08.03.2021 | Bayern Frust wächst: Warum müssen Tattoostudios, Massagesalons & Solarien zu bleiben?

Der Frust ist riesengroß! Friseure und Nagelstudios dürfen öffnen - Massagesalons, Solarien und Tattoostudios müssen in Bayern aber weiter zu bleiben. Wie so oft geht der Freistaat als einziges Bundesland einen Sonderweg. Wirklich nachvollziehbar sind die Gründe nicht...

Keine Bräunung, keine Massagen & keine Tattoos - das sieht der bayerische Kurs vorerst vor...

Schon oft hat sich Ministerpräsident Söder in der Vergangenheit für einheitliche und gemeinsame Wege in der Corona-Krise ausgesprochen. Auch weil man sonst die Akzeptanz in der Bevölkerung verlieren würde und dann nicht „alle an einem Strang“ ziehen würden. Doch dann folgte des Öfteren ein bayerischer Sonderweg - Regeln, die ausschließlich für den Freistaat gelten... und eben nicht einheitlich waren. 

Seit den neuen Lockerungen gibt's erneut einen Sonderweg für Bayern - und der sorgt für viel Unverständnis.

Großer Frust in den Branchen

Speziell im Fokus stehen seit Bekanntgabe der neuen Corona-Regularien die „körpernahen Dienstleistungen“. Viele dürfen seit dem 8. März wieder öffnen und ihre Terminkalender füllen - aber andere eben auch nicht. Tattoostudios, Massagepraxen und Solarien müssen geschlossen bleiben. 

Denn in der mittlerweile zwölften Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung steht:

"Dienstleistungen, bei denen eine körperliche Nähe zum Kunden unabdingbar ist, wie zum Beispiel Massagepraxen, Tattoostudios oder ähnliche Betriebe sind untersagt." Die einzige Ausnahme von dieser Regel sind Friseure oder die Fuß- und Nagelpflege.

Die Tattoo-Branche ist entsetzt über den Beschluss und sieht auch keine medizinische Begründung für die Schlechterstellung – denn ausgefeilte Hygienekonzepte seien überall gegeben. Überdies besteht ein viel geringer Kundenzulauf. Auch bei den Masseuren ist der Frust groß - trotz getroffener Vorkehrungen bleiben die Massage-Praxen weiterhin dicht. Für viele ist das unverständlich, denn in Kosmetikstudios wiederum, die öffnen dürfen, kann oftmals ja nicht einmal eine Maske getragen - je nach Behandlung.

Über mögliche Öffnungsperspektiven werden auch Sonnenstudios buchstäblich im Dunkeln gelassen. In der Maßnahmenverordnung werden Solarien nicht einmal aufgeführt. Das Wasser steht vielen Betreibern schon längst bis zum Hals. Und es bleibt unklar, wie es mit vielen der körpernahen Dienstleistungen weiter gehen soll.

Petition der Tattoo-Branche

Dort wo die Not und Verzweiflung groß ist, versucht man es oft mit Online-Petitionen. Eine davon fordert explizit, dass Tattoostudios nicht mehr benachteiligt werden sollten. Initiiert wurde die Petition von einem, der es wissen muss. Dr. Alexander Wagner aus Schwarzach sieht als Mediziner keine Begründung für die Schlechterstellung, denn die Ansteckungsgefahr sei nicht größer als beim Haare schneiden oder bei der Nagelpflege.

Warum nicht alle körperlichen Dienstleistungen wieder öffnen, versucht ein Ministeriumssprecher auf Anfrage so zu erklären: In dem Beschluss beschränken sich die Öffnungen auf Dienstleistungen, die der Körperpflege dienen, und auf die insbesondere auch ältere Menschen, angewiesen sind. Für eine großflächige Öffnung seien die Infektionszahlen ohnehin zu hoch.

Eine eher schwammige Erklärung zu dem Thema lieferte auch Ministerpräsident Söder im ANTENNE BAYERN-Interview:

„Es sind immer wieder Abgrenzungen, die man treffen muss. Wir versuchen es immer so gerecht wie möglich zu machen. So eine hundertprozentige Gerechtigkeit... die ist bei Corona schwer zu finden."

Es bleibt also weiterhin bei einer fehlenden Öffnungsperspektive für Massagepraxen, Tattoostudios und Solarien. Je länger die Unklarheit bleibt, desto größer die Gefahr, dass viele Betriebe auch nach Corona wohl nie wieder öffnen werden und die Lichter für immer aus bleiben. 

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