23.06.2020 | Bayern Neue Studie: Mütter verdienen bis zu 70% weniger als kinderlose Frauen

Laut einer neuen Bertelsmann-Studie sind die Einkommensunterschiede zwischen Frauen mit und ohne Kinder noch größer als zuvor angenommen. Kinder zu bekommen ist damit nicht nur mit hohen Kosten, sondern auch mit beruflichen Einbußen verbunden.

"Wie schaffst du das eigentlich, Karriere und Familie unter einen Hut zu bekommen?" ist eine Frage, die Mütter in egal welchem Berufsfeld immer wieder gestellt bekommen - Väter hingegen kaum. Laut den Zahlen einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung ist der 'Pay Gap' zwischen Frauen mit Kindern und Kinderlosen Frauen wohl noch größer, als ohnehin schon angenommen

Konkret bedeutet das:

  • Dass Mütter mit einem Kind durchschnittlich 40% weniger in ihrer Lebensarbeitszeit verdienen als kinderlose Frauen.
  • Dass Mütter mit drei oder mehr Kindern durchschnittlich sogar 70%  weniger in ihrer Lebensarbeitszeit verdienen als kinderlose Frauen.
  • Dass sich das sog. Lebenserwerbseinkommen bei kinderlosen Frauen im Verlauf ihres Arbeitslebens immer mehr an das Gehaltsniveau von Männern im gleichen Alter annähert. 

Corona-Krise sorgt für noch größere Ungleichheiten:

Durch die Corona-Krise und die damit einhergehenden wirtschaftlichen Maßnahmen wie Kurzarbeit, hat sich die Schere zwischen Müttern und kinderlosen Frauen noch weiter geöffnet. Demnach haben rund 27% der befragten Frauen ihre Arbeitszeit und somit auch ihr monatliches Einkommen stark reduziert, um während Schul- und Kitaschließungen ihre Kinder zu Hause betreuen zu können.

Ausweg aus der Abwärtspirale:

Eines der grundlegenden Probleme der starken Einkommensdifferenz liegt laut der Moderatorin Tijen Onaran unter anderem darin, dass sich Elternschaft im Berufsleben in bedeutend größerem Ausmaß auf Frauen als auf Männer auswirkt. Hierdurch entsteht eine ungleiche Verteilung. Dass Männer in Teil- oder Elternzeit gehen, um sich um den Nachwuchs zu kümmern, ist nach wie vor eine Seltenheit. Tijen Onaran, die sich in ihrem Unternehmen für die Sichtbarkeit von Frauen einsetzt meint aber auch: 

"Wir haben auch einiges selbst in der Hand. So müssen wir uns auch selber sichtbarer machen, uns mit anderen Frauen vernetzen und dadurch immer wieder hinterfragen 'Verdiene ich eigentlich genug oder muss ich noch mehr verlangen?'"

Was ist mit den Papas?

Ein Teil der Lösung wären einerseits flexiblere Arbeitszeiten für Mütter oder langfristige Home-Office Lösungen, wie sie auch schon während der Corona-Krise Gang und Gäbe waren. Hierdurch könnten auch die Väter von zu Hause arbeiten und an den Arbeitsplatz gebundene Frauen unterstützen. Andererseits ergibt sich das geschilderte Problem aber auch aus bestehenden Rollenbildern, die man Kindern bereits in der Schule abtrainieren könne. Onaran sagt hierzu: 

"Betreuung ist nicht nur ein Mama- Thema, sondern auch ein Papa Thema"

Auch die Autorin der Studie, Manuela Barišić betont:

"Gute Ganztagsschulen und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind genau so wichtig wie eine Reform des Ehegattensplittings und der Minijob- Regelungen."