27.10.2022 | Bayern Urteil im Prozess gegen Starkoch Alfons Schuhbeck: Gefängnisstrafe ohne Bewährung

Vor dem Landgericht München I ging am 27. Oktober 2022 der Prozess gegen den wegen Steuerhinterziehung angeklagten Star-Koch Alfons Schuhbeck weiter. Nun ist ein Urteil gefallen.

Foto: Sven Hoppe/dpa

Hat Alfons Schuhbeck Einnahmen vor dem Fiskus versteckt und Steuern in Millionenhöhe hinterzogen? Um diese Frage dreht sich sein Prozess vor dem Landgericht München I. Nun ist ein Urteil in dem Prozess gefallen.

Urteil nun gefallen

Alfons Schuhbeck wurde zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 2 Monaten ohne Bewährung verurteilt. Das ist unter anderem die Urteilsbegründung: 

  • Er muss über eine Millionen Euro zurückbezahlen und trägt die Kosten des Verfahrens 
  • Die Richterin geht davon aus, dass Alfons Schuhbeck nur gestanden hat, weil der IT Fachmann, der zur Beihilfe beschuldigt wurde, ein Geständnis abgelegt hat.
  • Es wurden Entnahmen von Bargeld in den Restaurants auf verschiedene Weisen nachgeprüft und festgestellt, dass das kein normaler Gastrofall, bei dem sich mal jemand was aus der Kasse schnappt, war.
  • Zudem wurden Stornierungen von Rechnungen verschleiert und die Anwendung des extra programmierten Tools, das unterstreicht nach Auffassung der Richter eine hohe kriminelle Energie. 
  • Die illegalen Machenschaften haben sich über mehrere Jahre gezogen, wobei 2014 der Weg zurück in die Steuerehrlichkeit ging. 
  • Der Staat und die Bürger werden auf dem Schaden liegen bleiben, deswegen auch die Haftstrafe.
Steuerhinterziehung von mehr als 2,3 Millionen Euro

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 73-Jährigen vor, unter anderem mithilfe eines Computerprogramms Einnahmen am Finanzamt vorbeigeschleust zu haben. Insgesamt geht es um mehr als 2,3 Millionen Euro Steuern, die Schuhbeck so zwischen 2009 und 2016 hinterzogen haben soll. Der Angeklagte hatte sich zum Prozessbeginn in der vergangenen Woche nicht zu den Vorwürfen geäußert. Seine Verteidiger aber sehen in den Vorwürfen gegen ihren Mandanten "Zweifel und Ungereimtheiten" und stellten infrage, ob es wirklich Schuhbeck selbst war, der in die Kasse zweier seiner Restaurants gegriffen hat, um Einnahmen abzuzweigen. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) aus dem Jahr 2012 droht eine Haftstrafe ohne Bewährung in der Regel schon ab einer Summe von einer Million Euro an hinterzogener Steuer.

Vorwürfe gegen Schuhbeck wiegen schwer

Der Gastronom soll in zwei seiner Restaurants Einnahmen abgezweigt und auf diese Weise hohe Beträge am Fiskus vorbeigeschleust haben - in einem dieser Restaurants mit Hilfe eines eigens dafür entwickelten Computersystems. So sagt es die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage, die ihm 25 Fälle von Steuerhinterziehung zwischen 2009 und 2016 vorwirft. Der Mann, der zugibt, ein solches Verschleierungsprogramm entwickelt zu haben, sitzt mit Schuhbeck auf der Anklagebank, wird der Beihilfe zur Steuerhinterziehung beschuldigt. Über seine Anwältin legt dieser Ex-Mitarbeiter ein umfassendes Geständnis ab - und belastet seinen früheren Chef schwer. Schuhbeck sei es gewesen, der ihn damit beauftragt habe, ein solches System für eins seiner Restaurants zu entwickeln. Auf einem USB-Stick sei das gespeichert gewesen und diesen habe er Schuhbeck - nur Schuhbeck - gegeben. Anwalt Sascha König sagte dazu: 

"Möglicherweise stellt sich hierbei am Ende des Verfahrens heraus, dass Herr Schuhbeck nicht Täter, sondern selbst Opfer ist, weil nicht nur der Fiskus, sondern zuvorderst er betrogen wurde."
Star-Koch musste Insolvenz anmelden

2021 wurde bekannt, dass Schuhbecks Imperium in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Er meldete Insolvenz an und begründete das mit dem Ausbleiben von Staatshilfen im Zuge der Corona-Pandemie. 

"Nachdem die vollmundig angekündigten Staatshilfen bei mir bis heute ausgeblieben sind, muss ich für meine Betriebe Insolvenz anmelden", 

sagte Schuhbeck damals laut einer Mitteilung, die überschrieben war mit "Das nächste Corona-Opfer". Bis zuletzt habe er auf staatliche Finanzhilfen gehofft und private Gelder in sein Unternehmen gesteckt, ließ Schuhbeck damals mitteilen. "Doch jetzt ist Schluss." Vor Gericht geht es für Schuhbeck also nicht nur um seinen Ruf und seine berufliche Zukunft - sondern auch um seine Freiheit. Das Verfahren hat die Justiz trotz dieser Schicksalhaftigkeit halbwegs humorvoll nach einer der Lieblingszutaten des Kochs benannt: Ingwer.

Schuhbecks zweiteiliges Geständnis

Nach Schuhbecks zweiteiligem Geständnis stellte sich nun wohl nicht mehr die Frage, ob er wegen Steuerhinterziehung verurteilt wird, sondern wie hoch seine Strafe ausfällt.

"Ich möchte das Gericht jedoch auch bitten, mir zu glauben, dass die Höhe der stornierten Rechnungen in den "Südtiroler Stuben" nicht so hoch war, wie es mir bisher vorgeworfen wird", 

sagte Schuhbeck in seinem Geständnis. Von mehr als 1000 verschwundenen Rechnungsnummern gehen die Behörden aus. Allerdings hatte Schuhbeck auch von technischen Schwierigkeiten beim Erfassen der Rechnungen berichtet. Er bitte das Gericht, "eindringlich, die Höhe der stornierten Rechnungen noch einmal kritisch zu überprüfen", sagte Schuhbeck. Aber: "Leider ist es mir nicht mehr möglich, hierfür weitere Unterlagen vorzulegen."

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