18.09.2019 | Bayernreporter Streit um Zwergziege vor Gericht: Hui Buh bleibt auf Gnadenhof

Die Zwergziege Hui Buh bleibt auf einem Gnadenhof und darf nicht zu seinen ursprünglichen Besitzern Elisabeth Anders und ihre Tochter Magdalena zurückkehren. Das hat das Verwaltungsgericht München entschieden.

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+++ UPDATE Mittwoch (18.09.), 16:30 Uhr +++

Der Vorsitzende Richter stützte seine Entscheidung vor allem auf ein Haltungsverbot für Tiere, das gegen die klagende Frau und deren Mutter verhängt worden war. „Sie durften damals gar keine Tiere mehr halten“, sagte er. Auf den Vorschlag der Frauen, der Familienvater könne die Haltung des Tieres übernehmen, ging das Gericht nicht ein.

Das Landratsamt München hatte der 29-jährigen Klägerin und deren Mutter den Zwergziegenbock weggenommen, weil er aus Sicht der Behörde nicht artgerecht gehalten wurde. Die Familie hatte das Tier mit der Flasche aufgezogen. Es schlief bei der Tochter im Bett und fuhr auf dem Beifahrersitz im Auto mit. Aus Sicht von Mutter und Tochter ging es nicht anders. Hui Buh habe nicht mit anderen Ziegen zusammenleben wollen. „Es ist in diesem Verfahren nirgendwo vorgelegt worden, dass es besser war, das Tier einzeln zu halten“, sagte dagegen der Vorsitzende Richter.

Besitzer vor Prozess schwer getroffen

Das Kuscheleck von Zwergziege Hui Buh ist verwaist. Selbst sein Pferde-Plüschtier liegt seit Monaten unberührt dort. „Ich kann da gar nicht hinsehen, das tut mir weh“, sagte Magdalena Anders. Der Ziegenbock sei ein echter Teil der Familie. Mit ihm ging ihre Besitzerin sogar Gassi. Laut Familie Anders brauche der Bock auf Grund einer angeborenen neuronalen Störung eine besondere Betreuung.

Der Vorwurf der Behörden: nicht-artgerechte Haltung. Gegen die amtliche „Enteignungsanordnung“ klagte die Frau. Das Münchner Verwaltungsgericht wies die Klage ab. Im Januar 2019 wurde Frau Anders vom Veterinäramt in Freimann gestoppt, während sie den Ziegenbock auf dem Schoß hatte. Drei Monate später war Hui Buh weg.

Warum wurde der Familie das Tier weggenommen?

Laut Verwaltungsgericht sah das Landratsamt eine Vernachlässigung des Tieres. Es werde einzeln gehalten. Der Umgang sei tierschutzwidrig. Eine Sprecherin des Landratsamts erklärte auf Anfrage: „Es wurden mehrfach mündliche Anordnungen erteilt, diese blieben stets ohne Erfolg. Eine schwere neurologische Erkrankung der Ziege konnte nicht festgestellt werden. Lediglich eine leichte Koordinationsstörung.“ 

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Zudem sei schon vor diesem Fall gegen die Familie ein Halteverbot für Pferde und Paarhufer ausgesprochen wurden. Familie Anders Hoffnung auf eine Wende war vergebens.

Seit der Enteignung des Jungtiers lebt der Ziegenbock auf einem Freigeländes der Gewerkschaft für Tiere in Streiflach.

Gerd Walther, der Tierpfleger des vom Gericht benannten "Gnadenhofs", passt derzeit und wohl auch künftig auf "Hui Buh" auf.

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