbeitete Last ebenfalls. Mit ihm fuhr er zu den Premieren des Films Wie werde ich Filmstar mit Nadja Tiller und Theo Lingen. Jary hatte die Musik für den Film geschrieben und deshalb fuhr Last mit zu den großen Lichtspielhäusern des Landes. Filmpremieren fanden damals an unterschiedlichen Tagen in den großen Städten statt, dabei bestand das Vorprogramm aus der Darbietung einiger Musikstücke aus dem Film.

Umzug und Familiengründung

Die Festanstellung erlaubte es Last, in eine größere Wohnung im Stadtteil Uhlenhorst umzuziehen und eine Familie zu gründen. 1957 wurde Tochter Caterina geboren, 1958 Sohn Ron. 1960 folgte der Kauf eines Reihenhauses in Hamburg-Langenhorn. Im Keller des Hauses richtete Last einen eigenen Arbeitsraum ein. Das ausgedehnte Partyleben in der Wohnsiedlung am Holitzberg inspirierte Last zu Non Stop Dancing.

Weitere Auftragsarbeiten als Arrangeur

Harry Hermann bat Last um ein Arrangement zum Thema Alaska anlässlich dessen Beitritts zu den USA im Jahr 1959. Ausgangspunkt waren 16 Takte von Lotar Olias, dem Komponisten Freddy Quinns. Das Werk wurde unter dem Namen „Olias“ veröffentlicht. Last bekam auf Nachfrage nachträglich noch 1000 DM und die Zusage für weitere Arbeiten. Er arrangierte zahlreiche Titel, darunter Die Gitarre und das Meer, Heimweh nach St. Pauli und den großen Erfolg Junge, komm bald wieder. Der Erfolg sprach sich schnell herum, so fragten unter anderen Lale Andersen, Fred Bertelmann, Margot Eskens, Brenda Lee, Wencke Myhre (siehe Album Wencke Myhre), Lolita, Caterina Valente und Hanne Wieder nach Arrangements von Last.

Erste Schallplatten

Aus den vielen Arrangements ergaben sich Kontakte zu der Schallplattenfirma Polydor, die unweit des NDR-Funkhauses residierte. Das führte zu den ersten Schallplattenaufnahmen unter Lasts eigenem Namen. Zwei Langspielplatten hießen Die gab’s nur einmal (1963) bzw. Die gab’s nur einmal Folge 2 (1964). Die Platten enthielten als Potpourri Schlager der 1940er und 1950er Jahre und nannten als Interpreten Hans Last und die Rosenkavaliere. Eine weitere LP, 1963 unter dem Namen Orlando veröffentlicht, hieß Musikalische Liebesträume. Diesmal handelte es sich um mitunter auch klassische Kompositionen mit bereits abgelaufenen Rechten, was Last höhere Tantiemen einbrachte. Songs für Mündige (1965) war eine von zwei Kabarettplatten mit frivolen Liedern und Moritaten, komponiert von Lotar Olias mit Texten von Fritz Graßhoff, vorgetragen, u. A., von Ernst Stankovski, Edith Hancke, Inge Meysel, Gustav Knuth, Mal Sondock und Hanne Wieder. Last schrieb die Arrangements und begleitete mit dem Orchester Hans Last. Den Platten war aber kein großer Erfolg beschieden.

Quelle: Wikipedia.org