15.05.2019 | Bayernreporter Armbrust-Rätsel von Passau: Bizarre Bilder vom Ort des unheimlichen Falls

Der mysteriöse Armbrust-Fall mit drei Toten in Passau und zwei Toten im niedersächsischen Wittingen wirft weiterhin viele Fragen auf. Insbesondere die Frage nach einem Motiv für das gesamte Geschehen ist noch nicht geklärt. Die Spurensuche der ANTENNE BAYERN Reporter führt in eine Welt von Mittelalterkult und einer Art Sex-Sekte.

  • In dieser Pension brachten sich die drei Menschen um.

    In dieser Pension brachten sich die drei Menschen um.

  • Für Wanderer wurde diese Tafel aufgestellt. Sie zeigt den Standort und den der Burg auf der anderen Fluss-Seite.

    Für Wanderer wurde diese Tafel aufgestellt. Sie zeigt den Standort und den der Burg auf der anderen Fluss-Seite.

  • Über diesen Steg kommt man über den Fluss auf die andere Seite zur Burg.

    Über diesen Steg kommt man über den Fluss auf die andere Seite zur Burg.

  • Esoterisches Treiben vor der Burg: Bemalte Glückssteine...

    Esoterisches Treiben vor der Burg: Bemalte Glückssteine...

  • Blick vom gegenüberliegenden Ufer auf die Pension.

    Blick vom gegenüberliegenden Ufer auf die Pension.

  • ...genau vor dem Aufstieg zur Burg. Hier sieht man hinter den Zweigen schon den Turm durch die Blätter.

    ...genau vor dem Aufstieg zur Burg. Hier sieht man hinter den Zweigen schon den Turm durch die Blätter.

  • ...ein Traumfänger, der an einem Baum hängt...

    ...ein Traumfänger, der an einem Baum hängt...

  • Foto: ANTENNE BAYERN

    Foto: ANTENNE BAYERN

  • Foto: ANTENNE BAYERN

    Foto: ANTENNE BAYERN

  • Der Turm der Burg Reschenstein.

    Der Turm der Burg Reschenstein.

  • Neben der Burg: Diese Grube.

    Neben der Burg: Diese Grube.

  • Blickt man von der Pension über den Fluss, dann ragt nur der Turm der Burg über die Baumwipfel.

    Blickt man von der Pension über den Fluss, dann ragt nur der Turm der Burg über die Baumwipfel.

  • Foto: ANTENNE BAYERN

    Foto: ANTENNE BAYERN

  • Foto: ANTENNE BAYERN

    Foto: ANTENNE BAYERN

Die Obduktionen der Leichen haben am Dienstag zumindest etwas Licht ins Dunkel gebracht. Die rechtsmedizinische Untersuchung der Toten aus Passau gab Hinweise auf die Tatumstände. Die Staatsanwaltschaft geht bei dem 53-Jährigen und den beiden 33 und 30 Jahre alten Frauen von Tötung auf Verlangen beziehungsweise Suizid aus. Es gebe keine Hinweise darauf, dass eine vierte Person an dem Geschehen beteiligt gewesen sein könnte, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Die beiden im Zusammenhang mit dem Passauer Armbrust-Fall tot in Wittingen gefundenen Frauen sind nach ersten Untersuchungen nicht durch äußere Gewalteinwirkung gestorben. „Die genaue Todesursache steht noch nicht fest“, sagt die Staatsanwaltschaft. Nach ersten Erkenntnissen liegt der Todeszeitpunkt einige Tage zurück.

Aber was steckt hinter diesem unheimlichen Fall? Unsere ANTENNE BAYERN Reporter haben sich auf Spurensuche begeben. Sie führt in den Mittelalterkult und eine Art Sex-Sekte. Mehr in unserer Galerie!

Wer waren die Toten in der Passauer Pension?

Drei Personen hatten sich am Freitag (10.05.) kurzfristig in der Passauer Pension eingemietet. Sie sollen davor in Österreich gewesen sein und dann nach Deutschland zurückgereist sein.

  • 53-jähriger Mann: Er stammt aus Rheinland-Pfalz, gemeldet war er in Berod im Landkreis Westerwald. Er besaß einen Mittelalter-Shop in Hachenburg. Er soll der Guru der Gruppe gewesen sein. Er soll mit mehreren Frauen liiert gewesen sein und sie wie Sklavinnen als Gebieter beherrscht haben. Als er in der Passauer Pension mit den zwei Frauen eincheckte, trug er einen Anzug. Auffällig war sein langer grauer Bart, der ihm bis über die Brust hing.
  • 33-jährige Frau: Sie stammt ebenso wie der Mann aus Rheinland-Pfalz und lebte mit ihm zusammen.
  • 30-Jährige Frau: Sie stammt aus Wittingen in Niedersachsen. Sie war laut Polizei Verkaufsleiterin in einer Bäckerei.

