20.10.2022 | Bayern Briefechaos in Bayern: Zustellung nur noch jeden zweiten Tag

Liegengebliebene oder zu spät zugestellte Briefe in Bayern. Teilweise kommt keine Post mehr an und die Beschwerden häufen sich. Doch woran liegt das?

Foto: Oliver Berg/dpa

In ganz Deutschland und besonders auch bei uns in Bayern gibt’s seit Wochen Probleme bei der Post. Die Beschwerden häufen sich, denn Briefe und Pakete kommen oft erst Tage später an - Wenn überhaupt. Manchmal klingelt der Briefträger tageweise gar nicht.

Viele Krankheitsfälle

Neben dem allgemeinen Personalmangel habe die Post mit einem ungewöhnlich hohen Krankenstand zu kämpfen, sagt Sprecherin Jasmin Derflinger. Man bemühe sich zwar gerade mit Rekrutierungsmaßnahmen schnell neue Zusteller zu finden. Dennoch müsse an einzelnen Standorten vorübergehend das so genannte Corona-Notfallkonzept angewandt werden. Das heißt: Der Postmann kommt dort nur noch alle zwei Tage. Im Landkreis Nürnberger Land und im Raum Forchheim mussten Postkunden teilweise bis zu 14 Tagen auf Sendungen warten, die dann alle auf einmal geliefert wurden. Die Dienstpläne der Zusteller werden laufend überarbeitet

Zahl der Beschwerden steigt deutlich

Mitte September hatte der Bonner Konzern von "Unregelmäßigkeiten bei der Zustellung" in den Sommermonaten Juli und August gesprochen und dies mit einem coronabedingt hohen Krankenstand und mit dem Fachkräftemangel begründet. Eine Firmensprecherin sagte damals, dass die betriebliche Lage inzwischen "wieder stabil" sei. Die nun vorliegenden September-Zahlen lassen aber die Vermutung zu, dass die Probleme bei der Briefbeförderung noch immer nicht behoben sind. Zu dem September-Beschwerdelevel, das wesentlich höher ist als im Juli und August, wollte sich die Post auf Anfrage nicht äußern.

Kritik aus der Politik

Angesichts der hohen Beschwerdezahl kam aus der Politik Kritik an der Post. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Reinhard Houben forderte die Firma auf, das Problem endlich entschlossen anzugehen

"Die Personaldecke ist offensichtlich viel zu dünn, das muss die Post dringend ändern und sie muss möglichst schnell mehr Mitarbeiter einstellen", 

sagte der Liberale.

Etwa eine Milliarde Briefsendungen werden jeden Monat in Deutschland verschickt. Setzt man diese Menge ins Verhältnis zu den aktuellen Beschwerden, so ist deren Zahl verschwindend gering. Die deutliche Zunahme kann aber durchaus als Indikator verstanden werden, dass etwas im Argen liegt. Zumal sich vermutlich nur ein kleiner Teil von den Menschen, die sehr lange oder sogar vergeblich auf einen Brief warten, die Mühe macht, sich bei der Bundesnetzagentur zu melden.

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