26.10.2016 | Bayernreporter Schneewittchen-Stadt Lohr am Main enthüllt umstrittenes Kunstwerk

Für die einen ist sie abstrakte Märchen-Kunst, für die anderen ist sie einfach nur eine abstoßende Schock-Skulptur - die Schneewittchen-Figur von Lohr am Main. Jetzt wurde das Bronze-Kunstwerk feierlich aufgestellt. Und die Diskussion darüber geht weiter.

  • Foto: Antenne Bayern

    Lohrs Bürgermeister Dr. Mario Paul (links im Bild) und Bildhauer Peter Wittstadt (rechts, sitzend) bei der feierlichen Aufstellung der abstrakten Schneewittchen-Skulptur.

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    Das Kunstwerk wurde mit einem Schwerlastkran vor der Lohrer Stadthalle platziert.

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    Das neue Schneewittchen wurde in Tschechien in Bronze gegossen, bevor es nun in den Spessart kam.

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    Die umstrittene Figur ist drei Meter hoch. Aber nicht die Größe, sondern viel mehr die zu Berge stehenden Haare gefällt vielen Kritikern gar nicht. Das hat der Skulptur schon den Namen "Horrorwittchen" eingebracht.

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    Rund 300 Schaulustige waren bei der Enthüllung dabei.

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    Und die meisten haben sich auch ganz nah rangetraut. So angsteinflößend scheint das neue Schneewittchen also doch nicht zu sein.

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Die hoch umstrittene, verzerrt-verzauste Schneewittchen-Figur von Lohr am Main ist Realität: Die fast drei Meter hohe Statue steht seit Mittwoch (26.10.) auf ihrem Podest vor der Stadthalle der unterfränkischen Stadt. "Die Bronzeskulptur von Peter Wittstadt ist sicherlich nicht die schönste im ganzen Land", sagte Bürgermeister Mario Paul bei der feierlichen Aufstellung. "Aber muss sie das?" Diese Frage stand im Zentrum des lange währenden Disputs in der Stadt um Kunst und Geld - von dem Lohr ziemlich profitiert hat.

Der Ort vermarktet sich als Schneewittchen-Stadt und hat in einem Kunstwettbewerb eine Figur gesucht, die explizit nicht naturalistisch sein musste. Es gewann der Bildhauer Peter Wittstadt. Doch sein Entwurf spaltete die märchenverwöhnten Gemüter. Das eher abstrakte Schneewittchen aus seiner Hand ähnelt mehr einem Troll, als dass es eine naturgetreue Abbildung einer schönen jungen Frau ist. Dieses Schneewittchen hat die Augen sehr weit oben am Kopf, zu Berge stehende Haare und erinnert auch an einen Baumstamm.

Einigen Bürgern und Politikern der Stadt war das nicht geheuer. Zudem war Wittstadts Konzept sehr teuer - 110 000 Euro statt der eigentlich eingeplanten 18 000 Euro. Der Streit um Wesen und Wert von Kunst war allerdings einem Schüler aus Lohr Inspiration: Er sprühte ganz legal an die Wand einer Unterführung eine Parodie des Wittstadt-Schneewittchens, das mit einem Messer in der Hand die sieben Zwerge jagt. Das Horrorwittchen wurde schnell Kult - und Marketingartikel. Es ziert als Motiv T-Shirts, Pullover, Buttons, Taschen und Tassen und brachte so die Debatte in Lohr deutschlandweit ins Gespräch.

"Schönheit mag eine Kategorie von Kunst sein, aber beileibe nicht die einzige und vermutlich nicht die entscheidende", sagte Bürgermeister Paul zur Begrüßung des Bronze-Schneewittchens. "Kunst bewegt, Kunst berührt, Kunst ist das Gegenteil von belanglos." So sieht das auch Bildhauer Wittstadt. Die Aufregung um sein Werk mache sie zum Erfolg. "Ich will ja Reize schaffen, und das ist mir ganz gut gelungen."

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