13.10.2021 | Deutschland Bewegendes Interview: Wie ein THW-Helfer die Suche nach Julia erlebt hat

„Mir ist nicht nur ein Stein vom Herzen gefallen, das war ein ganzes Bergwerk.“ Wir haben mit einem THW-Helfer, der bei der Suche nach Julia direkt vor Ort war, gesprochen. Wie er die Situation erlebt hat, lest ihr hier.

Foto: Armin Weigel/dpa

Harald Enßner, stv. Ortsbeauftragter vom THW Sulzbach-Rosenberg, war mit der Rettungshundestaffel an Suche nach Julia beteiligt und erzählt bewegt im ANTENNE BAYERN-Interview:

„Der Wald allein war nicht das Problem, der Wald gepaart mit dieser undurchdringlichen Natur. Der Berg dazu, der ja auch durchaus ganz schön steil war. (…) Nur noch unwegsames Gelände, Matsch, Gestrüpp, Dornen. Und in dem Wald, eine Abzweigung falsch genommen und man ist eine längere Zeit einfach unterwegs. Und mich wundert es nicht, wenn da jemand orientierungslos durch den Wald irrt.“

Haben Enßner und sein Team die Hoffnung zwischenzeitlich aufgegeben?

„Die Hoffnung an sich geben wir erst dann auf, wenn die Person gefunden ist, weil dann wir unseren Job erledigt haben. Wir gehen nicht raus, um wieder rein- und wieder heim zu fahren. Wir fahren raus, um Menschen zu finden, wenn sie vermisst werden. Und da tun wir so lang alles dafür, was wir können, wie es unsere körperliche Kraft hergibt.“

Wie geht das THW mit Angst bei solchen Sucheinsätzen um?

„Es lässt niemanden kalt, aber wir haben die nötige Professionalität, damit umzugehen. Aber die Angst, das Mädchen letztendlich nicht zu finden, die schwebt immer irgendwo mit.“

Was er persönlich als Familienvater fühlt:

„Es nimmt einen mit, es beschäftigt einen. Man denkt dran: Was wäre wenn? Wenn es das eigene Kind wäre, wenn es ein eigener Angehöriger wäre? Ja, das beschäftigt einen wirklich und man hat zu tun, das auf die Seite zu schieben. Das funktioniert während der Suche. Aber wenn man dann in eine Pause geht: Man denkt natürlich drüber nach.“

So hat sich Harald Enßner gefühlt, als Julia gefunden wurde:

„Mir ist nicht nur ein Stein vom Herzen gefallen, das war ein ganzes Bergwerk. Die Suche war lang, intensiv, kalt. Und wir waren alle, die komplette Einheit, wie wir draußen waren, gottfroh, dass es eben jetzt so ausgegangen ist.“

Florian Beck von der Polizei Oberpfalz ergänzt

Außerdem hat sich im ANTENNE BAYERN Interview ein Polizei-Sprecher geäußert und auch er hat die Situation sehr emotional erlebt. 

Florian Beck von der Polizei Oberpfalz ergänzt im ANTENNE BAYERN-Interview:

„Es war eine Suche, die mit vollem Eifer ab der ersten Minute losgegangen ist, und die Suche ist zu keiner Sekunde abgerissen. Wir haben zwei Nächte durchgesucht, zwei Tage fast. Es waren hier unzählige freiwillige ehrenamtliche Helfer auch im Einsatz, denen wirklich große Anerkennung gebührt. Und es war einfach die Hoffnung, die hier alle angetrieben hat.“

Als Julia gefunden wurde, reagierte der Polizeisprecher emotional:

„Also persönlich gesprochen muss ich schon sagen, dass ich in diesem Moment einen Kloß im Hals hatte. (…) Und das war einfach ein überwältigendes Gefühl, als wir das dann ja bestätigt bekommen haben.“ Er ergänzt: „Ich kann mich jetzt auch an keinen vergleichbaren Fall in meiner polizeilichen Laufbahn erinnern, der diese Ausmaße hatte und der in so einem wirklich „kleinen großen Wunder“ geendet ist. Das ist wirklich was ganz Besonderes!“