09.06.2022 | Deutschland Berlin: Das wissen wir über den Täter der Amokfahrt

Nach der tödlichen Fahrt in eine Menschenmenge in der Nähe des Breitscheidplatzes in Berlin werden jetzt mehr Details zum 29-jährigen Täter bekannt. Was wir über die Amokfahrt und den Täter wissen, lest ihr hier.

Foto: dpa / Fabian Sommer

Der tödliche Vorfall mit einem Auto am Berliner Ku'damm wird von der Bundes- und Landesregierung als Amoktat eingestuft. Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) äußerte sich am Donnerstagmorgen, den 9. Juni 2022, entsprechend: 

"Das hat sich gestern Abend verdichtet"

, sagte Giffey im RBB-Inforadio. Durch die Ermittlungen der Polizei sei klar geworden, 

"dass es sich um die Amoktat eines psychisch schwer beeinträchtigten Menschen handelt". 

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte sich am Mittwochabend bei Twitter so ausgedrückt:

Polizei: Tendenzen in diese Richtung

Die Berliner Polizei nutzte den Begriff "Amoktat" hingegen zunächst bewusst nicht. Ein Polizeisprecher sagte am Donnerstag dazu: 

"Es gibt Tendenzen in diese Richtung, wir legen uns da aber noch nicht fest. Ermittelt wird weiterhin in alle Richtungen." 

Im Berliner Landeskriminalamt (LKA) ist eine Mordkommission für den Fall zuständig, nicht der Staatsschutz, der sich um politisch motivierte Kriminalität von Extremisten kümmert. Dies gibt einen Hinweis darauf, wie die Polizei den Fall nach den ersten Erkenntnissen einstuft.

Lehrerin getötet, Schüler verletzt

Bei seiner Tat tötete der Fahrer am Mittwochvormittag eine Lehrerin aus Hessen und verletzte insgesamt 14 Menschen, vor allem aus der dazugehörigen Schülergruppe. Der Fahrer - ein 29 Jahre alter, in Berlin lebender Deutsch-Armenier - wurde gefasst und in ein Krankenhaus gebracht. Am Abend gedachten zahlreiche Menschen in der Gedächtniskirche der getöteten Frau und der Verletzten.

Foto: dpa / Fabian Sommer
Täter ist polizeibekannt

Bereits am Mittwoch wurde unter anderem auch die Wohnung des Fahrers in Charlottenburg von der Polizei durchsucht. Nach jüngstem Kenntnisstand habe der 29-Jährige in der Vergangenheit psychische Probleme gehabt, so Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD). "Die genauen Umstände müssen im Rahmen der laufenden Ermittlungen noch geklärt werden." Der Mann armenischer Herkunft sei 2015 eingebürgert worden. Polizeilich sei er öfter aufgefallen, es habe Ermittlungen gegeben wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruchs und Beleidigung.

Über politische und extremistische Taten sei aber nichts bekannt. "Auch im Zusammenhang mit verfassungsfeindlichen Bestrebungen ist der Tatverdächtige bisher nicht aufgefallen." Im Auto sei kein Bekennerschreiben gefunden worden, so Spranger. 

"Im Auto wurden Plakate gefunden. Ob und inwieweit diese im Zusammenhang mit der Tat stehen, ist auch Gegenstand der Ermittlungen. Deshalb bewerte ich nach derzeitigem Stand das gestrige Geschehen als einen Amoklauf einer psychisch beeinträchtigten Person."
Motiv weiter unklar 

Giffey sagte am Donnerstagmorgen über den Täter mit Hilfe eines Dolmetschers werde versucht, mehr "aus den teilweise wirren Äußerungen, die er tätigt, herauszufinden". Ob die Plakate mit Bezug zur Türkei, die in dem Tatfahrzeug des Deutsch-Armeniers lagen, eine Rolle gespielt hätten, werde noch ermittelt. Sie sprach von einem "dunklen Tag in der Berliner Stadtgeschichte".

Die Notfall-Pläne zum koordinierten Einsatz aller Rettungskräfte und der psychosozialen Betreuung der Opfer hätten am Mittwoch "vorbildlich gegriffen", sagte Giffey. Umgesetzt worden sei, was nach dem islamistischen Terroranschlag 2016 "als Notfall- und Aktionsplan erarbeitet worden ist". Am Mittwoch sei auch begonnen worden, ein Koordinierungsteam einzusetzen für die Opferhilfe.

Neun Personen lebensgefährlich und schwer verletzt

Von den 24 Schülern der 10. Klasse Gruppe aus Hessen lägen 7 im Krankenhaus, sagte Giffey. Insgesamt seien sechs Menschen lebensgefährlich und drei weitere schwer verletzt worden. Darunter ist auch ein Lehrer. Die unverletzten Jugendlichen seien in ihrem Hotel von Berliner Schulpsychologen betreut worden. Noch am Mittwoch seien Eltern der Jugendlichen zusammen mit Schulpsychologen aus Hessen mit einem Bus angereist.

Als nächster Schritt folge die rechtliche und finanzielle Unterstützung zusammen mit der Opferhilfe und der hessischen Landesregierung. Sie habe in der Nacht noch mit dem hessischen Ministerpräsidenten gesprochen.

Weitere Schutzmaßnahmen für die Zukunft 

Zu möglichen Schutzmaßnahmen durch Poller an Straßen sagte Giffey zu Wahrheit gehöre auch,

«dass wir nicht die ganze Stadt abpollern können und auch nicht den ganzen Ku'damm abpollern können». 

Es werde aber von den Behörden untersucht, was zur Sicherheit zusätzlich möglich sei.

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