05.11.2018 | Bayernreporter Regensburg bekommt Studiengang für Hebammen

Der Koalitionsvertrag mit der CSU steht: Auf Drängen der Freien Wähler bekommt Regensburg einen Hebammenstudiengang.

Foto: Armin Weigel/dpa Die Vorsitzende des Bayerische Hebammen Landesverbands, Astrid Giesen, hält in einem Kreissaal der Hedwigsklinik einen neugeborenen Säugling.

Eigentlich könnte man sich freuen: Es werden wieder mehr Kinder geboren. Doch kurz vor der Geburt sind viele Mütter im Stress: Sie haben Probleme, eine Hebamme zu finden. Und die Lage könnte noch schlimmer werden, warnt der Berufsverband der Hebammen. Die Lösung: der erste Hebammen-Studiengang in Regensburg?

Der neue Hebammen-Lehrstuhl in Regensburg könnte die Hebammenausbildung jetzt in eine akademische Zukunft führen. Die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg und die Hedwigklinik hatten bereits vor Monaten ein Konzept vorgelegt. Dieses wurde jetzt bewilligt und erhält entsprechende Unterstützung und fachliche Anerkennung beim Gesundheitsministerium.

Im Koalitionsvertrag heißt es, dass es besonders wichtig sei, eine gesicherte wohnortnahe Versorgung mit Hebammen und Geburtshilfeeinrichtungen zu garantieren. Man wolle die Geburtshilfe-Stationen auch an kleineren Standorten erhalten und zusätzlich erreichen, dass sich wieder mehr Hebammen niederlassen. Daher soll den Hebammen ein Gründerpaket in Höhe von 5.000 Euro angeboten werden, das ihnen den Einstieg in den Beruf erleichtern soll.

Am Hebammenbonus wird zusätzlich festgehalten. Die akademische Ausbildung von Hebammen soll an mehreren Orten in Bayern stattfinden. Hierzu werden aktuell neben Landshut und Regensburg noch weitere geeignete Standorte geprüft.  Zudem will sich die aktuelle Landesregierung für eine faire Entlohnung der Hebammen einsetzen.

Der Mangel an Hebammen in Bayern könnte sich noch verschärfen: Viele überlegen nämlich, weniger zu arbeiten.

Mit Blick auf eine jüngst vom Gesundheitsministerium veröffentlichte Studie zur Hebammenversorgung sagte die Vorsitzende des Bayerischen Hebammen-Landesverbandes (BHLV), Astrid Giesen: «Die Studie sagt sehr deutlich, dass 80 Prozent der Hebammen mehr arbeiten, als sie wollen, und viele für die nächste Zeit planen, das zu reduzieren.» Das könnte gravierende Folgen haben: «Wenn die das wirklich alle machen, dann sehe ich eine große Lücke auf uns zukommen.» Und das in einer Situation, in der in Städten wie München wieder mehr Kinder geboren werden. Giesen sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf.

Der Studie zufolge erwägen rund 50 Prozent der angestellten und 60 Prozent der freiberuflichen Hebammen, die Arbeitszeit zu reduzieren. Als Hauptgründe nennen sie eine zu hohe Arbeitsbelastung, geringes Einkommen sowie die Arbeitsbedingungen. Schon jetzt haben es junge Mütter schwer, eine Hebamme zu finden, die sie vor oder nach der Geburt betreut: Jede vierte hatte laut Studie bei der Suche Probleme. Besonders hart trifft es die Münchnerinnen. Hier war es für rund 40 Prozent der befragten Frauen schwierig oder sehr schwierig, eine Geburtshilfe-Betreuung zu bekommen.

Besonders schwierig ist die Stimmung in der Geburtshilfe. Laut Studie hatte die Mehrheit der Kliniken Probleme, freie Hebammenstellen zu besetzen. Die Folge: Auf den anderen Entbindungshelferinnen lastet immer mehr Arbeit. «Da ist ein Teufelskreis entstanden: Die Hebammen haben immer weniger Zeit für die gebärenden Frauen und das frustriert sie immer mehr», erklärte die Chefin des Hebammen-Landesverbands.

Nach kürzlich veröffentlichten Zahlen des Statistischen Landesamts wurde in Bayern im vergangenen Jahr die höchste Geburtenzahl seit 1998 registriert. Demnach kamen 126 191 Kinder oder 0,4 Prozent mehr als 2016 zur Welt - das sind im Schnitt 345 Neugeborene pro Tag.