11.02.2020 | Bayernreporter Sturmbilanz: So hat Orkantief „Sabine“ in Bayern gewütet

Orkantief „Sabine“ hat Spuren in Bayern hinterlassen. Obwohl das Wetter eindeutig ruhiger geworden ist, haben Einsatzkräfte in vielen Regionen auch am Dienstagmorgen noch genug zu tun. Eine vorläufige Sturmbilanz.

  • In Passau sind Teile eines Dachs von einem Gartencenter auf die Straße geweht worden. Das Dach ist vom Sturmtief „Sabine“ fortgerissen worden.

    In Passau sind Teile eines Dachs von einem Gartencenter auf die Straße geweht worden. Das Dach ist vom Sturmtief „Sabine“ fortgerissen worden.

    Foto: Armin Weigel/dpa
  • Ein schwer gezeichnetes Auto: In Memmingen hat „Sabine“ dieses Fahrzeug durch herabfallende Äste stark beschädigt.

    Ein schwer gezeichnetes Auto: In Memmingen hat „Sabine“ dieses Fahrzeug durch herabfallende Äste stark beschädigt.

    Foto: Angélica C. (Facebook)
  • Dieser Glastisch war auf einer eigentlich gut geschützten Terrasse nicht sicher vor Sturmtief „Sabine“.

    Dieser Glastisch war auf einer eigentlich gut geschützten Terrasse nicht sicher vor Sturmtief „Sabine“.

    Foto: Patricia L. (Facebook)
  • Auch diese Glastür von Hörerin Stephanie ging zu Bruch.

    Auch diese Glastür von Hörerin Stephanie ging zu Bruch.

    Foto: Stephanie S. (Facebook)
  • Abgedeckte Dächer gehören zum Bild, das „Sabine“ vielerorts in Bayern hinterlassen hat.

    Abgedeckte Dächer gehören zum Bild, das „Sabine“ vielerorts in Bayern hinterlassen hat.

    Foto: privat (Facebook)
  • Ebenso wie umgestürzte Bäume, die Straßen blockiert haben.

    Ebenso wie umgestürzte Bäume, die Straßen blockiert haben.

    Foto: privat (Facebook)
  • Leichte Bauten boten „Sabine“ ebenfalls viel Angriffsfläche.

    Leichte Bauten boten „Sabine“ ebenfalls viel Angriffsfläche.

    Foto: privat (Facebook)

Das Orkantief „Sabine“ hat am Montag (10.02.) in Bayern das öffentliche Leben teils zum Erliegen gebracht. Mehrere Menschen wurden verletzt. Auch die Sachschäden werden jetzt so langsam sichtbar. Und die dürften gigantisch sein. Das ist die vorläufige Sturmbilanz...

Überwiegend nur Leichtverletzte

Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei mussten seit dem früheren Montagmorgen zu Hunderten Einsätzen ausrücken. Dabei mussten auch Verletzte versorgt werden, meist blieb es zum Glück aber bei leichteren Blessuren.

Im mittelfränkischen Heßdorf (Kreis Erlangen-Höchstadt) wurde ein 20 Jahre alter Fußgänger am Kopf schwer verletzt, weil der Anhänger eines vorbeifahrenden Autos durch eine Böe auf den Gehweg geschleudert wurde.

Zudem wurde am Montagnachmittag in Ostheim von der Rhön ein 41-Jähriger bei einem Betriebsunfall schwer verletzt. Der Mann wurde offenbar von einer starken Windböe erfasst, als er Wartungsarbeiten auf dem Dach einer Biogasanlage durchführte. Er stürzte etwa vier Meter in die Tiefe.

Auf der Autobahn 92 (Deggendorf-München) erfasste der Sturm einen Lastwagen und warf ihn um. Der Fahrer wurde leicht verletzt. Mehrere Unfälle gab es, weil Autos oder Laster gegen umgestürzte Bäume stießen.

Einsatzbilanzen der bayerischen Polizeien

Die ersten Polizeipräsidien in Bayern haben nach dem Orkantief ihre Einsatzzahlen präsentiert. In Niederbayern mussten die Polizeien aufgrund von Sturmtief „Sabine“ über 300 Mal ausrücken, überwiegend wegen umgestürzter Bäume, abgerissener Äste oder sonstiger Gegenstände, welche Straßen blockierten oder auf geparkte Fahrzeuge stürzten.

Die Einsatzkräfte in Mittelfranken waren noch häufiger gefragt. In dieser Region wurden bis Dienstagvormittag 412 Einsätze im Zusammenhang mit dem Orkantief bewältigt. 

Sachschäden könnten in „Kyrill“-Dimensionen vorstoßen

Experten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vergleichen „Sabine“ schon mit dem Orkan „Kyrill. Der hat 2007 einen Gesamtschaden von 10 Milliarden Dollar (damals mehr als 7,5 Mrd. Euro) verursacht, wo er gewütet hat. Nach Einschätzung des Münchner Rückversicherers Munich Re könnten die Schäden wegen der großen Fläche so groß sein, wie bei tropischen Wirbelstürmen. Für eine konkrete Schadenschätzung sei es aber noch zu früh.

In Oy-Mittelberg im Allgäu wurde ein Seminargebäude komplett abgedeckt. In einigen Gegenden fiel der Strom aus. In Höhenkirchen-Siegertsbrunn im Landkreis München hat eine Orkanböhe ein Drittel des verzinkten Blechdachs der Erich-Kästner-Grund- und Mittelschule wie ein Papiertaschentuch weggefegt. Da der gesamte Schulbetrieb bayernweit abgesagt worden war, waren zum Glück auch keine Kinder auf dem Gelände.

Windstärken im Flachland über 150 Stundenkilometer

Am Montag fegten stundenlang orkanartige Böen über das Land. Bei Fürstenzell im niederbayerischen Landkreis Passau wurden nach Angaben des DWD 154 Stundenkilometer gemessen. „Das ist in solchen Tieflagen eine absolute Spitze“, sagte Meteorologe Martin Schwienbacher. 

Über den Großen Arber, mit 1.455 Metern höchster Berg des Bayerischen Waldes, fegte der Orkan mit bis zu 161 Stundenkilometern. Auf Deutschlands höchstem Berg, der 2.962 Meter hohen Zugspitze, registrierte die dortige Messstation 158 Stundenkilometer. Auch am Dienstag könnten laut DWD im südlichen Flachland noch einmal 130 Stundenkilometer erreicht werden.

Flugverkehr in Bayern stark beeinträchtigt

Am Flughafen München, Deutschlands zweitgrößtem Airport, wurden am Montag etwa 630 von 1.050 Flügen annulliert. Wegen des Sturms wurden keine Maschinen mehr be- oder entladen, am Vormittag kam der Flugbetrieb dadurch zum Erliegen. Erst am frühen Abend hoben wieder Maschinen ab. Auch an den Flughäfen Nürnberg und Memmingen kam es zu Ausfällen, aber in einem deutlich geringeren Umfang. Auch nach dem Sturm kommt es noch zu Beeinträchtigungen an Flughäfen und bei der Bahn. Aktuell informiert über die Lage seid ihr immer hier

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