03.03.2015 | Bayernreporter Bloß nicht verschlucken - Garchings waghalsigster Künstler

Franz Huber aus Garching an der Alz gehört weltweit zu einer kleinen erlesenen Auswahl, die die Technik des Schwertschluckens beherrscht. Bei einem Treffen mit anderen internationalen Künstlern in den USA hat der Oberbayer etliche Rekorde ins Visier genommen. Viele davon sind geglückt.

Bloß nicht verschlucken - Garchings waghalsigster Künstler

Weißes Leinenhemd, darüber eine blaue Samt-Weste und natürlich in Lederhosen: In jedem Bierzelt in Bayern würde dieses Outfit für einen Buam zur Standard-Garderobe gehören. Wenn der Träger aber nicht im Freistaat, sondern in den USA ist und noch dazu den Maßkrug gegen einen Satz scharfer Schwerter tauscht, dann ist der Alltag vorbei.

Franz Huber aus Garching an der Alz ist fernab der Heimat ein Blickfang für die Menschen, die nach Orlando/Florida gekommen sind, um den Tag der Schwertschlucker zu feiern. Weltweit sollen nur ein paar Dutzend Menschen die gefährliche Technik beherrschen. Huber ist einer von ihnen. Was der 34-Jährige und seine Show-Kollegen zu bieten haben, das gibt es in keinem gewöhnlichen Zirkus zu sehen. Gemeinsam versuchen die Künstler ihr Publikum immer wieder ins Staunen zu versetzen und neue Rekorde aufzustellen.

Das große Schlucken

Als Teil einer achtköpfigen Gruppe hat Franz dieses Jahr wieder an einem Performance-Act teilgenommen, der den Namen „Big Swallow“ trägt. Dabei versuchen die Artisten gemeinsam möglichst viele Schwerter gleichzeitig zu schlucken. In Orlando haben sie zu acht dieses Mal 68 Schwerter geschafft. Dabei hat Huber auch seine persönliche Bestleistung aufgestellt: Er alleine hat sich beim „Big Swallow“ 22 Schwerter einverleibt, so viele wie noch nie zuvor.

Obendrein hat der Garchinger mit Dan Meyer, dem Präsidenten des Weltschwertschluckerberufsverbands SSAI (Sword Swallowers Association International), einen Weltrekord aufgestellt: mit je 12 geschluckten Schwertern, die sie im Körper um 180 Grad gedreht haben. Noch ist die Bestmarke nicht offiziell. In den nächsten Wochen werden Guinness und Co. die zahlreichen Videos von der Veranstaltung auswerten und ihr Urteil fällen.

Inspiriert von Spitzensportler und Shaolin-Mönchen

Eigentlich ist Franz Huber von Beruf Elektriker, aber in seiner Freizeit widmet er sich voll und ganz seinem außergewöhnlichen Hobby. Vor gut zwei Jahren hat der 34-Jährige das Schwertschlucken gelernt. Dazu hat er sich aber keinen erfahrenen Künstler an die Seite geholt. Stattdessen brachte er sich alles selbst bei, mithilfe von Internet-Videos.

„Bei mir ist alles ziemlich schnell gegangen“, sagt der Garchinger. „Die meisten brauchen drei bis sieben Jahre bis sie erstes Schwert runterbringen“, erklärt er. Vielleicht habe er einfach ein besonderes Talent. Aber er hat auch trainiert, fast schon wie ein Besessener: „Zeitweise habe ich jeden Tag 30 bis 40 Mal geschluckt.“

In seinem Heimatort habe es früher, in den 80er Jahren, bereits einen Schwertschlucker gegeben. So ist Huber mit den tollkühnen Kunststücken in Berührung gekommen. „Mich fasziniert schon mein ganzes Leben, was der Mensch mit bloßer Willenskraft zu leisten imstande ist“, erzählt er, „man muss sich nur mal die Shaolin-Mönche oder die Spitzensportler anschauen.“

Körperliches Präzisionswerk

Wer die Technik des Schwertschluckens beherrschen will, muss seinen Körper genau kennen. Die Anfänge dieser Geschicklichkeitsübung sind vor über 4.000 Jahren in Indien angesiedelt. Zuerst setzt Huber die Spitze des Schwerts auf der Zunge an, wo er dann die Klinge langsam hinter zum Zäpfchen fährt. Dann komme der schwierigste Teil, meint Huber, nämlich den ersten Würgereiz zu überwinden.

Nachdem er seinen Kopf in Nacken hat gleiten lassen, stellt er das Schwer hochkant. Auf diese Weise versucht er dann im richtigen Winkel in die Speiseröhre zu treffen. Von da an geht es von oben bis unten in einer Gerade durch. Im Hals muss er dann einen zweiten Würgereiz überwinden. „Auf dem Weg nach unten, Richtung Magen, flutscht das Schwert dann auch an meinem Herzen vorbei. Dabei kann ich sogar meinen Herzschlag am Schwert pochen spüren“, sagt Huber.

Klar ist: Wer sich überschätzt, setze sich einer großen Gefahr aus. Huber rät daher dringend davon ab, das Schwertschlucken, so wie er, auf eigene Faust zu lernen. „Toi, toi, toi, bis jetzt bin ich von größeren Sachen verschont geblieben.“ Lediglich über Halsschmerzen klagt er hin und wieder. „Das sehe ich aber sportlich“, lächelt Huber süffisant und ergänzt: „Wenn ich einen Marathon laufe, dann habe ich auch zwei oder drei Tage Muskelkater oder eine Blase. Nur Pflaster helfen bei mir dann eben nicht weiter“.