25.02.2020 | Deutschland Auto rast in Karnevalsumzug in Hessen: Verdächtiger in U-Haft wegen Mordversuchs

Nachdem ein Mann absichtlich mit einem Auto in den Rosenmontagszug im hessischen Volkmarsen gerast war, ist die Zahl der Verletzten drastisch gestiegen. Die Suche nach dem Motiv des Täters geht weiter. Die Staatsanwaltschaft schließt Alkoholmissbrauch nun aus.

Foto: Elmar Schulten/XinHua/dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Im hessischen Volkmarsen ist am Rosenmontag ein Auto in einen Faschingsumzug gefahren.
  • Fast 60 Verletzte.
  • Gegen den Fahrer wurde Untersuchungshaft angeordnet.
  • Die Vorwürfe lauten auf versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr.

+++ Dienstag, 19:53 Uhr: U-Haft wegen Mordversuchs +++

Gegen den Autofahrer ist Untersuchungshaft angeordnet worden. Dem 29-Jährigen werden versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr vorgeworfen, wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mitteilt. Die Beweggründe des Mannes geben den Ermittlern aber weiter Rätsel auf.

+++ Dienstag, 18:50 Uhr: Geistliche rufen zum Zusammenhalt auf +++

Einen Tag nach den schlimmen Vorkommnissen in Volkmarsen, hat der Fuldaer Bischof Michael Gerber die Menschen bei einem ökumenischen Gottesdienst zum Zusammenhalt aufgerufen. Die Tat könne man nicht verstehen, sagt der katholische Geistliche. Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, sagte, das Geschehene habe das Leben in Volkmarsen radikal verändert, doch Gott sei auch in diesen dunklen Momenten bei den Menschen.

+++ Dienstag, 14:02 Uhr: Polizei spricht jetzt von fast 60 Verletzten +++

Nach Polizeiangaben melden sich noch immer verletzte Menschen. Aktuell habe sich die Zahl auf fast 60 Verletzte erhöht, teilte die Polizei mit. Das Polizeipräsidium bat alle Menschen, die Verletzungen davongetragen haben - „auch wenn keine ärztliche Behandlung notwendig war“ -, sowie alle Personen, die Hinweise zum Täter und dem Tathergang machen könnten, sich unter folgender Rufnummer zu melden:

0800/1103333 

+++ Dienstag, 11:40 Uhr: Keine Hinweise auf besondere Gefahren +++

„Das hessische Landeskriminalamt hat aufgrund des Tatgeschehens die Sicherheitslage für alle hessischen Fastnachtsumzüge neu bewertet“, so der Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen, Henning Hinn. „Es liegen keine Hinweise auf eine besondere Gefährdungslage vor.“ Die Polizeipräsenz sei trotzdem deutlich erhöht worden.

+++ Dienstag, 11:38 Uhr: Motiv des Täters weiter unklar +++

Der Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen, Henning Hinn informiert die Öffentlichkeit zum aktuellen Ermittlungsstand. Nach wie könne man noch nichts „zur genauen Motivlage“ sagen. Das Fahrzeug, dass der Mann in die Menschenmenge steuerte, sei auf ihn zugelassen. 

+++ Dienstag, 11:14 Uhr: Gottesdienst am Abend geplant +++

In Volkmarsen beginnen die Vorbereitungen für einen ökumenischen Gottesdienst, wie der katholische Pfarrer Martin Fischer sagt. „Die Volkmarser haben einen sehr guten Zusammenhalt. Ich denke, dass dieser Zusammenhalt nicht durch die Tat beschädigt wird.“ Die Einwohner gingen unterschiedlich mit dem Erlebten um. Die einen wollten darüber sprechen, die anderen ziehen demnach sich zurück. Der ökumenische Gottesdienst soll heute Abend um 18 Uhr in der katholischen Kirche St. Marien stattfinden.

+++ Dienstag, 10:25 Uhr: Fahrer hatte kein Alkohol im Blut +++

Der Mann, der mit dem Auto in gefahren ist, war nicht alkoholisiert. Ob er unter Drogeneinfluss gestanden habe, stehe noch nicht fest, so ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt.

+++ Dienstag, 10:16 Uhr: „Gaffervideo“ führte zu zweiter Festnahme +++

Ein sogenanntes Gaffervideo hat zu der zweiten Festnahme geführt. Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt sagte, gegen den Festgenommenen werde wegen „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Filmaufnahmen“ ermittelt.

