26.06.2018 | Bayernreporter Fidget Spinner oder Wurfstern? Dieses "Spielzeug" bringt Mutter aus Rosenheim vor Gericht

Eine Mutter aus dem oberbayerischen Flintsbach kauft im Internet einen Fidget Spinner und muss jetzt vor Gericht. Denn für den Zoll handelt es sich nicht um ein Spielzeug, sondern um eine Waffe. Die Familie der Beklagten ist fassungslos.

  • Ein Fidget Spinner ähnlich wie dieser wird jetzt am Amtsgericht Rosenheim zum Gegenstand einer Gerichtsverhandlung. Es geht um illegale Waffeneinfuhr.

    Ein Fidget Spinner ähnlich wie dieser wird jetzt am Amtsgericht Rosenheim zum Gegenstand einer Gerichtsverhandlung. Es geht um illegale Waffeneinfuhr.

    Bild: Screenshot Wish
  • Ein Flintsbacherin (Oberbayern) hat im Jahr 2017 über das Shopping-Portal Wish einen Fidget Spinner gekauft, der diesem sehr ähnelt. Der Zoll zog ihn aus dem Verkehr, weil es sich um eine Waffe handeln soll

    Ein Flintsbacherin (Oberbayern) hat im Jahr 2017 über das Shopping-Portal Wish einen Fidget Spinner gekauft, der diesem sehr ähnelt. Der Zoll zog ihn aus dem Verkehr, weil es sich um eine Waffe handeln soll

    Bild: Screenshot Wish

Man kauft ein Spielzeug für ein Kind und bekommt vom deutschen Zoll eine Strafe wegen illegalen Waffenbesitzes. Diese unglaubliche Geschichte ist im oberbayerischen Flintsbach tatsächlich passiert.

Mama Jenny hat im Internet einen Fidget Spinner bestellt – und so sieht er aus. Der Fidget Spinner war zuletzt eines der angesagtesten Spielzeuge, das wir mit einer Hand wie einen Kreisel bewegen. Die Frau hat sich für einen Fidget Spinner aus China entschieden, für Kinder ab 14 Jahren und online bestellt. Aber das Paket kam nie bei ihr an.

Zoll zieht Fidget Spinner aus dem Verkehr

Im Oktober 2017 bekam Jenny stattdessen einen Brief samt Fragebogen vom Zoll. Denn der Fidget Spinner hat für die Ermittler Ähnlichkeit mit einem Wurfstern bzw. Ninjastern. Der Zoll hatte die Bestellung also abgefangen.

Flintsbacherin bekommt Strafbefehl und soll 400 Euro zahlen

"Diesen Fragebogen haben wir ausgefüllt und geschrieben, dass es ein Spielzeug ist und kein Wurfstern", erklärt Ehemann Peter. "Wir dachten, die Sache wäre erledigt." Inzwischen hat Jenny vom Amtsgericht Rosenheim einen Strafbefehl erhalten. Der Vorwurf: illegale Waffeneinfuhr. Sie soll 400 Euro Strafe zahlen und muss sich wegen des Vergehens vor Gericht verantworten. Die Verhandlung findet am Mittwoch (27.06.) statt.

Jenny selbst sagt im ANTENNE BAYERN-Gespräch: "Wenn es eine Waffe gewesen wäre und es hätte im Internet gestanden, hätte ich mir das nie im Leben gekauft." Jenny und ihr Mann haben sich einen Anwalt genommen, der ominöse Fidget Spinner liegt beim Landeskriminalamt.

Kinderspielzeug oder illegale Waffe? Das sagt ein Experte:

Michael Kümpfbeck ist Anwalt für Strafrecht und er hat sich auch die Fotos von dem fragwürdigen Fidget Spinner angeschaut. Gegenüber ANTENNE BAYERN sagt er: „Wenn ich mir die Bauarbeit anschaue – scheibenförmig, an den Seiten geschliffen, aus Metall – dann kann ich mir das beruhigende Spinnen auf der Hand eher weniger vorstellen.“ Eher vorstellen könne er sich, dass man den Fidget Spinner nutze, um einen Wurf auszuführen um jemanden schwer zu verletzten. „Und damit wäre es verboten“, so Kümpfbeck. Jetzt muss das Amtsgericht Rosenheim entscheiden.