Wie die Staatsanwaltschaft bestätigt, waren alle drei Toten aus der Passauer Pension Mitglieder in einem Ritterverein.

Die „Bild“ zitiert einen Mann, der von seiner Begegnung mit dem 53-Jährigen berichtete. Demnach hatte er dem 53-Jährigen vorübergehend einen Pferdehof verpachtet. Die Frauen sollen sich dem 53-Jährigen gegenüber auffallend unterwürfig verhalten haben.

Wer waren die Toten aus Wittingen in Niedersachsen?

Am Montag konnte die Identität der Frauen geklärt werden, die in einer Wohnung in Wittingen (Landkreis Gifhorn) gefundenen wurden. 

  • Bei einer der Frauen handelt es sich laut Polizei um die 35-jährige Lebensgefährtin der 30-Jährigen. Sie war Grundschullehrerin und hinterlässt zwei Kinder, die aber nicht bei ihr gelebt haben.
  • Die zweite Tote ist eine 19-Jährige, die ebenfalls in der Wohnung lebte. Ein Privatdetektiv soll nach ihr gesucht haben. Der Fernsehsender RTL berichtet unter Verweis auf

    Ermittler, dass es sich bei ihr um eine seit mehreren Jahren vermisste Jugendliche handeln dürfte. Deren Eltern berichteten im Interview, wie ihre Tochter den 53-Jährigen im Kampfsportclub
    kennenlernte und wenig später den Kontakt zur Familie abbrach.

Warum wählten sie die Passauer Pension?

Die Pension befindet sich nicht wirklich in Passau, sondern ein paar Kilometer die Ilz flussaufwärts. Und diese Pension ist auch nicht leicht zu finden. Man muss gezielt hinfahren, über ein paar ziemlich einsame Straßen. Vielleicht haben sie sich diesen Ort ganz bewusst ausgesucht.

Auf der anderen Flussseite ist nämlich eine Burg. An dieser Burg hat irgendjemand ein paar esoterische Sachen aufgebaut – bemalte Fähnchen, ein Traumfänger, der vom Baum hängt. Irgendwie scheint diese Burg in bestimmten Kreisen eine Bedeutung zu haben.

Was ist über die Todesumstände bekannt?

Im vorläufigen Obduktionsbericht wird davon ausgegangen, dass es sich um einen gemeinsamen Selbstmord handelt. Von dem 53-jährigen Mann und der 33-jährigen Frau, die in der Pension händchenhaltend im Bett lagen, gibt es zwei Testamente. Dem Bericht zufolge wurden die beiden jeweils durch einen Schuss ins Herz getötet. Die beiden Leichen im Bett hätten weitere Pfeile aufgewiesen, die den Erkenntnissen nach jedoch erst nach den tödlichen Schüssen ins Herz abgeschossen worden seien. 

Den letzten Schuss hat vermutlich die 30-jährige Frau abgegeben, die tot am Boden liegend gefunden wurde. Bei ihr sei ein Schuss in den Hals sofort tödlich gewesen, heißt es. Laut Bericht gab es keine Kampf- oder Abwehrspuren. Es waren auch keine Drogen oder andere Betäubungsmittel im Spiel.

Vor der Pension in Passau, in der sich die drei Personen eingemietet hatten, stellte die Polizei das Auto der 33-Jährigen sicher. Der weiße Pick-up werde noch untersucht.

So begann der mysteriöse Armbrust-Fall

Ein Zimmermädchen hatte am Samstag (11.05.) in Zimmer 20 einer Passauer Pension drei Gäste tot gefunden. In den Körpern steckten Pfeile. Die Ermittler stellten zunächst zwei Armbrüste sicher, später noch eine dritte, die in einer Tasche gefunden wurde.

Foto: Lino Mirgeler/dpa

Hilfe bei Depressionen:

ANTENNE BAYERN berichtet normalerweise nicht über Selbsttötungen, um keinen Anreiz für Nachahmung zu geben – außer, Suizide erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.

Sofortige Hilfe erhaltet ihr rund um die Uhr über den Notruf 112. Auch bei der Telefonseelsorge stehen 24 Stunden, sieben Tage die Woche Experten bereit. Sie beraten in Krisensituationen unter den bundeseinheitlich kostenlosen Rufnummern:

0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.

Hilfe gibt es außerdem im Internet unter www.telefonseelsorge.de.

Suizidgedanken gehen oft auf Depressionen zurück: Auf der Seite der Deutschen Depressionshilfe gibt es Tipps für Betroffene und Angehörige, wie sie mit ihren Problemen umgehen können und an welche regionalen Anlaufstellen und Kliniken sie sich wenden können.

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