Foto: Uwe Zucchi/dpa

Daneben hätten sich bereits Zeugen gemeldet, die während des Rosenmontagszuges Handyfotos oder Videos gemacht hatten, um ihre Aufnahmen den Ermittlern zur Verfügung zu stellen. „Das hilft natürlich für die Ermittlungen der Gesamtsituation“, so der Sprecher.

+++ Dienstag, 8:44 Uhr: Zahl der Verletzten steigt +++

Die Zahl der Verletzten ist auf mehr 52 gestiegen. Wie die Polizei in Kassel mitteilt, befinden sich derzeit noch 35 Personen in stationärer Behandlung. Weitere 17 Menschen wurden demnach ambulant behandelt. Die Zahl der verletzten Kinder liege bei 18. Das jüngste Kind ist drei Jahre alt. Die Polizei hatte am Montag zunächst von etwa 30 Verletzten gesprochen, rund ein Drittel davon Kinder.

+++ Montag, 22:06 Uhr: Zweite Festnahme - Hintergrund unklar +++

Nach Angaben des Frankfurter Polizeipräsidenten Gerhard Bereswill hat es in Volkmarsen eine zweite Festnahme gegeben. Es sei noch nicht klar, ob der Festgenommene als Tatverdächtiger gelte oder ein Zeuge sei, sagte er auf einer Veranstaltung am Abend in Frankfurt am Main. Oberstaatsanwalt Alexander Badle wollte sich nicht zur Festnahme äußern.

+++ Montag, 22:00 Uhr: Fahrer nicht als Extremist bekannt +++

Der Fahrer des Autos in Volkmarsen war nach ersten Erkenntnissen den Behörden nicht als Extremist bekannt. Das ist aus Sicherheitskreisen zu hören. Allerdings war er der Polizei  in der Vergangenheit durch Beleidigung, Hausfriedensbruch und Nötigung aufgefallen.

+++ Montag, 18:23 Uhr: Ermittlungen wegen versuchten Tötungsdelikts +++

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Das teilte der Sprecher der Behörde, Alexander Badle, eben mit. Zum Motiv könne man nichts sagen: „Wir ermitteln in alle Richtungen.“

Gerade, als der Umzug zu Ende gegangen war, raste das Auto in die Menschenmenge. Bilder zeigen zeigen unter anderem einen kaputten kleinen Leiterwagen, der offenbar einem Kind gehörte.

Foto: Uwe Zucchi/dpa

+++ Montag, 18:17 Uhr: Volkmarsens Bürgermeister schockiert +++

Volkmarsens Bürgermeister Hartmut Linnekugel (parteilos) hat sich schockiert über den Zwischenfall beim Rosenmontagszug gezeigt. „Wir sind alle betroffen, alle tief geschockt.“ Im Rathaus wurde ein Notlagezentrum mit Seelsorge und Polizeikräften eingerichtet, das bis Dienstag geöffnet bleibt. Dort erhalten direkt Betroffene und Angehörige gesicherte Informationen und Unterstützung, wie die Polizei Nordhessen mitteilte.

+++ Montag, 17:50 Uhr: Polizeipräsident spricht von 30 Verletzten +++

Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill äußert sich konkreter zur Zahl der Verletzten. Bei dem Zwischenfall in Volkmarsen habe es 30 Verletzte gegeben. Sieben davon seien schwer verletzt. Der Ermittlungsstab zu dem Vorfall wird von Frankfurt aus gesteuert.

+++ Montag, 17:28 Uhr: Einsatzkräfte sichern Gebiet +++

Feuerwehrleute haben die Stelle, an der das Auto in den Rosenmontagsumzug gefahren ist, mit Sichtblenden verstellt. 

Foto: Uwe Zucchi/dpa

+++ Montag, 17:26 Uhr: Fahrer derzeit nicht vernehmungsfähig +++

Der Fahrer ist nach Informationen der Ermittler deutscher Staatsbürger, 29 Jahre alt und kommt aus der Region Volkmarsen. Er ist nach Informationen des hessischen Innenministeriums zurzeit nicht vernehmungsfähig.

+++ Montag, 17:20 Uhr: Hessens Innenministerium schließt Anschlag nicht aus +++

Nach Angaben des hessischen Innenministeriums kann ein Anschlag nicht ausgeschlossen werden. Ein Sprecher begründete das mit der Situation vor Ort.

