09.02.2021 | Bayern Keine Rückkehr in die Klassenzimmer: Schulgipfel vor Länder-Konferenz

Bei einer Videokonferenz mit Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern haben Ministerpräsident Söder und Kultusminister Piazolo über die aktuelle Situation im Homeschooling gesprochen. Wird der Lockdown verlängert, soll es keine Rückkehr in die Klassenzimmer geben.

Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Kurz vor dem nächsten Treffen der Ministerpräsidenten der Länder, um über die aktuelle Corona-Lage zu diskutieren, erteilen Markus Söder und Kultusminister Piazolo umfassenden Schulöffnungen eine Absage. 

Weiter Homeschooling bei Lockdown-Verlängerung

Bei einem Schulgipfel in Form einer informellen Videokonferenz mit Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern, machten sie nochmal deutlich, dass im Falle einer Verlängerung des Lockdowns auch die Schüler größtenteils weiterhin von zu Hause aus unterrichtet werden müssten.

Öffnungsperspektive für Grund- und Förderschulen

Einen einzigen Lichtblick hinterließ Piazolo mit der Aussage, dass Grundschüler womöglich schon bald wieder in die Schulen zurückkehren könnten, wenn bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch, den 10. Februar 2021, Lockerungen im Lockdown beschlossen würden. Je nachdem wie Bund und Länder also entscheiden, könnte der Bayerische Landtag am Donnerstag und Freitag entsprechende Beschlüsse umsetzten. Ob dann aber auch ab Montag oder Mitte nächster Woche die ersten Grund- und Förderschüler tatsächlich wieder aus dem Kinder- ins Klassenzimmer zurück dürfen, bleibt nach dem Schulgipfel offen. 

Masken & Tests

Um eine sichere Rückkehr in die Schulen zu ermöglichen, hat Piazolo angekündigt Masken für Lehrer und Schüler anzubieten, die Lehrkräfte sollen außerdem ausgiebig getestet werden. Dafür müssten die Schulen allerdings erstmal überhaupt eine Öffnungsperspektive bekommen. 

Piazolo zufrieden, Verbände nicht

Nach dem Schulgipfel zeigen sich die verschiedenen Parteien mit unterschiedlichen Auffassungen. Während Piazolo über den "konstruktiven Austausch" zufrieden ist, kritisieren Politik sowie Lehrer- und Schülerverbände die Entscheidungen. So fordert Simone Fleischmann, die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), optimale Test- und Hygienekonzepte  und ein Impfkonzept, bei welchem Erzieherinnen und Lehrer dann auch mit Vorrang behandelt werden. 

Auch Martin Löwe, Vorsitzender des Bayerischen Elternverbandes, kritisiert das Vorgehen der Politik. Zwar ist er nicht um jeden Preis für Wechselunterricht, allerdings müsste der Freistaat endlich die Schulen für den vorgeschriebenen Distanzunterricht ausstatten. Wegen zu großer bürokratischer Hürden kämen weder versprochene Laptops noch schnelleres Internet in den Kommunen an. Außerdem ergänzt er es müsste 

"dieses Spielchen – die Verantwortung hin und her zu schieben endlich aufhören. Alle - Staat, Kommunen und Schulen - müssten jetzt zusammen anpacken."
Schüler enttäuscht von Söder

Auch Moritz Meusel, Vorsitzender des Landesschülerrates zeigt sich nach dem Schulgipfel "sehr enttäuscht" über die Veranstaltung. Zwar hätten Söder und Piazolo eingestanden Lehrplankürzungen in zu kleinem Rahmen und in völlig falscher Form vorgenommen zu haben, konkrete Vorschläge zur Entschlackung der Lehrpläne und Prüfungsanforderungen blieben aber aus. 

Kritik aus der Opposition

Die Oppositionparteien im Bayerischen Landtag zeigten sich ebenfalls enttäuscht vom Schulgipfel. So spricht die SPD von einem "Placebo" während der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion sagt, Söder habe lediglich

"gönnerhaft Mitsprache suggeriert, ohne jedoch ernsthaft auf die Sorgen und Nöte der gestressten Schulfamilie einzugehen".