+++ Montag 17:19 Uhr: Spurensicherer vor Ort +++

Einsatzkräfte nehmen an der Unfallstelle in Volkmarsen Spuren auf.

Foto: Uwe Zucchi/dpa

+++ Montag, 17:16 Uhr: Auch Kinder unter Verletzten +++

Die Polizei geht nach bisherigen Erkenntnissen von Dutzenden Verletzten aus. Darunter seien auch Schwerverletzte und Kinder. Die genaue Zahl sei noch unklar, so ein Polizeisprecher.

+++ Montag, 17:14 Uhr: Polizei spricht von Vorsatz, aber keinem Anschlag +++

Die Polizei geht davon aus, dass der Fahrer vorsätzlich in den Rosenmontagszug gefahren ist. Das teilte ein Polizeisprecher soeben in Volkmarsen mit. Hinweise auf eine politisch motivierte Straftat lagen aber nicht vor. „Wir gehen nicht von einem Anschlag aus. Wir gehen von einem vorsätzlichen Tatgeschehen aus.“

+++ Montag, 17:02 Uhr: Fahrer ist deutscher Staatsbürger +++

Bei dem Fahrer des Wagens, der in die Menschenmenge gefahren ist, handelt es sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen um einen deutschen Staatsbürger.

+++ Montag, 16:55 Uhr: Zeugen schildern Vorkommnisse +++

Die „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ berichtete, Zeugen hätten geschildert, dass der Fahrer die Absperrung umgangen habe und dann mit Vollgas auf die Menschenmenge zugerast sei. Die Zeugen hätten den Eindruck gehabt, dass der Fahrer es vor allem auf Kinder abgesehen hatte. Von der Polizei gibt es dazu keine Angaben. 

+++ Montag, 16:41 Uhr: Fastnachtsumzüge in Hessen werden abgebrochen +++

Alle Fastnachtsumzüge in Hessen werden vorsichtshalber abgebrochen. Das hat das Polizeipräsidium Westhessen soeben mitgeteilt.

Wie viele Umzüge betroffen seien, sei derzeit unklar. Ob die für morgen geplanten Veranstaltungen im Straßenkarneval stattfinden können, sei noch nicht entschieden, sagte ein Sprecher.

+++ Montag, 16:37 Uhr: Polizei richtet Hinweisportal ein +++

Die Polizei Nordhessen hat nach dem Zwischenfall in Volkmarsen ein Hinweisportal eingerichtet. Hier können Augenzeugen Fotos und Videos der Polizei zur Aufklärung bereitstellen. Man appelliere an alle, die Bilder und Videos aus Volkmarsen haben, sich mit Spekulationen zurückzuhalten und keine dieser Aufnahmen zu verbreiteten, teilte die Polizei Nordhessen am Montag mit.

Das ist passiert

Im nordhessischen Volkmarsen ist ein Autofahrer in einen Rosenmontagsumzug gefahren. Dabei habe er in einer dicht gedrängten Gruppe mehrere Menschen erfasst, wie die Polizei gegenüber ANTENNE BAYERN bestätigt. Nach ersten Angaben der Polizei wurden Dutzende Menschen verletzt. Der Fahrer sei festgenommen worden, die Polizei sei mit einem großen Aufgebot vor Ort. Die Hintergründe sind noch unklar. Zugleich bat die Polizei darum, „keine ungesicherten Meldungen weiter zu verbreiten“.

Volkmarsen ist eine Kleinstadt im Landkreis Waldeck-Frankenberg mit rund 6.800 Einwohnern. Sie ist rund 30 Kilometer von Kassel entfernt. Bereits am Sonntag hatte es nach Angaben der örtlichen Feuerwehr einen Zwischenfall bei einer Karnevalsveranstaltung in einer Halle in Volkmarsen gegeben: Wegen eines Feueralarms seien der Veranstaltungsort geräumt und der betroffene Bereich kontrolliert worden, schrieb die Feuerwehr auf Facebook.

Foto: Uwe Zucchi/dpa

Der Grund für den Alarm sei nicht feststellbar gewesen, anschließend sei die Veranstaltung nach einer kurzen Unterbrechung fortgesetzt worden. Ob es einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen gibt, ist unklar.